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Griechenlands “überraschende” Rezession

6 Mar

Angesichts von einer Schrumpfung des griechischen BIP um 0,05% 2016 schreibt der Spiegel:

Griechenlands Wirtschaft schrumpft überraschend stark

Wenn ich das lese: “überraschend”!
Die griechische Regierung versucht weiterhin krampfhaft, Ausgaben zurückzufahren, die Konjunktur in Europa ist nicht plötzlich angesprungen, so dass alle in Griechenland Urlaub machen wollen und US-Amerikaner und Chinesen alleine können ja nicht alles auffangen.
Also wer bitte ist denn nach 8 Jahren davon überrascht, dass die Rezession ohne Gegenmassnahmen weitergeht? Also, ausser denen, die ständig behaupten müssen, staatliche Nachfrage runterzufahren, würde magischerweise zu Wirtschaftswachstum führen.

Unkenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge verzerrt die Diskussion

12 Apr

Das Forum unter dem Artikel, den ich gestern besprach, ist sehr aktiv, mit reichlich zustimmenden und ablehnenden Kommentaren. Einer, der ein Stück weit “sowohl-als-auch” zum Ausdruck bringt, schrieb:

Derjenige, der in relativer Armut lebt, empfindet Ihre Ausführungen sicherlich als Hohn. Und in Sachsen-Anhalt hat doch bereits ein Großteil der Arbeitslosen die AfD gewählt, obwohl die doch gerade sich nicht für Arbeitslose einsetzen. Anscheinend scheint die Furcht vor Massenverelendung durch die Flüchtlingsaufnahme so groß zu sein, dass manche sogar selbstschädigende Parteien wählen.
Wer den Menschen in diesem Land nicht klar und verständlich sagt, wie die Flüchtlingsaufnahme und Integration dauerhaft finanziert und bewerkstelligt werden soll, erntet nur Skepsis und im schlimmsten Fall rechtsradikale Wahlergebnisse. Leider äußern sich auch CDU/CSU nicht dazu, wie dies realitätsnah bewerkstelligt werden soll. Kein Problem also nur der Linken.

Das klingt, wie jemand, der durchaus verstanden hat, dass die wirtschaftliche Situation in Deutschland eben nicht “luxuriös” ist, der allerdings auch nicht versteht, dass der deutsche Staat viel mehr tun kann, und warum und wie man ihn dafür kritisieren sollte. Darauf hob ich ab, als ich schrieb:

Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber Ihr Post, dem ich durchaus i.W. zustimme, zeigt halt auch die Scheindebatte, die in Deutschland läuft.

Flüchtlingsaufnahme und -integration können ganz einfach finanziert werden: indem der deutsche Staat zusätzliche Ausgaben tätigt, ein Defizit eingeht.
Wenn das im Rahmen der Eurozone rein theoretisch von der EZB unterbunden werden könnte, gibt sich doch wohl niemand der Illusion hin, dass die EZB tatsächlich die deutsche Bundesregierung in die Schranken weisen würde.
Und das Attraktive an der Lösung ist, dass es auch noch zusätzliche Nachfrage und damit Arbeitsplätze schaffen würde, am Besten nicht im Niedriglohnsektor.

Braucht man auch nirgendwo anders kürzen oder Steuern zu erhöhen – wenn man die Charade aufrechterhalten will, gibt man halt Staatsanleihen zum Fast-Null-Zins aus. Allerdings müsste sich Schäuble dazu von seiner schwarzen Null lösen.

In der Reaktion darauf kam dann leider so ziemlich jedes Missverständnis zum Vorschein, das heutzutage so gern genutzt wird, um Staatsausgaben zurückzudrängen, Sozialausgaben zu kürzen usw. usf.:
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Steuer sind gut, um staatliche Defizite zu verringern, ausser wenn sie Wohlhabende betreffen

13 Oct

Der nächste Bourne wird nicht in Griechenland gedreht und der Spiegel wundert sich:

Entgegen dem weltweiten Trend bietet Griechenland keine Steuervorteile für internationale Filmprojekte – während sich andere Länder einen regelrechten Unterbietungswettkampf liefern.

Die mexikanische Regierung etwa bot den Produzenten des neuesten “James Bond”-Films laut Zeitungsberichten bis zu 20 Millionen Dollar Steuerrabatt. Als Gegenleistung wird das Land in einem besseren Licht erscheinen. Das Bond-Girl kommt aus Mexiko – der obligatorische Bösewicht hingegen nicht.

