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Argentinien begibt sich mit offenen Augen in die Falle (und der Spiegel stellt’s falsch dar)

20 Apr

15 Jahre lang war Argentinien von den Finanzmärkten verbannt, jetzt hat ein US-Gericht die Sperre aufgehoben.

schreibt der Spiegel, was natürlich Unsinn ist. Die argentinische Regierung hatte die ganze Zeit Zugang zu den nationalen Finanzmärkten, was der Spiegel im Text auch klarstellt (meine Hervorhebung):

15 Jahre lang war Argentinien von den internationalen Finanzmärkten ausgeschlossen, nun kann das Land dort wieder Kredite aufnehmen.

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Die russische Regierung kann Milliarden von Rubeln für Panzer ausgeben

12 May

wenn sie das denn will.

Für 19 Billionen Rubel will Präsident Putin neue Waffen anschaffen[.]
[…]
Für den neuen T-14 soll das Werk 400 Millionen Rubel pro Stück verlangt haben.

Kein Problem, oder? Schliesslich gibt die russische Nationalbank den Rubel aus – so lange nichts von ausserhalb eingekauft werden muss (und deswegen in Devisen bezahlt) gibt es keinerlei Problem. Der Spiegel rafft das natürlich nicht:

[U]mgerechnet 350 Milliarden Euro.
[…]
Das sind umgerechnet 7,2 Millionen Euro[.]
[…]
Der Staatshaushalt steht unter Druck, der Ölpreis ist niedrig, die Wirtschaft lahmt.

Es geht halt gerade nicht darum, wie viel diese Panzer in Euro kosten würden, denn die russische Regierung kauft eben keine in der Eurozone produzierten Panzer (und nach ihren Erfahrungen mit den französischen Hubschrauberträgern wird sie das bestimmt auch nicht planen). D.h. eben auch, dass es völlig egal ist, wie hoch der Ölpreis ist, denn Rubel erwirbt der russische Staat nicht durch Ölverkäufe, Rubel erzeugt er auf Tastendruck.

Falls die russische Regierung tatsächlich militärische Konfrontation mit Natotruppen erwartet und der T-14 tatsächlich so überlegen ist, wie das der Spiegelartikel suggeriert (und es sich nicht einfach nur um ein “Missile Gap“-Argument handelt), hindert sie nichts daran, diese Überlegenheit auszubauen.

Regierungen, die ihre eigene Währung ausgeben (also keine Regierung in der Eurozone), können sich IMMER ALLES kaufen, was in dieser Währung käuflich ist.

Die Schweizer Nationalbank hat NICHTS verloren

30 Apr

Spiegel:

Der Franken ist einfach zu stark: Das Aufwerten der eigenen Währung gegenüber Fremdwährungen hat der Schweizerischen Nationalbank (SNB) einen Milliardenverlust eingebrockt. Für das erste Quartal weist die Notenbank ein Minus von rund 30 Milliarden Franken aus.

Die SNB kann beliebig viele Franken zum Nulltarif per Tastendruck erzeugen, also wie, bitteschön, soll sie Minus machen können?

Mit dem höheren Kurs der eigenen Währung hat die Schweizer Notenbank nun zu kämpfen. Denn sie hält massenweise Anlagen, die in Fremdwährungen notiert sind – in Franken gerechnet ist ihr Wert erheblich gefallen.

Um das mal aufzuschlüsseln:

  1. Die SNB hat Anleihen in Fremdwährungen gekauft – das impliziert, dass sie dafür auch ebendiese Fremdwährungen hinlegen musste, Euroländeranleihen gibt’s für Euro, US-Anleihen für US$, japanische Anleihen für Yen.
  2. Diese Fremdwährungen hat sie auf dem Devisenmarkt für Franken erworben – zu einem Zeitpunkt, als der Franken schwächer war. Mit Franken, wie gesagt, die die SNB unbegrenzt zum Nulltarif ausgeben kann.
  3. Nun ist der Kurs des Franken gestiegen.
  4. Wenn die SNB diese Anleihen verkaufte und die dadurch erlösten Fremdwährungen nutzte, um Franken zu kaufen (was den Kurs weiter hochtriebe und dadurch mit dem erklärten Ziel der SNB im Konflikt stünde), würde sie weniger Franken erhalten, als sie ausgab.
  5. Aber da die SNB selbst Franken erzeugen kann und aktuell kein Interesse daran hat, den Frankenkurs zu stützen, gibt es keinen Grund, das zu tun.
  6. In der Zwischenzeit steigen mit jeder Renditeausschüttung die Devisenreserven der SNB.
  7. Sollte ein Zeitpunkt kommen, an dem der Kurs des Franken stark fiele und die SNB zur Unterstützung intervenieren wollen, dann kann sie ebendiese Reserven nutzen. Ausserdem kann sie die Anleihen verkaufen und für die erlangten Devisen mehr Franken kaufen, als zum Zeitpunkt des Anleihenerwerbs.

