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Die Auslandsnachfrage bricht also ein

6 Aug

schreibt der Spiegel:

Die Nachfrage aus dem Euroraum brach um 10,4 Prozent ein. Sehr schwach entwickelte sich auch die Nachfrage aus dem Ausland, sie ging von Mai auf Juni um 4,1 Prozent zurück. Aus dem Inland kamen 1,9 Prozent weniger Aufträge.
[…]
Bedenklich ist auch, dass besonders die Bestellungen von Investitionsgütern stark zurückgingen, denn sie sind ein Indikator für die Befindlichkeit der gesamten deutschen Wirtschaft. Die Aufträge für diese Güter sanken im Monatsvergleich um 6,4 Prozent. Aus dem Euroraum wurden sogar 19,5 Prozent weniger Investitionsgüter bestellt. Als Investitionsgüter gelten gemeinhin Produkte, die nicht zum unmittelbaren Endverbrauch bestimmt sind, sondern in der Herstellung eingesetzt werden: etwa Maschinen, technische Anlagen und Fahrzeuge.

Nix davon ist unerwartet – die Eurozone wird ja zum Sparen gezwungen, die deutsche Binnennachfrage ist ein Jahrzehnt lang sabotiert worden, und das nicht-europäische Ausland konkuriert ja entweder mit deutschen Herstellern oder riskiert, auf Halde zu produzieren, denn der Eurozone kriegen sie’s ja nicht verkauft (und werden sie auch auf absehbare Zeit nicht).

Schreibt Flassbeck seit Jahren, aber für den Spiegel ist das eine Überraschung. Und die “seriösen” VWLer, inklusive der Bundesregierung behaupten, nicht genau zu verstehen, was da passiert. Bin mal gespannt, wie weit die optimistischen Schätzungen vom Jahresanfang verfehlt werden.

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“Deutsche Tugenden” in Fussball und Wirtschaft

16 Jul

Auf Flassbeck Economics kommentiert das Team die Heuchelei derer, die jetzt den Teamgeist der deutschen Nationalmannschaft loben:

Aus dem Teamgeist der Fußballnationalmannschaft, sagen andere (so zum Beispiel im DLF der frühere Olympiasieger im Rudern und heutige Wirtschaftswissenschaftler Professor Maennig), könne man etwas für die Wirtschaft und insbesondere das Arbeitsleben lernen, nämlich dass man nur mit dem richtigen Teamgeist erfolgreich sein kann. Auch da ist etwas dran. Wir müssen in der Tat begreifen, dass eine arbeitsteilig organisierte Wirtschaft nicht „jeder gegen jeden“ bedeutet, sondern „jeder mit allen anderen“.
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“Den Deutschen” geht’s doch angeblich so gut

12 Oct

Wird natürlich wieder keiner auf Flassbeck hören, wenn er darauf hinweist, dass die Koalitionsverhandlungen nicht dazu führen werden, dass der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland in Zukunft besser geht:

Uns geht es ja gut. Das könnte das übergreifende Motto der Koalitionsverhandlungen sein, die sicher in wenigen Tagen beginnen werden. Dementsprechend bringen sich auch schon die ersten verdienten Funktionäre der SPD in Stellung, um Ministerposten zu ergattern. Welche das sein müssen, wissen sie auch schon. Karsten Schneider oder Thomas Oppermann müssen Finanzminister werden, weil das der wichtigste Posten ist. Klaus Wiesehügel will Arbeitsminister werden, weil er das als Gewerkschafter besonders gut kann. Sicher will Frank-Steinmeier Außenminister werden und Sigmar Gabriel Superminister für Wirtschaft, Energie und Umwelt.

Jetzt kommt wieder zusammen, was zusammengehört, könnte man sagen. Denn es ist abzusehen, dass sich in einer großen Koalition die vielen Agenda-2010-Anhänger in der SPD mit den Agenda-2010-Anhängern in der CDU zusammenschließen und man sich gemeinsam eine Agenda 2020 ausdenkt, damit es Deutschland weiterhin gut geht. Angesichts der geistigen Ausgangslage in beiden Parteien kann das nur auf eine Stärkung des Standorts Deutschland hinauslaufen, die angesichts stagnierender Außenhandelsüberschüsse aus Sicht der führenden Köpfe dieser Parteien dringend geboten ist. Im ersten Halbjahr 2013 hat Deutschland einen Leistungsbilanzüberschuss von “nur” 91 Milliarden Euro zustande gebracht, was zwar eine kleine Steigerung gegenüber den 87 Milliarden im gleichen Zeitraum des Vorjahres ist, aber doch nicht ausreicht, der deutschen Konjunktur die richtige Zugkraft zu gegeben und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Aber immerhin stellt er mal wieder ein schönes Stück Empirie zur Verfügung, das man dazu benutzen kann, die Propaganda im Dienste des Profits zu widerlegen:

