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Alltägliche Misogynie

5 Mar

In den ersten zehn Jahren müssen Sie ranklotzen

heisst’s beim Spiegel – es geht um’s Gehalt. Und bebildert wird das dann so:

Die Frau auf den Knien, der Mann ihr abschätzig auf den Hintern starrend, sie Geld zusammenraffend. Das Ganze zu einem Artikel, in dem es noch nicht mal explizit um Männer und Frauen geht.

Feministin demütigt Vergewaltiger

8 Jan

findet die TAZ in einem bemerkenswerten verblendeten Beitrag mit dem Titel “Ein hochtoxisches Gespenst”:

Denn Evans hat eine Frau vergewaltigt, jedenfalls waren die Richter dieser Meinung. Sie schickten ihn für fünf Jahre hinter Gitter, nach zweieinhalb Jahren kam er frei.
[…]
Evans wird auch nicht verziehen, dass er sich nicht zu seiner Tat bekennt und so ziemlich alles tut, um sich als Justizopfer darzustellen.
[…]
Als Evans bei seinem alten Klub, Sheffield United, mittrainieren wollte, stellte eine unter dem Pseudonym Jean Hatchet agierende „radikale Feministin“ (Hatchet über Hatchet) eine Unterschriftenliste ins Netz – fast 170.000 Leute unterschrieben.

Sheffield ließ Evans fallen wie eine heiße Kartoffel. Sponsoren drohten mit dem Rückzug, Vereinspaten damit, den Klub nicht mehr zu unterstützen.
[…]
Er wird wohl weiter tingeln müssen. Wenn er seine Dienste kostenlos in der fünften oder sechsten Liga anbietet, dann könnte es vielleicht etwas werden mit einem Job. Man verlangt offensichtlich von ihm, sich selbst zu demütigen.

Fassen wir zusammen: der Mann hat eine Frau vergewaltigt, dafür schlappe 2,5 Jahre abgesessen (wieviel kriegt man nochmal für schwere Eigentumsdelikte?), und ist anscheinend nicht reformiert.

Und weil es eine engagierte Frau (deren Selbsteinordnung in Gänsefüsschen gesetzt wird) nicht hinnehmen will, dass ein Verbrecher, der keine Reue zeigt, wieder arbeiten geht, sieht der Herr Sportredakteur Demütigung?

Das Gegenteil von “Hausmütterchen” ist Sexobjekt?

30 Jun

Laut Spiegel haben sich Ehefrau und Tochter des aktuellen mexikanischen Präsidenten gerade auf relativ unübliche Art und Weise von Marie Claire fotografieren lassen:

Aber wie die beiden Damen aus Mexiko sich zeigen, ist durchaus bemerkenswert. Die Pose passt zum Thema des Artikels, einer Neudefinition von weiblicher Macht.
[…]
Sonst würden Politikergattinnen eher majestätisch, mütterlich oder sehr geschäftsmäßig-nüchtern gezeigt.
[…]
Insbesondere aus Sicht des Nachbarn USA seien die Outfits erstaunlich, schreibt die Zeitung. Schließlich seien manche Beobachter immer noch pikiert, wenn im Weißen Haus nackte Arme zu sehen seien – eine Anspielung auf Michelle Obama, deren vergleichsweise harmlose Outfits manchen Traditionalisten schon viel zu weit gehen. Das Klatsch-Blog Perez Hilton konstatierte, Rivera habe einen furchtlosen Auftritt hingelegt.

Weibliche Macht also – wie dargestellt?

Die Kleidung sei nicht sexy, schreibt die “Washington Post”. Aber die Körpersprache sei es.
[…]
“Sex-Appeal ist kein gewollter Teil des Pakets.”

Hmm, also Sex=Macht? Das klingt doch arg nach der typischen sexistischen Propaganda, die versucht, Frauen Selbstobjektifizierung schmackhaft zu machen. Und bezüglich “die Kleidung sei nicht sexy”:

Die Tochter trägt keine Hose oder Rock, zeigt also reichlich Haut, die Mutter ein Oberteil das gezielt die Brust betont…statt “Hausmütterchen” also MILF – was eine enorme Verbesserung.

Majestätisch oder businesslike würde vllt. doch besser zu “Macht” passen.

Frauen für den Status Quo

23 Apr

Da haben Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling also ein Büchlein namens “Tussikratie” verfasst, dass vom Spiegel so aufgenommen wird:

Statt die Verhältnisse zu hinterfragen, denken viele Frauen zu stark an die eigene Macht: Das finden Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling und zweifeln in “Tussikratie” an der aktuellen Gender-Debatte. Eine wohltuend differenzierte Mahnung.

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Der Spiegel sieht wieder mal den Wald vor lauter Bäumen nicht

15 Apr

Da titeln die “Deutschland: Noch nie gab es so viele Mediziner wie heute” und bringen ihr Unverständnis ob des Ärztemangels in bestimmten Gegenden zum Ausdruck, beschreiben auch die Symptome ein bisschen genauer und kriegen es schlicht nicht hin, Schlussfolgerungen zu ziehen? Z.B. angesichts von:

Generell haben Kassenpatienten in ärmeren Regionen im Kampf um die Ärzte das Nachsehen. Die Münchner Gesundheitsökonomin Leonie Sundmacher hat in einer Studie bestätigt, dass Mediziner besonders dort gerne Praxen betreiben, wo es viele Wohlhabende gibt. Pro Prozent mehr an Privatversicherten gibt es in städtischen Kreisen demnach vier Praxisärzte auf 100.000 Einwohner mehr.

könnte eine naheliegende Schlussfolgerung sein, dass das Problem in der Existenz von Privatpatienten besteht, und in der Tatsache, dass Privatkassen mehr Leistungen zahlen als gesetzliche. Also einheitliche Versicherungen und Zahlungen schaffen, z.B. mittels einer einzigen gesetzlichen KK, die deutlich mehr zahlt, als den profitorientierten Katalog, der aktuell erstattet wird.

Oder angesichts von:

Hinzu kommt: Immer mehr Ärzte arbeiten in Teilzeit. 2005 waren es laut Statistischem Bundesamt noch 42.000, 2011 nach jüngsten Daten 54.000 Teilzeit-Ärzte. Eine mögliche Ursache für den Trend ist Experten zufolge der ansteigende Frauenanteil. Seit 1991 hat sich der Anteil der Ärztinnen um 34 Prozent auf 45 Prozent erhöht. Auch Allgemeinarzt Niebling meint: Damit die Frauen Job und Familie unter einen Hut bekommen können, brauche es für zwei Ausscheidende künftig drei Nachrücker.

Faszinierend, dass das für männliche Ärzte anscheinend kein Problem darstellt? Könnte es sein, dass a) Kindererziehung und Hausarbeit immer noch auf Frauen abgewälzt wird und dementsprechend eine geschlechtlich gleichberechtigtere Gesellschaft auch ein bessere Ärzteversorgung hätte, und b) Teilzeit deutlich weniger nötig wäre, wenn es genügend Kinderbetreuungseinrichtungen gäbe?

Aber klar, Feminismus und Regulierung assymmetrischer Märkte, das passt net so richtig in die Spiegelpropaganda.