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Das wird mit der Ausgabenbremse auch nicht besser

12 Jan

Fachkräfte-Mangel im Öffentlichen Dienst titelt der Spiegel heute und schreibt:

Fehlendes Personal bereitet dem Beamtenbund und Vertretern der kommunalen Beschäftigten zunehmend Sorgen. So bekämen die Bürger den Mangel an Fachkräften im Öffentlichen Dienst immer öfter unangenehm zu spüren. Leistungen des Staats seien verbesserungswürdig, Risiken für die Menschen wüchsen. Das betonten der Beamtenbund (dbb) und die Gewerkschaft der Beschäftigten der Kommunen, Komba, unmittelbar vor der in Köln beginnenden Jahrestagung des dbb.

Engpässe bei der Feuerwehr gefährdeten die Sicherheit, sagte der Komba-Vorsitzende Ulrich Silberbach. Und um den Anspruch auf Kita-Betreuung der Unter-Dreijährigen zu erfüllen, bräuchte es deutlich mehr Erzieher.

Der Vorsitzende des Beamtenbunds, Klaus Dauderstädt, hatte am Wochenende in der “Rheinischen Post” vor Personalmangel auch bei Zoll, Gesundheitsschutz und Lebensmittelkontrolle gewarnt.

Gäbe es in einer Martwirktschaft eine einfache Lösung für: Gehälter erhöhen und damit die Berufe attraktiver machen. Zu knappes Angebot = steigende Preise.

Nur leider hat die ganz grosse Koalition den Kommunen ja eine Ausgabenbremse verpasst. D.h., dass ihnen dieser Ausweg verspart ist. Ein Schelm, wer bei der dann anstehenden Privatisierung Böses denkt.

Deflation wird gezielt falsch dargestellt und zur Verschleierung verwendet

8 Jan

Die sich immer weiter verlangsamende Inflation in der Eurozone, die in einigen Ländern bereits in offene Deflation umgeschlagen ist, ist eine direkte Folge der Austeritätspolitik:

  1. Ausgabenkürzungen der öffentlichen Hand, ob nun direkt bei Renten, Arbeitslosenunterstützung, Beamtengehältern, oder indirekt mittels Einstellungsstopps und verringerten Aufträgen für den Privatsektor, verringern die Nachfrage
  2. Verringerte Nachfrage bei unverändertem (weil im Voraus produzierten) Angebot führt zu sinkenden Preisen

Das führt dann im nächsten Schritt zu Profitminderungen, das wiederum zu Entlassungen im Privatsektor, womit die Nachfrage sinkt und sich die Deflation selbst verstärkt. Das ist der Grund, warum Deflation so riskant für eine Volkswirtschaft ist. Allerdings hiesse das zuzugeben ja, dass deutsche Politiker und Ökonomen ihre Fehler zugeben und korrigieren müssten und das darf natürlich nicht sein.
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Wird eher nix mit den deutschen Wachstumszielen

6 Oct

Um 5,7 Prozent sind die Aufträge der deutschen Industrie im August weggebrochen[.]

Geschenkt, denn

Die späte Lage der Schulferien habe die Aufträge im Juli ungewöhnlich hoch und im August ungewöhnlich niedrig ausfallen lassen, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium.

(Wobei anzumerken ist, dass das unerwähnt blieb, als die MSM den Anstieg im Juli feierten.) Allerdings liegt darunter ein Symptom, dass Flassbeck schon die ganze Zeit anmerkt und dass dem deutschen Wachstum ganz schön Bauchschmerzen bereiten wird:

Besonders schwach war die Nachfrage aus dem Ausland, sie fiel im August um 8,4 Prozent. […] Am deutlichsten fiel die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen. Hier gab es ein Minus von 8,5 Prozent.

Nachdem die Binnennachfrage ja schon ewig nicht mehr wächst, geht jetzt auch das Ausland in die Knie (und die deutsche Bundesregierung, unter Zuhilfenahme der EU-Kommission, arbeitet intensiv daran, diesen Prozess zu beschleunigen), und Investitionen werden eh keine mehr getätigt. Mal sehen, was von den Prognosen von Anfang des Jahres übrig bleiben wird.

