Archive | Mindestlohn RSS feed for this section

Wie viele Jahre neoliberalen Versagens braucht es eigentlich?

16 May

Spiegel hypt den Wahlsieger in Indien:

Wahlsieger Modi ist politisch hoch umstritten, könnte das Land aber ökonomisch voranbringen.

anscheinend hat Indien das gleiche Problem wie die Eurozone oder die USA:

Das Wachstum hat sich in den vergangenen zwei Jahren auf unter fünf Prozent halbiert. Die heimische Industrie – von den Rohstoffproduzenten bis zu den Endverarbeitern in der Textilbranche – wirft immer weniger Produkte auf den Markt. Der Ausstoß schrumpfte im März um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei Investitionsgütern ging die Produktion im März gar um 12,5 Prozent zurück. Als Grund nennen Analysten die schwache Nachfrage von Endverbrauchern und Investoren.

Die übliche neoliberale Symptomatik also: wenn Profite einen höheren Anteil des Nationaleinkommens einfangen, bleibt weniger für den Konsum der Lohnempfänger. Das wiederum bedeutet, dass Produktionskapazitäten hinreichend (oder sogar zu hoch) sind, weswegen keine neuen geschaffen oder existierende abgebaut werden (inklusive Entlassungen). Also muss die Binnennachfrage stimuliert werden, z.B. durch höheren Mindestlohn oder Transferleistungen für Arbeitslose.
Continue reading

Advertisements

Vereinfachte Arbeitsmarktannahmen funktionieren nicht

17 Apr

Demnach werden nur etwa 60.000 der insgesamt rund 1,3 Millionen sogenannten Aufstocker durch den ab 2015 geplanten Mindestlohn nicht mehr auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sein.
[…]
Dies liege unter anderem daran, dass Einkommen oberhalb von 100 Euro zu 80 Prozent mit dem Anspruch auf Arbeitslosengeld II verrechnet werden.
[..]
Nur jeder sechste Aufstocker ist in Vollzeit beschäftigt. Fast vier Fünftel der Aufstocker arbeiten laut IAB weniger als 32 Stunden in der Woche. Das geringe Arbeitsvolumen sei ein Grund, warum der Mindestlohn nur für wenige das Ende von Hartz IV bedeute, obwohl der durchschnittliche Stundenlohn von Aufstockern 6,20 Euro betrage.

Schön, dass das sowas inzwischen sogar im Spiegel steht. Nun muss man nur noch die Schlussfolgerungen hinkriegen, dass

  1. es wohl um das deutsche “Jobwunder” net so toll bestellt ist, wenn es derartige Unterbeschäftigung gibt,
  2. ein Mindestlohn, der bei 32 Stunden/Woche nicht zum Leben reicht, wohl ein bisschen zu niedrig angesetzt ist, und
  3. die ALG-II-Regelung extrem regressiv ist.

Tipps, wann es soweit ist? 2020?
Continue reading

Beweislage mangelhaft

18 Oct

Es ist wieder mal Propagandatag auf Spiegel Online. Nachdem sie vor ein paar Tagen noch rumgeheult haben, dass Chinas sinkende Exporte problematisch für die Weltwirtschaft seien, übernehmen sie heute einen Artikel des WSJ Deutschland, dass es “gutes” und “schlechtes” Wirtschaftswachstum gebe:

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,8 Prozent gewachsen, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im zweiten Quartal. Dieser Schub ist aber nicht ganz gesund, weil er von Staatsausgaben und einer riesigen Ausweitung der Kreditvergabe getrieben wird.

Continue reading