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Mit solchen Freunden…

7 Jul

Die TAZ interviewt eine Sexualstrafrechtlerin zum neuen Gesetz und fabriziert dabei sowas:

Ein weiteres Problem der neuen Rechtslage: Ein Paar liegt im Bett, sie will Sex. Er sagt, er sei zu müde. Sie gibt nicht auf und streichelt seinen Penis, bis er doch Lust hat. Ist das künftig strafbar, weil sie sein Nein ignoriert hat?

Mal ganz abgesehen davon, dass das Beispiel nicht an Prägnanz gewinnt, wenn es sich um eine Täterin handelt – wenn der Partner irgendwann “doch Lust hat”, geschieht alles weitere nicht mehr gegen seinen Willen. Erektion != Lust – der Körper kann auf Stimuli reagieren, selbst wenn der Geist nicht will. Und was sagt die Frau Professorin?

Das Verhalten der Frau mag zwar den Tatbestand des neuen Gesetzes erfüllen. Aber ich bitte Sie, welcher Mann zeigt seine Partnerin nach einer solchen Situation an?

Statt zu besprechen, wie schwierig es sein könnte, mit einem Fall umzugehen, in dem die ursprünglichen sexuellen Handlungen gegen den Willen des Partners erfolgen, und es dann zu einvernehmlichen Geschlechtsverkehr kommt, wird einfach angenommen, dass der Mann danach zufrieden mit der Situation ist. Dass er sie u.U. nicht anzeigt, weil er sich nicht vorstellen kann, dass der Fall ernstgenommen wird, wäre was anderes, und würde viel über das Gesetz und unsere Gesellschaft aussagen.

Und noch mal: wenn man das Beispiel mit einer Frau konstruiert hätte, die gegen ihren Willen stimuliert wird und dann “doch Lust hat”, hätte das nichts geändert. Nur, indem man einen Mann nimmt, kann man ein so schön kontroverses Beispiel konstruieren.

Blödes Beispiel, blöde Antwort.

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Unangenehme Wahrheiten verschweigt man in Indien lieber

4 Mar

Einer der indischen Gruppenvergewaltiger von 2012 ist interviewt worden und hat widerliches von sich gegeben:

Der Mann, der für die Tat zum Tode verurteilt wurde, sagte in einem Dokumentarfilm unter anderem, die Frau hätte die Gruppenvergewaltigung überlebt, wenn sie stillgehalten hätte.
[…]
In seinen Kommentaren gibt der Verurteilte durchgängig Mädchen und Frauen die Schuld an einer Vergewaltigung – sie hätten bei Nacht schließlich draußen auf der Straße nichts zu suchen: „Ein Mädchen ist bei weitem viel mehr verantwortlich für einen Vergewaltigung als ein Junge“, sagt Singh unter anderem in dem Dokumentarfilm. „Ein anständiges Mädchen wird nicht um neun Uhr abends noch draußen rumstreifen(…) Hausarbeit ist für Mädchen, nicht in Discos und Bars in der Nacht rumhängen, falsche Dinge tun und falsche Kleidung tragen.“

Die Todesstrafe, die er und seine drei Komplizen aufgrund eines schnell verschärften Gesetzes bekamen, bedroht seiner Ansicht noch eher das Leben von Vergewaltigungsopfern. „Wenn sie jetzt ein Mädchen vergewaltigen, werden sie es nicht zurücklassen, wie wir es taten. Sie werden es töten“, sagte Singh.

Gerade auch angesichts der Kommentare, die einige indische Politiker im Wahlkampf abliessen, sollte ein Schlaglicht auf solche Einstellungen geworfen werden. Das mag die indische Polizei allerdings gar nicht:

Die Polizei in Neu-Delhi will ihn aber gerichtlich stoppen lassen, wie Chef B. S. Bassi am Dienstag sagte.
[…]
Zwischen den Gefängnisbehörden und Udwin brach aufgrund der bekannt gewordenen Kommentare Singhs ein Streit darüber aus, ob sich die Filmemacherin an das vereinbarte Prozedere gehalten habe. Nach Darstellung einer Sprecherin des Gefängnisses, in dem Udwin den Vergewaltiger interviewte, sollte der Film vor seiner Ausstrahlung von den Behörden genehmigt werden.

Frauenfeindlichkeit in Aktion

12 Feb

Folgendes hat sich in Deutschland zugetragen:

Der Mechaniker fand den Busen der Frau schön und sagte das auch so. Dann berührte er eine der Brüste ungefragt.
[…]
[D]ie Reinigungskraft entschied sich dafür, sich ihrem Chef anzuvertrauen. Dass dieser seine Mitarbeiterin ernst nahm und umgehend den Arbeitgeber des Täters kontaktierte, war richtig, aber nicht selbstverständlich.

Dem Mann, der sich, so erklärte er es sich nachher selbst, „kurz nicht unter Kontrolle hatte“, wurde fristlos gekündigt. Sein eigener Chef hatte damit klare Grenzen gezogen – die das Bundesarbeitsgericht nun erneut verwischt hat. Die Kündigung sei nicht angemessen gewesen, eine Abmahnung hätte ausgereicht.

