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“Verbündete”, die die Realität nicht verstehen, sind nutzlos (oder sogar schädlich)

10 Apr

Die TAZ kommt von allen relativ grossen Zeitungen in Deutschland einer linken am nächsten. Wenn dann in derselben jedoch eine Verbindung zwischen

In den beiden vorangegangenen Monaten hatte es einen Rekordzufluss von Valuta nach Dänemark gegeben. Die Währungsreserven hatten sich auf umgerechnet rund 100 Milliarden Euro fast verdoppelt, so dass die Zentralbank den Markt mit der eigenen Währung fluten musste.

Im März herrschte dagegen weitgehende Ruhe. Die Nationalbank war nicht mehr gezwungen, zu intervenieren. Sie ließ den Kurs der Krone zum Euro auf den niedrigsten Stand seit 2001 abrutschen.

und

In Dänemark hatten Spekulanten erwartet, dass der große Zustrom von Valuta Kopenhagen zwingen werde, dem Beispiel der Schweiz zu folgen, die im Januar den Wechselkurs freigeben musste. Mit der dann zu erwartenden Aufwertung der Krone wäre ein schöner Profit mit den vorübergehend in Dänemark geparkten Milliarden zu machen gewesen.

hergestellt wird, erweist das der linken Sache einen Bärendienst.

Denn nichts, absolut nichts “zwingt” eine Zentralbank, die ihre eigene Währung herausgibt, den Versuch aufzugeben, den Kurs derselben niedrig zu halten.

Die Dänen hätten virtuelle Kronen zum Zweck des Euroaufkaufs bis zum Sankt-Nimmerleinstag herausgeben können, genauso wie die Schweiz das hätte tun können. Der “Produktionsaufwand” einer Zentralbank für Währungseinheiten ist faktisch 0, was auch bedeuete, dass selbst dann, wenn die aufgekaufen Euros massiv abwerten, keinerlei “Verlust” erwirtschaftet wird.

Frauenfeindlichkeit in Aktion

12 Feb

Folgendes hat sich in Deutschland zugetragen:

Der Mechaniker fand den Busen der Frau schön und sagte das auch so. Dann berührte er eine der Brüste ungefragt.
[…]
[D]ie Reinigungskraft entschied sich dafür, sich ihrem Chef anzuvertrauen. Dass dieser seine Mitarbeiterin ernst nahm und umgehend den Arbeitgeber des Täters kontaktierte, war richtig, aber nicht selbstverständlich.

Dem Mann, der sich, so erklärte er es sich nachher selbst, „kurz nicht unter Kontrolle hatte“, wurde fristlos gekündigt. Sein eigener Chef hatte damit klare Grenzen gezogen – die das Bundesarbeitsgericht nun erneut verwischt hat. Die Kündigung sei nicht angemessen gewesen, eine Abmahnung hätte ausgereicht.

Warum? Weil die Frau selbst dem Mechaniker gewisse Signale gesendet hatte? Weil er schon seit Jahren in dem Betrieb gearbeitet hatte und nie zuvor auffällig geworden war? Weil er sich entschuldigte und sogar Schmerzensgeld zahlte? Weil er die Tat im Personalgespräch mit seinem Chef sofort gestand, obwohl er – da es keine Zeugen gab – alles hätte abstreiten können?

Ja, von allem ein bisschen, sagt das Bundesarbeitsgericht und meint das auch noch vollkommen ernst.

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Feministin demütigt Vergewaltiger

8 Jan

findet die TAZ in einem bemerkenswerten verblendeten Beitrag mit dem Titel “Ein hochtoxisches Gespenst”:

Denn Evans hat eine Frau vergewaltigt, jedenfalls waren die Richter dieser Meinung. Sie schickten ihn für fünf Jahre hinter Gitter, nach zweieinhalb Jahren kam er frei.
[…]
Evans wird auch nicht verziehen, dass er sich nicht zu seiner Tat bekennt und so ziemlich alles tut, um sich als Justizopfer darzustellen.
[…]
Als Evans bei seinem alten Klub, Sheffield United, mittrainieren wollte, stellte eine unter dem Pseudonym Jean Hatchet agierende „radikale Feministin“ (Hatchet über Hatchet) eine Unterschriftenliste ins Netz – fast 170.000 Leute unterschrieben.

