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Propagandawoche im Spiegel

16 Oct

Der Spiegel hat diese Woche aber auch das Hohelied des ohnmächtigen/unfähigen Staates und der allmächtigen Wirtschaft gesungen. Also, eigentlich begann das ja schon letzte Woche:

Energiewende

Energiewende: Seehofers Extrawunsch kostet Stromkunden Milliarden
[…]
Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte, dürften die zusätzlichen Kosten für die Erdverkabelung von Gleichstromtrassen zwischen drei und acht Milliarden Euro liegen. Die Mehrkosten müssen die Stromkunden über die Netzentgelte bezahlen.

Absoluter Unsinn: genau diese Art von Infrastrukturausbau sollte der Staat stemmen, der sich dann ohne weiteres dafür entscheiden könnte, diese Kosten eben nicht auf Haushalte umzulegen. Dazu müsste sich die Bundesregierung aber vom “Schwarze Null”-Fetischismus lösen, und das geht ja nicht.
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Geizige Regierungen (und Banken, aber die haben betriebswirtschaftliche Entschuldigungen)

10 Oct

Spiegel:

Entwicklungsbanken wie die Weltbank haben bei einem Treffen in Peru zusätzliche Gelder für einen Fonds zur Bekämpfung des Klimawandels zugesagt. Die Weltbank werde ihre Zahlungen von derzeit 10,3 Milliarden Dollar (gut neun Milliarden Euro) jährlich auf 16 Milliarden Dollar jährlich aufstocken, hieß es in einer Erklärung von Weltbankchef Jim Yong Kim.

Brave Weltbank, denn:

Die Industriestaaten hatten beim Klimagipfel 2010 in Cancún beschlossen, einen Klimafonds mit einem jährlichen Volumen von 100 Milliarden Dollar ab dem Jahr 2020 einzurichten. Bislang zugesagt sind nach einem OECD-Bericht 62 Milliarden (Stand 2014). Das Geld soll Entwicklungsländern für die Bewältigung der Lasten von Klimaschutz und Klimaanpassung zur Verfügung stehen.

Brave Industriestaaten – in Zeiten der Massenausterität sind zwei Drittel des Fonds schon zusammen. Nun stelle man sich nur mal vor, wieviel zusammenkäme, wenn nicht:

Von 2010 bis 2014 wurden laut OECD Kohle, Erdgas und Erdöl jährlich mit zwischen 142 bis 178 Milliarden Euro in 34 OECD-Staaten und sechs Schwellenländern subventioniert.

Mehr als doppelt so viel, wie pro Jahr für einen Fonds bereitgestellt wird, der helfen so, die Folgeschäden des Klimawandels zu stimmen, wird pro Jahr investiert, um den Klimawandel voranzutreiben!

“Divestment” bringt kaum was Konkretes

29 May

Ein einstimmiger Sieg fürs Klima

Der zweitgrößte Pensionsfonds der Welt gehört dem norwegischen Staat. Er soll künftig nicht mehr in Kohle investieren.

jubelt die TAZ.

So positiv ich diese Meinungsäusserung bewerte, im Endeffekt handelt es sich nur um eine PR-Massnahme.

Schon die Formulierung “Investoren” ist irreführend (und wird m.E. deswegen so gern verwendet): der Fond “investiert” gerade nicht in neue Förderanlagen/Kraftwerke etc. Er kauft Aktien, die dem ausgebenden Unternehmen nur bei der Erstausgabe Geld für Investitionen einbrachte. Aktuell haben alle möglichen Förderer fossiler Brennstoffe so viel angespart, dass sie ihre Investitionen noch entspannt selbst stemmen können.

Und selbst wenn sich der Fond derart aus der Kohleförderung zurückzieht – was genau hat das für Auswirkungen auf die Verbrennung derselben? Ich hab ja keine Ahnung, in welchem Masse die deutsche Bundes- und Landesregierung(en) in Kohleförderung investieren – dass Kraftwerke in Deutschland Braunkohle verbrennen und die Elektrizität ins Resteuropa exportieren, ist davon unbetroffen.

Links sein heisst auch, nicht irgendwelchem Aberglauben anzuhängen

21 Sep

Ok, ich kann das net anders sagen: WTF, TAZ?

Nine Pierpont hat also das “Wind Turbine Syndrome” benannt. Problem ist nur, dass es dafür keinen wissenschaftlichen Beleg gibt. Speziell gibt es schlicht keine peer-reviewed publication und überzeugende Argumente gegen ihre Behauptungen.