Warum? Weil die Frau selbst dem Mechaniker gewisse Signale gesendet hatte? Weil er schon seit Jahren in dem Betrieb gearbeitet hatte und nie zuvor auffällig geworden war? Weil er sich entschuldigte und sogar Schmerzensgeld zahlte? Weil er die Tat im Personalgespräch mit seinem Chef sofort gestand, obwohl er – da es keine Zeugen gab – alles hätte abstreiten können?

Ja, von allem ein bisschen, sagt das Bundesarbeitsgericht und meint das auch noch vollkommen ernst.

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Feministin demütigt Vergewaltiger

8 Jan

findet die TAZ in einem bemerkenswerten verblendeten Beitrag mit dem Titel “Ein hochtoxisches Gespenst”:

Denn Evans hat eine Frau vergewaltigt, jedenfalls waren die Richter dieser Meinung. Sie schickten ihn für fünf Jahre hinter Gitter, nach zweieinhalb Jahren kam er frei.
[…]
Evans wird auch nicht verziehen, dass er sich nicht zu seiner Tat bekennt und so ziemlich alles tut, um sich als Justizopfer darzustellen.
[…]
Als Evans bei seinem alten Klub, Sheffield United, mittrainieren wollte, stellte eine unter dem Pseudonym Jean Hatchet agierende „radikale Feministin“ (Hatchet über Hatchet) eine Unterschriftenliste ins Netz – fast 170.000 Leute unterschrieben.

Sheffield ließ Evans fallen wie eine heiße Kartoffel. Sponsoren drohten mit dem Rückzug, Vereinspaten damit, den Klub nicht mehr zu unterstützen.
[…]
Er wird wohl weiter tingeln müssen. Wenn er seine Dienste kostenlos in der fünften oder sechsten Liga anbietet, dann könnte es vielleicht etwas werden mit einem Job. Man verlangt offensichtlich von ihm, sich selbst zu demütigen.

Fassen wir zusammen: der Mann hat eine Frau vergewaltigt, dafür schlappe 2,5 Jahre abgesessen (wieviel kriegt man nochmal für schwere Eigentumsdelikte?), und ist anscheinend nicht reformiert.

Und weil es eine engagierte Frau (deren Selbsteinordnung in Gänsefüsschen gesetzt wird) nicht hinnehmen will, dass ein Verbrecher, der keine Reue zeigt, wieder arbeiten geht, sieht der Herr Sportredakteur Demütigung?

Wer sich nicht wehrt, willigt ein

7 Aug

titelt die TAZ und beschreibt, wie die rechtliche Situation in Deutschland Vergewaltigung ermöglicht und gegen die Konvention gegen Gewalt gegen Frauen verstösst:

Wenn jemand Ihnen Luft aus dem Autoreifen lässt, dann ist das strafbar. Wenn jemand Ihnen eine Ohrfeige gibt, ist das mindestens eine „tätliche Beleidigung“, wenn nicht Körperverletzung – und strafbar.

Körperverletzung kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Wenn jemand Sie vergewaltigt, und Sie haben geweint und „Nein“ gerufen – wird er nicht bestraft.
[…]
Der Konvention zufolge müssen sexuelle Handlungen, die nicht einverständlich erfolgen, bestraft werden. Das aber ist in Deutschland nicht der Fall.

So heißt es in einem Urteil: „Die Vornahme sexueller Handlungen allein gegen den Willen einer Person hat der Gesetzgeber nicht unter Strafe gestellt.“ Das Justizministerium sieht jedoch keinen Handlungsbedarf. Nach dem deutschen Strafrecht ist Vergewaltigung bisher nur dann strafbar, wenn der Täter Gewalt anwendet oder eine „gegenwärtige Gefahr für Leib und Leben“ androht. Oder wenn er die schutzlose Lage eines Opfers ausnutzt. Weil diese Voraussetzungen oft nicht erfüllt sind, werden häufig Verfahren eingestellt, obwohl das Opfer seinen entgegenstehenden Willen klar zum Ausdruck brachte.
[…]
Selbst die später eingeführte Alternative der „schutzlosen Lage“ wird eng ausgelegt, wie ein in der Studie zitierter Einstellungsbeschluss einer Staatsanwaltschaft zeigt: „Insbesondere ist dem Beschuldigten nicht hinreichend sicher nachzuweisen, dass er die Haustür abgeschlossen und den Schlüssel für Sie unerreichbar aufbewahrt hat.“
[…]
Kritik wird auch an der Rechtsprechung zu einem anderen Delikt, dem sexuellen Missbrauch Widerstandsunfähiger, geübt. Eine Frau, die von ihrem Partner im Schlaf vergewaltigt wird und dabei aufwacht, darf vom Bundesgerichtshof vernehmen, dass der Täter „in einer Intimbeziehung von einem grundsätzlichen Einverständnis in sexuelle Handlungen“ ausgehen kann, sodass die Strafbarkeit entfällt.