In Deutschland können internationale Co-Produktionen bis zu 20 Prozent der Investitionen an Steuerrabatten erhalten. Die Niederlande bieten Filmemachern einen großzügigen 30-Prozent-Zuschuss, und Frankreich hat erst jüngst sein Steuersparmodell aufgehübscht – der Rabatt stieg von 20 auf 30 Prozent, die Obergrenze wurde auf 30 Millionen Euro angehoben.

Da erscheint es seltsam, dass ausgerechnet Griechenland nicht nachzieht – ein rezessionsgeplagtes Land, das nach ausländischen Investitionen und neuen Jobs dürstet und zudem extrem abhängig ist vom Tourismus.

Das ist der gleiche Spiegel, der in den Chor derer einstimmte, die die griechische Regierung aufforderten, die Mehrwertssteuer zu erhöhen und Steuervorteile abzuschaffen, was diese inzwischen auch beschlossen hat. D.h., dass sowohl Touristen, als auch die griechische Bevölkerung mehr zahlen müssen, also weniger Kaufkraft hat. Was wiederum den Binnenkonsum verringert und Touristen eher abschreckt, als lockt. Das wurde beim Lärmen irgendwie übersehen.

Aber wenn es darum geht, einem Hollywoodstudio dabei zu helfen, Geld zu sparen, sieht die Sache plötzlich anders aus.

Die Heuchelei tropft wieder mal dick

10 Apr

Alexis Tsipras hat Angst davor, zu links zu sein und will am Euro festhalten, also versucht er, anderswo Kredite einzutreiben (da ihn die Troika ja an der kurzen Leine hält, ausser er führe die Sparidiotie fort). Unter anderem in Russland. Und jetzt melden sich die diversen Heuchler zu Wort, z.B. der ukrainische Wirtschaftsminister:

Auch die Ukraine kritisiert den Besuch ungewöhnlich scharf. “In unserem Land wurden Menschen verschleppt, verprügelt, gefoltert und haben ihr Leben verloren, weil sie für die Werte Europas aufgestanden sind”, sagte der ukrainische Wirtschaftsminister Aivaras Abromavicius dem “Tagesspiegel”. “Es ist enttäuschend zu sehen, dass einige Nationen in Europa kurzzeitige ökonomische Vorteile über das Leben von Menschen heben.”

Das ist schon bemerkenswert – das ist der Wirtschaftsminister eines Landes, dessen Regierung grad auf den Austeritätszug aufspringt (um vom IWF Dollarkredite zu erhalten), und auf diesem Wege den Lebensstandard eben dieser Bevölkerung, die für Demokratie auf die Strasse ging, so richtig versauen wird.

Zweitens ist die russische Regierung anscheinend bereit, den Importstop für Südfrüchte zu lockern, was der griechischen Landwirtschaft ein bisschen zu gute kommen würde. Das mögen die deutschen Bauern gar nicht:

Der Deutsche Bauernverband warnte Griechenland umgehend vor einem Ausscheren aus der EU-Politik gegenüber Russland: “Ich erwarte schon von einem EU-Mitgliedsstaat, dass er die außenpolitische Linie der EU zu hundert Prozent mitträgt”, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Das russische Agrar-Embargo sei als Gegenmaßnahme nach den europäischen Wirtschaftssanktionen verhängt worden. “Insofern trifft es alle EU-Mitgliedsstaaten und es wäre fatal, wenn da jemand ausscheren würde”, sagte Rukwied.

Um das mal zu übersetzen: “Wir haben Euch finanziell als Geisel genommen, Sparidiotie verordnet, so dass Eure Wirtschaft am Boden liegt und 25% Eurer erwerbstätigen Bevölkerung arbeitslos sind. Dann haben wir Sanktionen gegen Russland verhängt und die Gegensanktionen haben dem bisschen, was Ihr noch an Exportsmöglichkeiten hattet, den Boden unter den Füssen weggezogen. Und nun erwarten wir, dass Ihr gefälligst solidarisch mit uns unsolidarischen Arschlöchern seid!”

