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Argentinien begibt sich mit offenen Augen in die Falle (und der Spiegel stellt’s falsch dar)

20 Apr

15 Jahre lang war Argentinien von den Finanzmärkten verbannt, jetzt hat ein US-Gericht die Sperre aufgehoben.

schreibt der Spiegel, was natürlich Unsinn ist. Die argentinische Regierung hatte die ganze Zeit Zugang zu den nationalen Finanzmärkten, was der Spiegel im Text auch klarstellt (meine Hervorhebung):

15 Jahre lang war Argentinien von den internationalen Finanzmärkten ausgeschlossen, nun kann das Land dort wieder Kredite aufnehmen.

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Die Schweizer Nationalbank hat NICHTS verloren

30 Apr

Spiegel:

Der Franken ist einfach zu stark: Das Aufwerten der eigenen Währung gegenüber Fremdwährungen hat der Schweizerischen Nationalbank (SNB) einen Milliardenverlust eingebrockt. Für das erste Quartal weist die Notenbank ein Minus von rund 30 Milliarden Franken aus.

Die SNB kann beliebig viele Franken zum Nulltarif per Tastendruck erzeugen, also wie, bitteschön, soll sie Minus machen können?

Mit dem höheren Kurs der eigenen Währung hat die Schweizer Notenbank nun zu kämpfen. Denn sie hält massenweise Anlagen, die in Fremdwährungen notiert sind – in Franken gerechnet ist ihr Wert erheblich gefallen.

Um das mal aufzuschlüsseln:

  1. Die SNB hat Anleihen in Fremdwährungen gekauft – das impliziert, dass sie dafür auch ebendiese Fremdwährungen hinlegen musste, Euroländeranleihen gibt’s für Euro, US-Anleihen für US$, japanische Anleihen für Yen.
  2. Diese Fremdwährungen hat sie auf dem Devisenmarkt für Franken erworben – zu einem Zeitpunkt, als der Franken schwächer war. Mit Franken, wie gesagt, die die SNB unbegrenzt zum Nulltarif ausgeben kann.
  3. Nun ist der Kurs des Franken gestiegen.
  4. Wenn die SNB diese Anleihen verkaufte und die dadurch erlösten Fremdwährungen nutzte, um Franken zu kaufen (was den Kurs weiter hochtriebe und dadurch mit dem erklärten Ziel der SNB im Konflikt stünde), würde sie weniger Franken erhalten, als sie ausgab.
  5. Aber da die SNB selbst Franken erzeugen kann und aktuell kein Interesse daran hat, den Frankenkurs zu stützen, gibt es keinen Grund, das zu tun.
  6. In der Zwischenzeit steigen mit jeder Renditeausschüttung die Devisenreserven der SNB.
  7. Sollte ein Zeitpunkt kommen, an dem der Kurs des Franken stark fiele und die SNB zur Unterstützung intervenieren wollen, dann kann sie ebendiese Reserven nutzen. Ausserdem kann sie die Anleihen verkaufen und für die erlangten Devisen mehr Franken kaufen, als zum Zeitpunkt des Anleihenerwerbs.

Alles in allem hat die SNB also nicht nur keinen Verlust gemacht, sondern in jedem sinnvollen Szenario, in dem sie Franken aufkaufen würde, würde sie Gewinn machen.

“Verbündete”, die die Realität nicht verstehen, sind nutzlos (oder sogar schädlich)

10 Apr

Die TAZ kommt von allen relativ grossen Zeitungen in Deutschland einer linken am nächsten. Wenn dann in derselben jedoch eine Verbindung zwischen

In den beiden vorangegangenen Monaten hatte es einen Rekordzufluss von Valuta nach Dänemark gegeben. Die Währungsreserven hatten sich auf umgerechnet rund 100 Milliarden Euro fast verdoppelt, so dass die Zentralbank den Markt mit der eigenen Währung fluten musste.

Im März herrschte dagegen weitgehende Ruhe. Die Nationalbank war nicht mehr gezwungen, zu intervenieren. Sie ließ den Kurs der Krone zum Euro auf den niedrigsten Stand seit 2001 abrutschen.

und

In Dänemark hatten Spekulanten erwartet, dass der große Zustrom von Valuta Kopenhagen zwingen werde, dem Beispiel der Schweiz zu folgen, die im Januar den Wechselkurs freigeben musste. Mit der dann zu erwartenden Aufwertung der Krone wäre ein schöner Profit mit den vorübergehend in Dänemark geparkten Milliarden zu machen gewesen.

hergestellt wird, erweist das der linken Sache einen Bärendienst.

Denn nichts, absolut nichts “zwingt” eine Zentralbank, die ihre eigene Währung herausgibt, den Versuch aufzugeben, den Kurs derselben niedrig zu halten.

