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Griechenlands “überraschende” Rezession

6 Mar

Angesichts von einer Schrumpfung des griechischen BIP um 0,05% 2016 schreibt der Spiegel:

Griechenlands Wirtschaft schrumpft überraschend stark

Wenn ich das lese: “überraschend”!
Die griechische Regierung versucht weiterhin krampfhaft, Ausgaben zurückzufahren, die Konjunktur in Europa ist nicht plötzlich angesprungen, so dass alle in Griechenland Urlaub machen wollen und US-Amerikaner und Chinesen alleine können ja nicht alles auffangen.
Also wer bitte ist denn nach 8 Jahren davon überrascht, dass die Rezession ohne Gegenmassnahmen weitergeht? Also, ausser denen, die ständig behaupten müssen, staatliche Nachfrage runterzufahren, würde magischerweise zu Wirtschaftswachstum führen.

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Weniger-rechts ist und bleibt etwas anderes als links

6 May

In einigen der kapitalistischen Demokratien fühlen sich viele Wähler nicht mehr von der politischen Klasse vertreten, oft, weil mitte-links und mitte-rechts sich zu verdammt ähnlich sehen (wobei es nicht wirklich mitte-rechts ist, das sich verschoben hat):

  • in Frankreich versucht die PS, ein rechtes Gesetzesprojekt nach dem anderen durchzudrücken und stürzt in den Umfragen ab
  • in Deutschland hat die SPD ihre rechten Projekte durchgedrückt, trommelt mit aller Kraft für TTIP und krebst bei 20% rum
  • in Spanien hat die sozialdemokratische Partei Sparunsinn durchgedrückt, weigert sich konsequent, davon abzurücken und hat (genauso wie die konservative Partei) deutlich Stimmen eingebüsst (22% in den letzten Wahlen)
  • im Vereinigten Königreich war Labour trotz einer verheerenden Bilanz der Tories so unattraktiv, dass Cameron die letzte Wahl gewann und die Partei in Schottland faktisch nicht mehr vertreten ist
  • in Osteuropa sind in einigen Ländern so gut wie keine mitte-links Parteien mehr in den Parlamenten vertreten

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Argentinien begibt sich mit offenen Augen in die Falle (und der Spiegel stellt’s falsch dar)

20 Apr

15 Jahre lang war Argentinien von den Finanzmärkten verbannt, jetzt hat ein US-Gericht die Sperre aufgehoben.

schreibt der Spiegel, was natürlich Unsinn ist. Die argentinische Regierung hatte die ganze Zeit Zugang zu den nationalen Finanzmärkten, was der Spiegel im Text auch klarstellt (meine Hervorhebung):

15 Jahre lang war Argentinien von den internationalen Finanzmärkten ausgeschlossen, nun kann das Land dort wieder Kredite aufnehmen.

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Fukushima, fünf Jahre später

11 Mar

Aus dem Spiegel:

Weil geschlossene Kühlkreise teils nicht mehr existieren, werden jeden Tag Hunderte Tonnen Wasser in die zerstörten Reaktorgebäude geleitet. Das dann radioaktiv verseuchte Wasser muss anschließend herausgepumpt und gelagert werden.

Wie man die beim GAU geschmolzenen Brennstäbe jemals bergen wird, weiß derzeit niemand. Die betroffenen Reaktorgebäude darf wegen der hohen Strahlung kein Mensch betreten. Mit Robotern versucht man, sich zumindest einen groben Überblick über die Lage zu verschaffen. Tepco selbst hält den Rückbau zu “rund zehn Prozent” für bewältigt. Die Arbeiten könnten insgesamt noch 30 oder 40 Jahre dauern.

Das war keine Katastrophe auf Tscherobylniveau, diverse (auch deutsche) Medien haben damals tagelang geschrieben, es sei doch gar nicht so viel passiert, und Japan ist eins der technologisch am weitest entwickelten Länder.

Und die kriegen’s schlicht nicht in den Griff!

Und da wollen einige tatsächlich mit Kernenergie weitermachen, auch gerade von profitorientierten Unternehmen betrieben? Glaubt nach den Vorfällen der vergangenen Monate irgendjemand, dass die französische oder belgische Regierung die Situation besser in den Griff kriegte, als die japanische?
Macht sich ernsthaft irgendwer Illusionen darüber, was in Deutschland passieren würde?

Herr, schmeiss Hirn vom Himmel!

