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Die deutsche Bundesregierung scheint es net so mit Zahlen zu haben

15 Apr

Als Resultat der verheerenden Kürzungsmassnahmen erleben Spanien und Griechenland extreme Arbeitslosenquoten.

Noch schlimmer ist es für Jugendliche, was auch für Italien und Portugal gilt.

Abgesehen davon, dass das von der Bundesregierung dazu verwendet wird, um Pflegekräfte von dort abzuwerben, um Löhne für deutsche Pflegekräfte zu drücken, hatten sie ein Programm aufgelegt, dass zeigen sollte, dass sie nicht nur Armut produziert, sondern auch Chance bietet. Das ist komplett schiefgegangen:

Die Bemühungen der Bundesregierung, etwas gegen die hohe Arbeitslosigkeit von Jugendlichen in Südeuropa zu tun, wird zur Farce.
[…]
MobiPro startete Anfang 2013. Mit dem Programm wollte die Bundesregierung zeigen, dass sie etwas gegen die explodierende Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien, Griechenland oder Portugal tut. Doch augenscheinlich ist man vom Ansturm überfordert. Obwohl die Mittel vor Kurzem für 2014 noch einmal auf 48 Millionen Euro aufgestockt wurden, werden seit dem 8. April keine neuen Anträge mehr angenommen, teilt die Bundesagentur für Arbeit (BA) auf der Internetseite „The Job of my life“ mit. Bis Ende März hätten sich 9.000 Jugendliche beworben. „Das sind viel mehr, als zu erwarten war“, so die BA.

9000 Jugendliche! Innerhalb eines Jahres! Aus Ländern, die bis zu 60% Jugendsarbeitslosenquote haben! Und das war “nicht zu erwarten?

Egal, ob die schlicht strohdoof sind oder bösartig, regieren sollten die nicht.

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Erst Arbeitsbedingungen versauen, dann abwerben

18 Sep

In Deutschland fehlen Plegekräfte:

Nach Schätzung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) fehlen bereits heute rund 30.000 Pflegekräfte in Deutschland. Wegen der weiter steigenden Zahl von Pflegebedürftigen werden nach bpa-Einschätzung bis 2020 rund 220.000 Pflegekräfte zusätzlich gebraucht.

Einer der Gründe dafür ist, dass Pflegekräfte für aufreibende Arbeit relativ schlecht bezahlt werden. Da will die Bundesregierung was tun! Naheliegend wäre z.B. eine Lohnuntergrenze, die attraktiv genug ist, um Arbeitswillige anzulocken.
Fehlanzeige. Stattdessen wird versucht, ausländische Pflegekräfte anzuheuern:

Die Bundesregierung wirbt in neun Ländern aktiv vor Ort um Fachkräfte für den Gesundheits- und Pflegebereich. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, über die die “Rheinische Post” berichtet. Demnach hat die Regierung vor allem Südeuropa im Blick: Noch in diesem Jahr seien in Spanien sieben Veranstaltungen im Gesundheitsbereich geplant, um Fachkräfte anzuwerben.

Außerdem ist die Regierung dazu in Griechenland, Italien und Portugal tätig. Aktivitäten gibt es der Antwort zufolge auch in Serbien, Bosnien-Herzegowina, den Philippinen und Tunesien. Zudem besteht mit der chinesischen Arbeitsverwaltung ein Abkommen über ein Projekt, durch das 150 chinesische Pflegekräfte nach Deutschland vermittelt werden sollen.

Bezeichnenderweise sind darunter 4 EU-Länder, in denen öffentliche Angestellte entlassen und Löhne gedrückt worden – unter tatkräftiger Anleitung der deutschen Bundesregierung. Statt also in Deutschland ordentliche Löhne zu zahlen, oder das öffentliche Pflegeangebot auszubauen, sorgt man lieber dafür, dass die Situation anderswo so beschissen ist, dass die dortigen Arbeitssuchenden sogar deutsche Verhältnisse annehmbar finden. Ganz abgesehen davon, dass so eine Abwerbung auch bedeutet, dass die jeweiligen Länder in die Ausbildung ihrer Pflegekräfte investiert haben und nun nicht Nutzniesser sein können.