Sheffield ließ Evans fallen wie eine heiße Kartoffel. Sponsoren drohten mit dem Rückzug, Vereinspaten damit, den Klub nicht mehr zu unterstützen.
[…]
Er wird wohl weiter tingeln müssen. Wenn er seine Dienste kostenlos in der fünften oder sechsten Liga anbietet, dann könnte es vielleicht etwas werden mit einem Job. Man verlangt offensichtlich von ihm, sich selbst zu demütigen.

Fassen wir zusammen: der Mann hat eine Frau vergewaltigt, dafür schlappe 2,5 Jahre abgesessen (wieviel kriegt man nochmal für schwere Eigentumsdelikte?), und ist anscheinend nicht reformiert.

Und weil es eine engagierte Frau (deren Selbsteinordnung in Gänsefüsschen gesetzt wird) nicht hinnehmen will, dass ein Verbrecher, der keine Reue zeigt, wieder arbeiten geht, sieht der Herr Sportredakteur Demütigung?

Wie kriegt man ein System zustande, das nicht von einer Oligarchie übernommen werden kann?

26 Nov

Ein Elmar Weixlbaumer hat anscheinend ein Buch namens “Billionaires Club” geschrieben, das die TAZ bespricht und mit

Der Tiroler Manager Elmar Weixlbaumer klärt über die Naturgegebenheit von Reichtum auf. Möglicherweise meint das aber nur Politikverzicht.

(unter)titel. Anscheinend ist eine seiner Thesen, dass:

Gegen die rasante Konzentration des Reichtums beim obersten Prozent könne und wolle die Politik wenig tun.
[…]
Weixlbaumers Folgerungen: Dagegen ist nichts zu machen, politisch sind die Vermögenden längst zu einflussreich.
[…]
Weixlbaumer gibt den Tipp, sich lieber mit der Realität zu arrangieren: etwa die Kinder sofort ebenfalls auf möglichst elitäre Schulen schicken, damit man im Inner Circle mit den Kindern der Reichen ist, bevor es zu spät ist – bevor also dieser Lebenswandel so teuer wird, das ihn sich auch die gehobene Mittelschicht nicht mehr leisten kann.

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Gute Ausbeuter und böse Ausbeuter

14 Nov

Die TAZ hat einen Artikel Auch Schmuggler haben Rechte online, dessen Fakten sich etwa so darstellen:

Panjus Anwalt Xavier Magnée […] schaffte es […] 2012 sogar die Kontensperrungen aufzuheben – seine vier Millionen Dollar […] erhielt Panju daraufhin zurück.

Er hatte immer geltend gemacht, dass die RCD damals die anerkannte Regierungsgewalt im Ostkongo ausgeübt hatte und er lediglich an sie Steuern gezahlt habe.
[…]
Wie nun bekannt wurde, verurteilte das Gericht am 28. Oktober den belgischen Staat wegen Verschleppung des Verfahrens gegen Panju, das offiziell immer noch läuft. Mit der überlangen Verfahrensdauer seien die Menschenrechte des Klägers verletzt, befanden die Richter mehrheitlich.

Im Unterschied zu der neutralen Überschrift findet der Autor das gar nicht gut, wie die (oben redigierten) Einlassungen andeuten:

[…]in Belgien bekannt als Verteidiger des Kinderschänders Marc Dutroux[…]
[…]vermutlich in Wahrheit RCD-Geld aus dem Kongo[…]
[…]Konkrete Folgen für Panju hat der Richterspruch nicht – aber er macht deutlich, wie schwierig es ist, mutmaßliche Schmuggler kongolesischer Reichtümer zur Rechenschaft zu ziehen.[…]

Die atemlose Empörung des Artikels ist schon irgendwie niedlich:

Und jetzt hat der Mineralienhändler auch noch in Straßburg Recht erhalten[!]