10 Mar

Der Spiegel zeigt in einem Beitrag mit dem Titel:

Ifo-Studie: Grenzkontrollen kosten jeden Deutschen bis zu 132 Euro

wie wenig Makroökonomie/Volkswirtschaftslehre betrieben/verstanden wird und wie idiotisch die aktuelle Berechnung des BIP ist:

Dass Grenzkontrollen den Handel beschneiden, beobachtet Spediteur Dettendorfer bereits jetzt. Holzreste von Sägewerken, die sein Unternehmen normalerweise von Bayern nach Österreich fährt, bleiben nun in Deutschland. “Der Transport lohnt sich nicht mehr. Wir nehmen stattdessen einen geringeren Preis in Deutschland in Kauf”, sagt Dettendorfer.

Dettendorfer nimmt also weniger mit dem Verkauf dieser Holzreste ein – macht also weniger Gewinn oder sogar Verlust.
Allerdings heisst das auch, dass jemand in Deutschland weniger für diese Holzreste ausgeben muss, als wenn sie nach Österreich gegangen wären und den Markt in Deutschland verknappt hätten. D.h., dass diese Person mehr Gewinn macht.

Genauso:

Allen Studien ist gemein, dass […] die direkten Ausgaben für die Kontrollen in den obigen Angaben nicht enthalten sind.

Diese “direkten Ausgaben” sind Ausgaben des Staates, die in Gehälter und/oder Material fliessen. D.h., dass es sich wahrscheinlich um Einnahmen diverser deutscher Wirtschaftssubjekte handelt. Genauso, wie die Ausgaben für die Versorgung der ankommenden Flüchtlinge ja an deutsche Wirtschaftssubjekte gezahlt wurden/werden und deswegen zwar Kosten für den Staat, aber keinesfalls Kosten für “jeden Deutschen” darstellen.

Propagandawoche im Spiegel

16 Oct

Der Spiegel hat diese Woche aber auch das Hohelied des ohnmächtigen/unfähigen Staates und der allmächtigen Wirtschaft gesungen. Also, eigentlich begann das ja schon letzte Woche:

Energiewende

Energiewende: Seehofers Extrawunsch kostet Stromkunden Milliarden
[…]
Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte, dürften die zusätzlichen Kosten für die Erdverkabelung von Gleichstromtrassen zwischen drei und acht Milliarden Euro liegen. Die Mehrkosten müssen die Stromkunden über die Netzentgelte bezahlen.

Absoluter Unsinn: genau diese Art von Infrastrukturausbau sollte der Staat stemmen, der sich dann ohne weiteres dafür entscheiden könnte, diese Kosten eben nicht auf Haushalte umzulegen. Dazu müsste sich die Bundesregierung aber vom “Schwarze Null”-Fetischismus lösen, und das geht ja nicht.
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Steuer sind gut, um staatliche Defizite zu verringern, ausser wenn sie Wohlhabende betreffen

13 Oct

Der nächste Bourne wird nicht in Griechenland gedreht und der Spiegel wundert sich:

Entgegen dem weltweiten Trend bietet Griechenland keine Steuervorteile für internationale Filmprojekte – während sich andere Länder einen regelrechten Unterbietungswettkampf liefern.

Die mexikanische Regierung etwa bot den Produzenten des neuesten “James Bond”-Films laut Zeitungsberichten bis zu 20 Millionen Dollar Steuerrabatt. Als Gegenleistung wird das Land in einem besseren Licht erscheinen. Das Bond-Girl kommt aus Mexiko – der obligatorische Bösewicht hingegen nicht.

In Deutschland können internationale Co-Produktionen bis zu 20 Prozent der Investitionen an Steuerrabatten erhalten. Die Niederlande bieten Filmemachern einen großzügigen 30-Prozent-Zuschuss, und Frankreich hat erst jüngst sein Steuersparmodell aufgehübscht – der Rabatt stieg von 20 auf 30 Prozent, die Obergrenze wurde auf 30 Millionen Euro angehoben.

Da erscheint es seltsam, dass ausgerechnet Griechenland nicht nachzieht – ein rezessionsgeplagtes Land, das nach ausländischen Investitionen und neuen Jobs dürstet und zudem extrem abhängig ist vom Tourismus.

Das ist der gleiche Spiegel, der in den Chor derer einstimmte, die die griechische Regierung aufforderten, die Mehrwertssteuer zu erhöhen und Steuervorteile abzuschaffen, was diese inzwischen auch beschlossen hat. D.h., dass sowohl Touristen, als auch die griechische Bevölkerung mehr zahlen müssen, also weniger Kaufkraft hat. Was wiederum den Binnenkonsum verringert und Touristen eher abschreckt, als lockt. Das wurde beim Lärmen irgendwie übersehen.

Aber wenn es darum geht, einem Hollywoodstudio dabei zu helfen, Geld zu sparen, sieht die Sache plötzlich anders aus.