Besonders klar sieht man das an der Lohnentwicklung, vergleicht man die deutsche etwa mit der französischen. Der Reallohn pro Stunde (hier mit mehreren Deflatoren berechnet) lag zu Beginn der Währungsunion, also vor der deutschen Lohnsenkungsstrategie, fast genau gleichauf mit Frankreich bei etwa 24 Euro. Im Jahre 2013 liegt der Lohn in Frankreich bei 28 Euro, in Deutschland leicht über 25 Euro. Und das bei einer fast genau übereinstimmenden Produktivitätsentwicklung in beiden Ländern.
Entwicklung Realeinkommen Deutschland und Frankreich

Nachwahlgedanken: die Grünen

30 Sep

Kaum zu glauben, dass die Wahl grad mal ne Woche her ist. Alles in allem recht deprimierend:

  • Merkel und die CDU werden keinen Grund zu sehen, irgendwas zu ändern: statt für die vergangenen 4 Jahre bestraft worden zu sein, haben sie dazugewonnen. Also weiterhin neoliberal agieren, Angst machen, und bissl sozial lügen
  • Die SPD zeigte ihre Verblendung: “Die Analyse war einigermaßen unumstritten: schwaches Ergebnis, gutes Programm.” (laut Spiegel) – passend dazu haben sie gerade ihren Kanzlerkandidaten abgesägt – aber da sie leicht dazugewonnen haben, wird auch diese Wahl nicht dazu führen, dass sie ihre neoliberale Richtung ein wenig nach links korrigieren. Stattdessen werden sie sich an ihrem staatstragenden “Verantwortungsbewusstsein” freuen.
  • Das Ergebnis der Linken zeigt mir vor allem, wie schwer es ist, gegen etablierte Narrative anzugehen, vor allem, wenn diese von den Massenmedien konsequent transportiert werden. Das wird auch die grösste Herausforderung: wie macht man dem Wähler klar, dass der aktuelle Kurs nicht nur nicht verbessernd, sondern aktiv verschlechternd wirken wird?
  • Dass die AfD es nicht in den Bundestag geschafft hat, find ich erst mal gut, allerdings haben sie wieder mal bewiesen, dass Neoliberalismus immer gut durch Nationalismus bemäntelt werden kann. Wie’s weitergeht, wird ein bisschen von der nächsten Regierung abhängen – wenn die SPD staatstragend die Beine breit macht, kann die CDU sich wieder nach rechts verlagern, dann war’s das für die AfD
  • Zur FDP muss man nicht viel sagen: deren einzige Rettung wäre ein echter Liberalismus, der deutlich auf bürgerliche Freiheiten setzt. Allerdings würden sie damit die CDU vergraulen – und wie absurd ist das eigentlich, dass Liberale am liebsten mit Konservativen koalieren wollen?! Und ausserdem gibt’s mit den Grünen ja schon eine Partei, die Liberalismus für Besserverdiende macht.

Womit wir dann auch bei der meines Erachtens spannendsten Frage wären: was lernen die Grünen aus ihrem Wahlergebnis?
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Flassbeck über MMT

22 Sep

Sollte ja ein offenes Geheimnis sein, dass ich ziemlich begeistert davon bin, was Flassbeck und sein Team auf Flassbeck Economics schreiben und vor kurzem schrieben sie über Kredite aus dem Nichts und die Zusammenfassung bringt es kurz und knapp auf den Punkt:

Um es kurz zu machen: Wer versteht, warum eine florierende Marktwirtschaft Kredite aus dem Nichts für Sachinvestitionen bis zu einem gewissen Grad braucht, der weiß auch, dass er diesen Teil des Geld- und Kreditwesens besonders streng regulieren muss, um Missbrauch zu verhindern – Missbrauch, der vor allem in der Vergabe solcher Kredite für Spekulationsgeschäfte, sprich: das internationale Finanzkasino besteht. Und derjenige weiß auch, dass tatsächliche Inflationsgefahren durch Überauslastung der Kapazitäten einer Volkswirtschaft allemal durch eine restriktive Geldpolitik effektiv bekämpft werden können. Inflationsgefahren durch rein spekulativ getriebene Preisblasen hingegen kann die Geldpolitik nicht gut Herr werden, ohne dabei die gesamte Realwirtschaft in die Rezession zu stoßen. Wer also den Wachstumsmotor ‘Kredit aus dem Nichts’ erhalten will, muss den Killer des Kreditwesens ‘Spekulation’ beseitigen.

Nur ist dieses Verständnis in der Politik nicht vorhanden: stattdessen werden Kreditnehmer verteufelt und kommerzielle Kreditgeber dürfen Amok laufen.