Und das sind die Drecksäcke, die am Wochenende wohl wiedergewählt werden.

Die Volksverdummung schreitet ungebremst voran

23 Jul

Nicht nur, dass Spiegel Online gestern Kate Middletons Baby als Aufmacher hatte, also eine Nachricht, die wirklich nicht unwichtiger sein könnte, nein, er hatte auch diese Perle im Angebot. Titel und Aufmacher sind schon mal kompletter Schrott:

Finanzkrise: Euro-Länder häufen neue Schulden an

Trotz harter Sparmaßnahmen steigt der Schuldenstand im Euro-Raum. Er erreichte im Durchschnitt 92 Prozent der Wirtschaftsleistung – vier Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr.

Merken se was? “häufen neue Schulden an” klingt nach Neuverschuldung. “Schuldenstand” und “Prozent” hingegen deuten darauf hin, dass das Problem darin liegen könnte, dass der Nenner, also die Wirtschaftsleistung der Eurozone, gefallen ist. Und tatsächlich ist Eurozonen-BIP im letzten Jahr konsequent gefallen, im ersten Quartal 2013 z.B. um 1.1% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. D.h., dass dieser Rückgang alleine einen Prozentpunkt des beklagten Anstiegs der Staatschuldenquote ausmacht.

So ziemlich alles, was im Artikel steht, unterstützt diese Interpretation:

Besonders dramatisch ist die Entwicklung weiterhin in Griechenland. Der öffentliche Schuldenstand des Landes betrug am Ende des ersten Quartals 160 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte der Wert noch bei 136 Prozent gelegen, im Vorquartal waren es knapp 157 Prozent.

D.h., dass der Anstieg der griechischen Quote sich parallel zur Schrumpfung der griechischen Wirtschaftsleistung entwickelt hat.

Auf Griechenland folgen Italien mit 130 Prozent, Portugal mit 127 Prozent und Irland mit 125 Prozent. Diese Länder meldeten auch die prozentual stärksten Anstiege.

Nicht zufälligerweise sind die anderen “Sünder” ebenfalls Länder, in denen der Sparschwachsinn die Wirtschaftsleistung einbrechen lässt.

Um diesen Zusammenhang zu benennen, muss man noch nicht mal die ökonomischen Hintergründe verstehen – es würde völlig reichen, diese Parallelentwicklung wahrzunehmen und dann die Einleitung umzuschreiben zu: “Parallel zu harten Sparmaßnahmen steigt der Schuldenstand im Euro-Raum.” Alles, was es dafür braucht, sind der Wille zu hinterfragen, Grundschulmathematik, und der Wille, die Leserschaft tatsächlich zu informieren und weiterzubilden. Womit wir wie bei unseren herrschenden Klasse wieder bei der Frage wären, ob die alle einfach dumm oder bösartig sind.

5 Jahre verfehlte Empfehlungen und keine Korrektur in Sicht

11 Jun

Der IWF hat ja zumindest zugegeben, dass sie Scheisse gebaut haben, auch wenn die restlichen Verlautbarungen nicht so klingen, als ob sie ne Kursänderung vorhaben. Aber ansonsten…

Der Spiegel schreibt z.B. über die bevorstehende Verhandlung des Bundesverfassungsgericht, dessen Thema er so beschreibt: “Das Bundesverfassungsgericht verhandelt über die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Die zentrale Frage ist: Sind diese durch das Mandat der EZB gedeckt? Die Antwort fällt nicht leicht.” und holt sich dazu einen “Experten”, der direkt mal klar stellt, woher in seinem Fall der Wind weht:

Einerseits gehört es zur Aufgabe jeder Notenbank, die Währung nicht nur gegen Wertverlust durch Inflation zu schützen, sondern ebenso deren elementare Existenz zu sichern.