Und die Formulierung

Die St. Louis School of Medicine lieferte dazu kürzlich weitere Forschungsergebnisse.

ist gezielt vage, denn was sie auslässt, ist dass die Publikation in “Acoustics Today” veröffentlicht wurde, die explizit keine peer review vornehmen.
Zusätzlich ist das ganze rein theoretisch (meine Hervorhebung):

The many ways by which unheard infrasound and low-frequency sound from wind turbines could distress people living nearby are described.

D.h., selbst in diesem Artikel finden sich keine empirischen Belege.

Dieser TAZ-Artikel ist pseudowissenschaftlich panikmachend und hilft im Endeffekt nur denen, denen erneuerbare Energien ein Dorn im Auge sind.

Lobbying zerschiesst das EEG, aber für den Spiegel geht’s um Staatskapitalismus

11 Sep

China ist dabei, die BRD beim Anteil erneuerbarer Elektrizitätserzeugung zu überholen:

Deutschland, bisher der unbestrittene Spitzenreiter, wird seine führende Position in Kürze einbüßen. Zwar deckten die deutschen Ökostrom-Kraftwerke im ersten Halbjahr 2014 etwa 31 Prozent der Stromerzeugung, gut sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Doch China liefert sich – mit knapp 30 Prozent im vergangenen Jahr – ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Deutschland.

Da die Ausbaudynamik im Reich der Mitte deutlich größer als hierzulande ist, wird sich China 2014 voraussichtlich die Spitzenposition sichern.

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Kleine Autos dürfen halt nicht schnell fahren

5 Jun

Wenn wir denn wirklich auf absehbare Zeit bei PKWs-für-alle bleiben wollen, dann bleibt uns als Ansatz zur Handhabung der Erderwärmung eigentlich nur, die Dinger kleiner und leichter zu machen, damit sie weniger Produktionsaufwand verlangen und weniger Sprit schlucken (oder weniger Strom verbrauchen).

Nur ist einiges an Grösse und Masse Sicherheitserwägungen geschuldet – kleine Autos sind deutlich unsicherer:

An dem E-Mobil hatten die Prüfer einiges zu bemängeln: Unter anderem kritisierten sie, dass der Kopf des Fahrers beim Seitenaufprall aus dem Fahrzeug ragt und auf einem auftreffenden Fahrzeug aufschlagen kann. Der Twizy wird serienmäßig ohne Seitenschieben verkauft. Beim Frontalcrash wies der Dummy außerdem Anzeichen für schwere Verletzungen an Hals, Knien und Oberschenkeln auf.
[…]
Im Vergleich zu den anderen Testautos schnitt der Twizy noch verhältnismäßig gut ab: Bei dem Elektrofahrzeug Tazzari Zero brach im Frontal-Crashtest ein Befestigungspunkt des Anschnallgurts, der vordere Antriebsakku wurde in den Fußraum gedrückt. Beim Seitenaufprall öffnete sich die Fahrertür, beim Ligier Ixo riss sie sogar ab. Dem Frontalaufprall hielt der Sicherheitsgurt im Ixo ebenfalls nicht stand. Und das Golf-Kart von Club Car brach nahezu komplett auseinander, als es mit Tempo 50 auf ein Hindernis krachte.

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Wie kann es eigentlich sein, dass niemand zu verstehen scheint, dass es Wahnsinn ist, “Schwarzer Peter” mit Erderwärmung zu spielen

8 Apr

Die aktuell beliebteste Taktik westlicher Regierungen, um die Gewinne diverser Konzerne zu schützen, besteht darin, darauf zu bestehen, dass die sich aktuell industrialisierenden Länder ihren CO2-Ausstoss verringern müssen, bevor sich die industrialisierten bewegen. Selbst die TAZ stimmt in sowas ein:

Doch so wichtig die Industrieländer sind – der Berichtsentwurf macht deutlich, dass der Kampf gegen den Klimawandel nicht hier entschieden wird, sondern in Schwellenländern wie China oder Indien und in den Megastädten Afrikas und Asiens. Denn der weltweite CO2-Ausstoß hat durch neue Fabriken, Autos und Kraftwerke dort immer mehr zugelegt: Pro Jahr stieg die Abgasfahne von 2000 bis 2010 um 2,2 Prozent jährlich, auf 49 Milliarden Tonnen CO2 2010. Dabei sind „das Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung Haupttreiber für den wachsenden CO2-Ausstoß“.

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