Deflation wird gezielt falsch dargestellt und zur Verschleierung verwendet

8 Jan

Die sich immer weiter verlangsamende Inflation in der Eurozone, die in einigen Ländern bereits in offene Deflation umgeschlagen ist, ist eine direkte Folge der Austeritätspolitik:

  1. Ausgabenkürzungen der öffentlichen Hand, ob nun direkt bei Renten, Arbeitslosenunterstützung, Beamtengehältern, oder indirekt mittels Einstellungsstopps und verringerten Aufträgen für den Privatsektor, verringern die Nachfrage
  2. Verringerte Nachfrage bei unverändertem (weil im Voraus produzierten) Angebot führt zu sinkenden Preisen

Das führt dann im nächsten Schritt zu Profitminderungen, das wiederum zu Entlassungen im Privatsektor, womit die Nachfrage sinkt und sich die Deflation selbst verstärkt. Das ist der Grund, warum Deflation so riskant für eine Volkswirtschaft ist. Allerdings hiesse das zuzugeben ja, dass deutsche Politiker und Ökonomen ihre Fehler zugeben und korrigieren müssten und das darf natürlich nicht sein.
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Die deutsche Bundesregierung scheint es net so mit Zahlen zu haben

15 Apr

Als Resultat der verheerenden Kürzungsmassnahmen erleben Spanien und Griechenland extreme Arbeitslosenquoten.

Noch schlimmer ist es für Jugendliche, was auch für Italien und Portugal gilt.

Abgesehen davon, dass das von der Bundesregierung dazu verwendet wird, um Pflegekräfte von dort abzuwerben, um Löhne für deutsche Pflegekräfte zu drücken, hatten sie ein Programm aufgelegt, dass zeigen sollte, dass sie nicht nur Armut produziert, sondern auch Chance bietet. Das ist komplett schiefgegangen:

Die Bemühungen der Bundesregierung, etwas gegen die hohe Arbeitslosigkeit von Jugendlichen in Südeuropa zu tun, wird zur Farce.
[…]
MobiPro startete Anfang 2013. Mit dem Programm wollte die Bundesregierung zeigen, dass sie etwas gegen die explodierende Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien, Griechenland oder Portugal tut. Doch augenscheinlich ist man vom Ansturm überfordert. Obwohl die Mittel vor Kurzem für 2014 noch einmal auf 48 Millionen Euro aufgestockt wurden, werden seit dem 8. April keine neuen Anträge mehr angenommen, teilt die Bundesagentur für Arbeit (BA) auf der Internetseite „The Job of my life“ mit. Bis Ende März hätten sich 9.000 Jugendliche beworben. „Das sind viel mehr, als zu erwarten war“, so die BA.

9000 Jugendliche! Innerhalb eines Jahres! Aus Ländern, die bis zu 60% Jugendsarbeitslosenquote haben! Und das war “nicht zu erwarten?

Egal, ob die schlicht strohdoof sind oder bösartig, regieren sollten die nicht.

Alles zuliebe der Troika

9 Oct

Die griechische Regierung übt sich weiterhin in unbegründetem Optimismus:

Finanzminister Yannis Stournaras sagte im Mai, ein Primärüberschuss – also ein Plus ohne Einrechnung von Zinszahlungen – werde womöglich bereits im laufenden Jahr erzielt. Nun präzisierte der stellvertretende Finanzminister Christos Staikouras die Angaben. Demnach erwartet sein Ressort dieses Jahr einen Primärüberschuss von 340 Millionen Euro. 2014 solle das Plus dann 1,6 Prozent der Wirtschaftsleistung beziehungsweise 2,8 Milliarden Euro betragen.

Keine Ahnung, wo dieser Überschuss herkommen soll, denn dafür müssten ja die Steuereinnahmen steigen und die Ausgaben sinken, z.b. weil die Wirtschaft wächst und es weniger Arbeitslose gibt. Aber auch da ist der unbegründete Optimismus nicht weit:

Zugleich dürfte dieses Jahr die griechische Wirtschaft um vier Prozent schrumpfen. 2014 solle es dann erstmals nach 2008 ein Wachstum von 0,6 Prozent geben.

D.h., von 4! Prozent Schrumpfung soll’s direkt zu Wachstum gehen?! Das sind doch genau die schwachsinnigen unerwartbaren Erholungen, die der griechischen Wirtschaft seit Jahren fälschlicherweise vorhergesagt werden:

So for Greece, for example, in its – April 2010 WEO – the IMF predicted that Greece would experience a real GDP growth rate of minus 2 per cent in 2010 and -1.1 per cent in 2011.

Six months later, in the October 2010 WEO – it revised these forecasts to -4 per cent (2010) and -2.6 per cent in 2011.

By the – April 2011 WEO – we learn that the IMF thinks that the Greek economy will decline by 3 per cent in 2011 but return to a 1.1 per cent growth rate in 2012. Yes, you read that correctly.

The facts are very different (see Eurostat data).

The following graph shows the evolution of the IMFs forecasts against the reality (the missing columns relate to the moving nature of the forecast horizons).
IMF forecasts Greek GDP growth