Inflation ist echt mal kein Problem. Ist seit Jahrzehnten kein Problem gewesen. Ganz im Gegenteil, Deflation ist eines, wie Japan vormacht, in der Eurozone gibt es recht ausgeprägte deflationäre Tendenzen: Frankreich z.B., oder Griechenland, Portugal.
D.h., wenn überhaupt, muss man das Ganze umgekehrt aufziehen: wenn die Währung verschwindet, ist es auch völlig egal, ob sie keinen inflationären Impulsen unterliegt. Und wenn man von der Realwirtschaft anfinge, dann würde man als allererstes mal über Arbeitslosigkeit reden und darüber, dass die EZB die einzige Institution ist, die dahingehend was machen kann und dementsprechend das Aufkaufsprogramm das absolut mindeste ist, Mandat hin oder her.
Aber das kommt alles nicht vor, denn in des “Experten” kleiner Welt sind:

Die Gefahren von Anleihekäufen durch die Notenbank einer Währungsunion […] evident

Ganz egal, ob sich keine der Gefahren in der Realität bewahrheitet hat.

Glücklicherweise sind die Nachdenkseiten mal wieder als notwendiges Korrektiv zur Stelle, wenn unser Finanzminister Unsinn labert:

Zu hohe Staatsverschuldung und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit sind die Ursachen der Krise in Europa. Und damit die Ursache für scheiternde Unternehmen und hierdurch wiederum für eine zu hohe Arbeitslosigkeit.“ Wie gut, dass die Euroländer und die Europäische Union da mit einer Politik gegensteuern, „die an genau diesen Ursachen ansetzt und damit die Basis für nachhaltiges Wachstum schafft.“ Und diese Politik trage auch bereits Früchte: „Die Haushaltsdefizite sinken. Reformen der Arbeitsmärkte und der Sozialsysteme werden angegangen. Verwaltungen, Rechts- und Steuersysteme werden modernisiert. Wettbewerbsfähigkeit und die Exporte steigen. Die Finanzmärkte fassen wieder Vertrauen in die Staaten der Eurozone. Risikoaufschläge für Staatsanleihen gehen zurück. Die Wende zum Besseren ist geschafft.“ Jetzt dürften wir aber nicht nachlassen, sondern müssten „an unserer gemeinsamen europäischen Politik der Konsolidierung und der Reformen festhalten.“

Das Bemerkenswerte hieran ist nicht die konsequent inkorrekte Ursachenanalyse, die öffentliche Schulden als Ursache und nicht als Folge sieht und sich auf einen Wettbewerbsgewinn versteift, der zwangsweise relativ sein und deswegen (im besten Fall) zu Verwerfungen in anderen Volkswirtschaften führen muss.
Nein, das wirklich Bemerkenswerte ist, dass die Behauptung der sich verbessernden Lage empirisch schlicht falsch ist, wie Jens Berger unter Rückgriff auf durch Bill Mitchell aufbereitete Statistiken deutlich darlegt. Nicht, dass Fakten irgendwas an religiös-ideologischen Glaubenssätzen ändern würde.

Italien hat also gewählt

28 Feb

Der Spiegel beschwört natürlich den Weltuntergang, behauptet, Brillo würde Fundamentalopposition betreiben wollen, ohne Berlusconi ginge gar nichts und deswegen müsse jetzt eine grosse Koalition aus dessen Bündnis und den ehemaligen Sozialdemokraten her.

Der SPD-Kanzlerkandidat, statt Merkel darauf hinzuweisen, dass dieser Wahlausgang eine Botschaft an sie ist, tut Berlusconi und Brillo als Clowns ab. Der Mann ist doch eindeutig fünfte Kolonne, oder?

Glücklicherweise gibt’s ja noch ein paar andere Quellen zur Verortung des Ganzen.
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