Die Dänen hätten virtuelle Kronen zum Zweck des Euroaufkaufs bis zum Sankt-Nimmerleinstag herausgeben können, genauso wie die Schweiz das hätte tun können. Der “Produktionsaufwand” einer Zentralbank für Währungseinheiten ist faktisch 0, was auch bedeuete, dass selbst dann, wenn die aufgekaufen Euros massiv abwerten, keinerlei “Verlust” erwirtschaftet wird.

Propagandawoche bei Spiegel Online

28 Jul

ist ja eigentlich immer, aber aktuell ist es besonders krass.

Da gab’s als erstes einen herablassenden Kommentar dazu, dass Frankreich zwei Hubschrauberträger nach Russland liefern wird.
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Aus der schöne neoklassisch/neoliberale Traum – die Realität macht schlicht nicht halt

6 Jun

Direkt nach der Wahl der Europaabgeordneten hatte die europäische Politik ja nix besseres zu tun, als ausgiebig über den unwichtigsten Aspekt der Geschicht zu diskutieren – wer denn nun Präsident der europäischen Kommision würde.

(ok, nicht ganz direkt: als erstes musste man ja jeden mit der FN in den Topf werfen, der nicht für mehr Austerität gestimmt hatte)

Und nun, da dem Ganzen die Luft ausgeht, bieten sich die EZB und Draghi an, mit ihrem absurden Versuch, die Rezession dadurch aufzubrechen, dass man den Banken noch mehr Geld in die Hand drückt und es gleichzeitig verringert, wenn es schlicht als Reserve bei ebendieser EZB geparkt wird:

  • Angesichts der zuletzt sehr niedrigen Inflationsrate wird der Zins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, um 0,10 Punkte auf 0,15 Prozent gesenkt, wie die EZB am Donnerstag nach ihrer Ratssitzung in Frankfurt mitteilte.
  • Banken, die ihr Geld bei der Notenbank parken, müssen künftig Strafzinsen von 0,1 Prozent zahlen. Bei den rund 110 Milliarden Euro, die die Institute im Monatsdurchschnitt bei der EZB lagern, beläuft sich die Parkgebühr auf immerhin 110 Millionen Euro. Risikoscheue Institute sollen so gezwungen werden, ihr Geld abzuziehen und es lieber an Unternehmen und Privatleute zu verleihen.
  • Genau dafür gibt die EZB noch einen weiteren Anreiz. Sie verteilt erstmals in ihrer Geschichte zweckgebundene Kredite. Banken, die der Privatwirtschaft mehr Kredit geben als bisher, können sich bei der EZB extrem günstig Geld leihen. Der Zinssatz beträgt 0,2 Prozent für bis zu vier Jahre. Und das Volumen des EZB-Programms ist groß: Wenn alle Banken es voll ausschöpfen, würde es gut 400 Milliarden Euro betragen.

Gibt den Medien viel Gelegenheit, zu schreiben, und vor allem die angeblichen Risiken hervorzukehren. Überraschenderweise dringt in all diesen Schriebsen allerdings die Realität durch.
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Wie viele Jahre neoliberalen Versagens braucht es eigentlich?

16 May

Spiegel hypt den Wahlsieger in Indien:

Wahlsieger Modi ist politisch hoch umstritten, könnte das Land aber ökonomisch voranbringen.

anscheinend hat Indien das gleiche Problem wie die Eurozone oder die USA:

Das Wachstum hat sich in den vergangenen zwei Jahren auf unter fünf Prozent halbiert. Die heimische Industrie – von den Rohstoffproduzenten bis zu den Endverarbeitern in der Textilbranche – wirft immer weniger Produkte auf den Markt. Der Ausstoß schrumpfte im März um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei Investitionsgütern ging die Produktion im März gar um 12,5 Prozent zurück. Als Grund nennen Analysten die schwache Nachfrage von Endverbrauchern und Investoren.

Die übliche neoliberale Symptomatik also: wenn Profite einen höheren Anteil des Nationaleinkommens einfangen, bleibt weniger für den Konsum der Lohnempfänger. Das wiederum bedeutet, dass Produktionskapazitäten hinreichend (oder sogar zu hoch) sind, weswegen keine neuen geschaffen oder existierende abgebaut werden (inklusive Entlassungen). Also muss die Binnennachfrage stimuliert werden, z.B. durch höheren Mindestlohn oder Transferleistungen für Arbeitslose.
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In Spanien führt die Diktatur des Marktes immer tiefer in die Katastrophe

31 Mar

Die aktuellen “Austeritätsmassnahmen” in Europa haben ganz offensichtlich den Effekt, dass Wohlstand noch mehr von unten nach oben umverteilt wird – Bankenrettungen, Einschnitte ins soziale Netz, Billigprivatisierungen öffentlicher Infrastruktur, und dass demokratische Handlungsräume und Rechte ausgehöhlt werden. In Spanien ganz speziell bedeutet das, dass das Streikrecht ausgehöhlt wird:
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