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Falsche Schuldzuweisungen

9 Sep

Facebook hat eine norwegische Zeitung wegen der Benutzung eines weitbekannten Fotos – das ein nacktes vietnamesisches Mädchen zeigt, wie es vor einem Napalmangriff flieht – gemahnt und das Foto entfernt, wegen “child nudity”. GMX, die sich auch als Nachrichtenaggregator versuchen, titeln

Foto sorgt für Facebook-Farce

Es ist eben nicht das Foto, das die Farce verursachte. Es ist auch nicht der Fotograf, der es aufnahm, oder der Journalist, der es postete. Der Auslöser der Farce ist einzig und allein der Facebookmitarbeiter, der handelte, und damit Facebook, das diese Regeln aufstellt und seine Mitarbeiter anleitet, diese durchzusetzen.

Bei sowas bin ich mir dann immer nicht sicher, ob es Unfähigkeit ist, die deutsche Sprache korrekt zu verwenden, oder der (vielleicht unbewusste) Wunsch, das Opfer zum Schuldigen zu machen.

Herr, schmeiss Hirn vom Himmel!

10 Mar

Der Spiegel zeigt in einem Beitrag mit dem Titel:

Ifo-Studie: Grenzkontrollen kosten jeden Deutschen bis zu 132 Euro

wie wenig Makroökonomie/Volkswirtschaftslehre betrieben/verstanden wird und wie idiotisch die aktuelle Berechnung des BIP ist:

Dass Grenzkontrollen den Handel beschneiden, beobachtet Spediteur Dettendorfer bereits jetzt. Holzreste von Sägewerken, die sein Unternehmen normalerweise von Bayern nach Österreich fährt, bleiben nun in Deutschland. “Der Transport lohnt sich nicht mehr. Wir nehmen stattdessen einen geringeren Preis in Deutschland in Kauf”, sagt Dettendorfer.

Dettendorfer nimmt also weniger mit dem Verkauf dieser Holzreste ein – macht also weniger Gewinn oder sogar Verlust.
Allerdings heisst das auch, dass jemand in Deutschland weniger für diese Holzreste ausgeben muss, als wenn sie nach Österreich gegangen wären und den Markt in Deutschland verknappt hätten. D.h., dass diese Person mehr Gewinn macht.

Genauso:

Allen Studien ist gemein, dass […] die direkten Ausgaben für die Kontrollen in den obigen Angaben nicht enthalten sind.

Diese “direkten Ausgaben” sind Ausgaben des Staates, die in Gehälter und/oder Material fliessen. D.h., dass es sich wahrscheinlich um Einnahmen diverser deutscher Wirtschaftssubjekte handelt. Genauso, wie die Ausgaben für die Versorgung der ankommenden Flüchtlinge ja an deutsche Wirtschaftssubjekte gezahlt wurden/werden und deswegen zwar Kosten für den Staat, aber keinesfalls Kosten für “jeden Deutschen” darstellen.

Interessantes zu lesen diese Woche

1 Mar

Die TAZ ist in rarer Form. Als erstes ein Interview mit einem “Zeitforscher”. Die Interpretation von Zeitsetzung als Machtinstrument kann man diskutieren, aber über

Die Natur kennt keinen Takt. Ihr Zeitmuster ist der Rhythmus. Auch das menschliche Herz schlägt nicht im Takt, sondern rhythmisch. Rhythmus bedeutet: Wiederholung mit Abweichungen.

hatte ich noch nie nachgedacht.

Kotti und Co in Berlin argumentiert für Zwangsrekommunalisierung ehemaliger Sozialwohnungen:

Grundgesetz[,] Artikel 14, Absatz 2: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“
Das Grundgesetz und andere Gesetze haben nun auch die Aktivisten der Mieterinitiative von Kotti & Co gelesen. Und zwar einige Zeilen weiter.
[…]
Jetzt präsentiert die „Re-Kommunalisisiungs AG“ von „Kotti & Co & Friends“ einen konkreten Vorschlag zur „stadtpolitischen Aktivenkonferenz“ der Mieterinitiativen (taz berichtet) am kommenden Wochenende, um „die soziale Wohnraumversorgung zu gewährleisten“. Ganz freiwillig wird die Deutsche Wohnen ihre Beute nämlich nicht herausrücken. Aber im Grundgesetz steht in Artikel 14 auch, dass „eine Enteignung zum Wohle der Allgemeinheit zulässig ist“. Es müssen nur „Art und Ausmaß der Entschädigung geregelt“ werden, die „unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen“ ist.
Der Senat muss laut Paragraf 28 der Berliner Verfassung „die Schaffung und Erhaltung von angemessenem Wohnraum, insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen, fördern“. Und wie das Ganze handwerklich umgesetzt werden kann, steht im Baugesetzbuch in den Paragrafen 85 und folgende. Notwendig ist nur, Wohnen nicht nur rhetorisch, wie dies zum Beispiel auch Ülker Radziwill macht, als Teil der Daseinsvorsorge wie Bildung, Wasser, Strom etc. zu definieren, sondern auch praktisch. Dazu kommt, dass inzwischen wegen der Mietpreisbremse in über 300 Kommunen in der Bundesrepublik der Wohnungsnotstand amtlich festgestellt ist.
[…]
Selbst um die Finanzierung der Entschädigung haben sich die Aktivisten von Kotti & Co in ihrem Vorschlag Gedanken gemacht. Ähnlich wie im sozialdemokratischen Wien und Berlin in den 20er Jahren soll eine kommunale „Haus-Zins-Steuer“ auf den Mehrfachbesitz von Wohnungen aufgelegt werden, „um die enormen Gewinne der Immobilienwirtschaft abzuschöpfen und zweckgebunden zur Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus zu verwenden“. Sie hoffen, dass dieses Geld dann nicht nur zum Rückkauf der GSW, sondern auch für alle anderen der aktuell noch rund 120.000 Sozialwohnungen in Berlin, die sich in privaten Händen befinden, reicht. Und dass es zur Finanzierung umfangreicher Neubauten für Menschen mit geringem Einkommen dienen kann.