Denn fassen wir mal kurz zusammen: in der Demokratischen Republik Kongo (denn da es ja auch noch die Republik Kongo gibt, ist die Formulierung “Kongo” mehrdeutig) gewinnt Kabila einen Bürgerkrieg, beginnt sich ähnlich wie sein Vorgänger an den “kongolesische[n] Reichtümer[n]” zu bereichern und verärgert die Regierungen, die ihn ehemals unterstützten. Resultat: erneuter Bürgerkrieg, diesmal zwischen der RCD und Kabilas Truppen.
Warum Kabila (und damit seine Geschäfte mit internationalen Kunden aller Art) legitimierter gewesen sein sollte, als die RCD, erschliesst sich mir nicht.
Und dementsprechend auch nicht, warum Bukavu unrechtmässiger gehandelt haben sollte, als irgendjemand, der aktuell als Zwischenhändler zwischen der Regierung der DRK und etwaigen Kunden auftritt.

Immer wieder beeindruckend, wie Ethik nicht so wichtig ist

2 Oct

Die TAZ hat eine Kolumne namens “Was fehlt” und vor zwei Wochen schrieb die über eine Umfrage unter Veganern:

Vegan.eu befragte 1071 vegan lebende Personen im Alter von 16 bis 83 Jahren, unter ihnen 70% Frauen und 30% Männer, ob sie bereits Ausgrenzungen oder Diskriminierungen wegen ihrer veganen Ernährungen erlebt hätten.

Lediglich 7,3% der Befragten vegan lebenden Personen verneinten diese Frage. Demgegenüber gaben entsprechend mehr als 92% der befragten Veganer an, Ausgrenzung oder Diskriminierung zu kennen.

Am häufigsten beklagt wurden Verspottung (92,1%), der Vorwurf des Extremismus (71,7%) und die Forderung, ein nicht veganes Gericht zu essen (48,5). Seltener berichtet wurde über allgemeine Beschimpfungen (24,9%), Vorwürfe des Kindesmissbrauches (19,7%), sowie Kontaktabbrüche oder Ausladungen (17,8%). Demgegenüber schilderten nur sehr wenige der Befragten Bedrohungen (2,1%) oder gar körperliche Angriffe (0,3%).

und machte sich darüber lustig – also, die TAZ:

Geradezu unmenschliche Auswüchse wie Verspottung (92,1 Prozent) und allgemeinen Beschimpfung (24,9 Prozent), werden von moderaten Maßnahmen wie Extremismusvorwurf (71,7 Prozent), Bedrohung (2,1 Prozent) und körperlichem Angriff (0,3 Prozent) flankiert.

Nun stelle man sich mal vor, die Entscheidung, sich auf eine bestimmte Weise zu ernähren, wäre nicht ethisch, sondern anderweitig begründet, z.B. religiös. Und weiterhin, dass sich derart Ernährende deswegen verspottet, als Extremisten bezeichnet usw. würden. Würde die TAZ dann auch ihre Häme ausschütten oder ist traditioneller, institutionalisierter Aberglaube ok?

Allerdings kann man von jemandem, der mit einem Irrtum anfängt:

Der Veganer hat es nicht leicht: Er darf keinerlei leckere Sachen essen[.]

wahrscheinlich auch nix anderes erwarten.

Stockfotos sind genauso verheerend, wie andere Formen von Churnalism

26 Sep

Die TAZ schreibt darüber, dass die syrischen Rebellen nicht so begeistert davon sind, dass Luftschläge gegen ISIS indirekt auch syrischen Regierungstruppen helfen.

Der Artikel ist damit illustriert:
F-16 in-flight
Das Foto ist einfach frigging gorgeous! Speziell mit dem Abgasstrahl, kontrastierend mit dem Abendhimmel – das ist schlicht und einfach USAF-Werbung, kostenlose noch dazu.

Eine kurze reverse image search zeigt, dass das Foto 41 Mal im Netz zu finden ist. Wie gesagt, hervorragende Werbung für die USAF und einfach nur, weil Hinz und Kunz Stockfotos verwendet.