Alles in allem hat die SNB also nicht nur keinen Verlust gemacht, sondern in jedem sinnvollen Szenario, in dem sie Franken aufkaufen würde, würde sie Gewinn machen.

“Verbündete”, die die Realität nicht verstehen, sind nutzlos (oder sogar schädlich)

10 Apr

Die TAZ kommt von allen relativ grossen Zeitungen in Deutschland einer linken am nächsten. Wenn dann in derselben jedoch eine Verbindung zwischen

In den beiden vorangegangenen Monaten hatte es einen Rekordzufluss von Valuta nach Dänemark gegeben. Die Währungsreserven hatten sich auf umgerechnet rund 100 Milliarden Euro fast verdoppelt, so dass die Zentralbank den Markt mit der eigenen Währung fluten musste.

Im März herrschte dagegen weitgehende Ruhe. Die Nationalbank war nicht mehr gezwungen, zu intervenieren. Sie ließ den Kurs der Krone zum Euro auf den niedrigsten Stand seit 2001 abrutschen.

und

In Dänemark hatten Spekulanten erwartet, dass der große Zustrom von Valuta Kopenhagen zwingen werde, dem Beispiel der Schweiz zu folgen, die im Januar den Wechselkurs freigeben musste. Mit der dann zu erwartenden Aufwertung der Krone wäre ein schöner Profit mit den vorübergehend in Dänemark geparkten Milliarden zu machen gewesen.

hergestellt wird, erweist das der linken Sache einen Bärendienst.

Denn nichts, absolut nichts “zwingt” eine Zentralbank, die ihre eigene Währung herausgibt, den Versuch aufzugeben, den Kurs derselben niedrig zu halten.

Die Dänen hätten virtuelle Kronen zum Zweck des Euroaufkaufs bis zum Sankt-Nimmerleinstag herausgeben können, genauso wie die Schweiz das hätte tun können. Der “Produktionsaufwand” einer Zentralbank für Währungseinheiten ist faktisch 0, was auch bedeuete, dass selbst dann, wenn die aufgekaufen Euros massiv abwerten, keinerlei “Verlust” erwirtschaftet wird.

Bloss ja keine linke Kritik zulassen

8 Aug

Lasst es uns mit Marx versuchen titelt die TAZ und beschreibt das Phänomen, dass marxsche Einsichten in den USA wieder ein bisschen mehr Verbreitung finden, Grosse Depression 2.0 sei Dank. Die Hauptstossrichtung des Artikels besteht darin, diese Entwicklung herablassend zu behandeln:

Wenn jemand das Label, „Marxist“ zu sein, in den vergangenen Jahren als Selbstbezeichnung vor sich hertrug, dann bedeutete das oft: Meine Radikalität ist vor allem eine Markierung der Differenz, ich bin anders, nicht Mainstream.

Was kümmern mich die reale Welt und die normalen Menschen. Immerhin habe ich den Zuspruch derer, die mein Denken teilen, also meiner drei besten Freunde und des Vernissagenpublikums.
[…]
In den USA wird in diesem Frühsommer das „Comeback von Marx“ ausgerufen, weil eine junge Generation Intellektueller die radikale Kritik entdeckt. Hauptgründe sind: Die Gründung des linken Magazins Jacobin, die Wendung der Gruppe kritischer Intellektueller um die Zeitschrift n+1 in Richtung Marxismus und vor allem das neue Buch des Starliteraten Benjamin Kunkel, „Utopia or Bust“.