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Alltägliche Misogynie

5 Mar

In den ersten zehn Jahren müssen Sie ranklotzen

heisst’s beim Spiegel – es geht um’s Gehalt. Und bebildert wird das dann so:

Die Frau auf den Knien, der Mann ihr abschätzig auf den Hintern starrend, sie Geld zusammenraffend. Das Ganze zu einem Artikel, in dem es noch nicht mal explizit um Männer und Frauen geht.

Der Unterschied zwischen Journalismus und Meinungsmache am Beispiel von MH17

10 Sep

Der technische Untersuchungsbericht zum Absturz von MH17 ist nun (endlich) vorgelegt worden und findet:

Der Absturz der Malaysian-Airlines-Maschine des Flugs MH17 über der Ostukraine hat eine „externe“ Ursache. Zu diesem Ergebnis kommt der vorläufige Bericht über die Hintergründe der Katastrophe vom 17. Juli dieses Jahres, den die niederländische Untersuchungsbehörde am Dienstag in Den Haag veröffentlichte.
[…]
Die Verbreitung der Wrackteile weist demnach darauf hin, dass die Boeing 777-200 in der Luft „in Stücke brach“, nachdem sie „von einer großen Zahl an Objekten mit hoher Geschwindigkeit durchbohrt wurde“. Weiter heißt es, es gebe keine Hinweise darauf, dass technische Fehler oder Handlungen der Crew den Absturz der Maschine verursacht hätten. Ein Notruf sei bei der ukrainischen Flugverkehrsleitung nicht eingegangen.

So weit stimmen alle Medien überein. Allerdings muss man zugeben, dass das auch wirklich nicht überraschend war – selbst die Rebellen in der Ostukraine haben nix anderes behauptet. Man erinnert sich: jene Rebellen, denen von der ukrainischen Regierung und der NATO angelastet wurde, sie hätten das Flugzeug mit einer BUK Boden-Luft-Rakete abgeschossen.
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Der Spiegel hat ein verdammt kurzes Gedächtnis

14 Aug

oder er schreibt einfach Pressemeldungen um. Konkret titelt er “Deutsche Wirtschaft überraschend geschrumpft”:

Die Deutsche Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet. Nach einem starken Jahresauftakt hat die Konjunktur im Frühjahr den Rückwärtsgang eingelegt. Im zweiten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent zum Vorquartal gesunken, teilte das Statistische Bundesamt mit. Für die größte europäische Volkswirtschaft ist dies der erste Rückschlag seit 2012.

Mal ganz abgesehen davon, dass “der erste Rückgang seit 2012” für eine Volkswirtschaft, die auch gerade vom Spiegel immer wieder als “brummend” beschrieben wird, nicht sehr beeindruckend ist. Aber das ist der gleiche Spiegel, der vor ein bisschen mehr als einer Woche über die einbrechende Auslandsnachfrage schrieb. D.h., statt “überraschend” hätte man ein paar Sätze schreiben können, die das miteinander verknüpfen.

Allerdings ist der Spiegel nun eh nicht stark darin, Informationen zu verknüpfen. Unter Umständen ist das auch ein Churnalismeffekt, und dass die Bundesregierung ein Interesse daran hat, den Rückgang als “überraschend” darzustellen, da sie sonst vielleicht ein paar Korrekturen an ihrer Wirtschaftspolitk vornehmen müsste, das ist wiederum nicht überraschend.

Das Gegenteil von “Hausmütterchen” ist Sexobjekt?

30 Jun

Laut Spiegel haben sich Ehefrau und Tochter des aktuellen mexikanischen Präsidenten gerade auf relativ unübliche Art und Weise von Marie Claire fotografieren lassen:

Aber wie die beiden Damen aus Mexiko sich zeigen, ist durchaus bemerkenswert. Die Pose passt zum Thema des Artikels, einer Neudefinition von weiblicher Macht.
[…]
Sonst würden Politikergattinnen eher majestätisch, mütterlich oder sehr geschäftsmäßig-nüchtern gezeigt.
[…]
Insbesondere aus Sicht des Nachbarn USA seien die Outfits erstaunlich, schreibt die Zeitung. Schließlich seien manche Beobachter immer noch pikiert, wenn im Weißen Haus nackte Arme zu sehen seien – eine Anspielung auf Michelle Obama, deren vergleichsweise harmlose Outfits manchen Traditionalisten schon viel zu weit gehen. Das Klatsch-Blog Perez Hilton konstatierte, Rivera habe einen furchtlosen Auftritt hingelegt.

Weibliche Macht also – wie dargestellt?

Die Kleidung sei nicht sexy, schreibt die “Washington Post”. Aber die Körpersprache sei es.
[…]
“Sex-Appeal ist kein gewollter Teil des Pakets.”

Hmm, also Sex=Macht? Das klingt doch arg nach der typischen sexistischen Propaganda, die versucht, Frauen Selbstobjektifizierung schmackhaft zu machen. Und bezüglich “die Kleidung sei nicht sexy”:

Die Tochter trägt keine Hose oder Rock, zeigt also reichlich Haut, die Mutter ein Oberteil das gezielt die Brust betont…statt “Hausmütterchen” also MILF – was eine enorme Verbesserung.

Majestätisch oder businesslike würde vllt. doch besser zu “Macht” passen.