Die Unschärfe dieses Artikels ist deprimierend. Zumindest die Unterscheidung zwischen Neokeynesianern und Postkeynesianern wäre wichtig gewesen:
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Beweislage mangelhaft

18 Oct

Es ist wieder mal Propagandatag auf Spiegel Online. Nachdem sie vor ein paar Tagen noch rumgeheult haben, dass Chinas sinkende Exporte problematisch für die Weltwirtschaft seien, übernehmen sie heute einen Artikel des WSJ Deutschland, dass es “gutes” und “schlechtes” Wirtschaftswachstum gebe:

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,8 Prozent gewachsen, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im zweiten Quartal. Dieser Schub ist aber nicht ganz gesund, weil er von Staatsausgaben und einer riesigen Ausweitung der Kreditvergabe getrieben wird.

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Auf beiden Hirnhälften blind

18 Oct

Man stelle sich meine Überraschung vor, als ich heute auf SPON “Haushaltskrise: Der größte Gläubiger der USA sitzt in Washington” las. “Sie haben’s endlich gerafft”, schoss mir durch den Sinn, “sie verstehen endlich, dass Staatsschulden offensichtlich Unsinn sind, wenn der Staat sich selbst was schulden kann.”

Gott, hab ich mich geirrt!

An den Fakten kommt SPON nicht vorbei:

Die Ablösung fand vor rund zweieinhalb Jahren statt: Seit damals ist nicht mehr China der größte Gläubiger der USA, sondern die US-Notenbank Fed. Sie hält mittlerweile Staatsanleihen im Wert von 2,1 Billionen Dollar. Nach wie vor sind die Chinesen aber der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten. 1,277 Billionen schulden die USA China mittlerweile. Japan liegt nur knapp dahinter mit 1,1 Billionen Dollar.

Die aktuelle Obergrenze liegt bei 16,7 Billionen. Das sind immerhin 12,5%, die die Bundesregierung der USA sich selbst schuldet. D.h., wenn die nicht zurückgezahlt werden, ändert sich in der Bilanz der USA nichts!

Wie zu erwarten war, kommt dieser Umstand in der Diskussion des Spiegels überhaupt nicht vor – sie erwähnen das zwar, aber sind offensichtlich völlig unfähig, die Verbindung herzustellen.

Und dabei schreiben sie sogar über das offensichtliche Symptom:

Wie für alle seine Anleihen, zahlt der Staat auch für die von der Fed aufgekauften Papiere regelmäßig Zinsen – allerdings mit einer Besonderheit: Den Gewinn, den die Fed mit diesen Zinsen macht, liefert sie anschließend wieder bei der US-Regierung ab. So fließen 40 Prozent der gesamten Zinskosten wieder an den Staat zurück.

D.h., die Zinsen, die die US-Regierung an die Fed zahlt, sind faktisch 0!

Aber nachdem SPON all das korrekt darlegt, beten sie wieder Unsinn her, dass es schwer beeindruckend ist:

Im Schnitt zahlt der amerikanische Staat auf seine Anleihen nur 1,5 Prozent Zinsen. Vor der Geldschwemme der Fed waren es rund fünf Prozent. Wäre dies heute noch der Fall, würde sich das Staatsdefizit auf einen Schlag verdoppeln – auf rund zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Eine Belastung, die für die größte Volkswirtschaft der Welt kaum zu stemmen wäre.

Was! Für! Ein! Unsinn!

Wie wir grad festgestellt haben, kann die Fed der US-Regierung reichlich Kredit geben und die tatsächlichen Zinszahlungen dafür sind 0! D.h. auch, wenn die US-Regierung weiterhin darauf besteht, sichere Anlagemöglichkeiten für die Privatwirtschaft zur Verfügung zu stellen, könnte sie auch 10 oder 15 Prozent Zins ganz entspannt verkraften, indem sie sich das Geld dafür von der Fed geben lässt.

Wohlgemerkt, nicht “leiht”, denn wenn ein Teil der Regierung einem anderen Geld gibt, ist das eben kein “Schuldenmachen”.

Zu guter Letzt: weitere 475 Milliarden “Schulden” hat die Bundesregierung bei US-amerikanischen Kommunen und Bundesstaaten – das sind Verwaltungseinheiten, die alle in der einen oder anderen Form von der Bundesregierung Geld erhalten – entweder direkt in Form von Transfers oder indirekt durch Programme, die durch die Bundesregierung finanziert werden. D.h., das Geld, das diese Verwaltungseinheiten der Bundesregierung “leihen”, ist nur verfügbar, weil die Bundesregierung Geld ausgibt. D.h., es sollte auf +-0 rauskommen, stattdessen wird es einmal als Ausgabe der Regierung dargestellt und zusätzlich als Schulden…