 

Edit: Yep, Flassbeck tritt (verdientermassen) nach:

Nun ist eingetreten, was viele angeblich überrascht (siehe dazu die FAZ oder das Handelsblatt), was wir aber vorausgesagt haben: Die Daten des Auftragseingangs in der deutschen Industrie für August, die gestern vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wurden, zeigen eine stark rückläufige Tendenz (-5,7 Prozent).
[…]
Und auch unsere zweite Vermutung, dass das Bundeswirtschaftsministerium in seiner Pressemitteilung zu den Auftragseingängen dieses Mal die späte Lage der Sommerferien als (nämlich negativen) Einflussfaktor nennen würde im Gegensatz zu seiner Kommentierung der verblüffend guten Juli-Werte (dort hätte das den Jubel über die positive Entwicklung wohl gestört), hat sich bewahrheitet.

Ja ja, die Wissenschaft ist schuld

11 Aug

Der Spiegel schreibt darüber, dass reichlich Promotionsstudenten abbrechen und kontrastiert den Idealismus derjenigen, die Wissenschaft betreiben wollen und die Realität im Wissenschaftsbetrieb:

Doch auch die Tätigkeit und die Zwänge in der Wissenschaft selbst und der Widerspruch zur “inneren Berufung” und der damit verbundenen idealistischen Vorstellung von Wissenschaft scheinen Promovierenden Schwierigkeiten zu bereiten. Das Ideal, der reinen Sache, das heißt der Schaffung neuen Wissens im Weber’schen Sinne um des Wissens selbst willen dienen zu wollen oder die Leidenschaft für ein neues Forschungsthema oder eine interessante Forschungsfrage trägt viele Promovierende in die Wissenschaft. Dort treffen sie auf Strukturen, die diesen Ansprüchen nicht gerecht werden oder ganz und gar widersprechen, aber genauso zum Wissenschaftsalltag gehören: Konkurrenzdruck und Leistungsdenken, spitze Ellenbogen von Kolleginnen und Kollegen, fehlende Freiheit bei Fragen- und Methodenwahl, die Abhängigkeit von Karriereoptionen und Geldgebern, Elitedünkel, das Aussortieren unbequemer Resultate, “Datenbeschönigungen” oder das Aufbauschen bescheidener Forschungsergebnisse.

Treffen an der Sache selbst interessierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf Effizienz- und Output-Orientierung in einer Wissenschaftswelt, die wie ein Industriebetrieb geführt wird, geraten sie in einen Zwiespalt: Unterwerfen sie sich dem Druck oder bleiben sie ihrem Ideal treu? Sie laufen Gefahr, in diesem System einfach unterzugehen, da sie zum Beispiel zu langsam arbeiten oder keine oder zu wenige publikationsfähige Ergebnisse produzieren. Die große Diskrepanz zwischen den Vorstellungen von Wissenschaft und der dann vorgefundenen Realität führt zu Frustration und Enttäuschung. Damit ist das Wissenschaftssystem selbst keineswegs unbeteiligt an Promotionsabbrüchen.

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Die Auslandsnachfrage bricht also ein

6 Aug

schreibt der Spiegel:

Die Nachfrage aus dem Euroraum brach um 10,4 Prozent ein. Sehr schwach entwickelte sich auch die Nachfrage aus dem Ausland, sie ging von Mai auf Juni um 4,1 Prozent zurück. Aus dem Inland kamen 1,9 Prozent weniger Aufträge.
[…]
Bedenklich ist auch, dass besonders die Bestellungen von Investitionsgütern stark zurückgingen, denn sie sind ein Indikator für die Befindlichkeit der gesamten deutschen Wirtschaft. Die Aufträge für diese Güter sanken im Monatsvergleich um 6,4 Prozent. Aus dem Euroraum wurden sogar 19,5 Prozent weniger Investitionsgüter bestellt. Als Investitionsgüter gelten gemeinhin Produkte, die nicht zum unmittelbaren Endverbrauch bestimmt sind, sondern in der Herstellung eingesetzt werden: etwa Maschinen, technische Anlagen und Fahrzeuge.

Nix davon ist unerwartet – die Eurozone wird ja zum Sparen gezwungen, die deutsche Binnennachfrage ist ein Jahrzehnt lang sabotiert worden, und das nicht-europäische Ausland konkuriert ja entweder mit deutschen Herstellern oder riskiert, auf Halde zu produzieren, denn der Eurozone kriegen sie’s ja nicht verkauft (und werden sie auch auf absehbare Zeit nicht).

Schreibt Flassbeck seit Jahren, aber für den Spiegel ist das eine Überraschung. Und die “seriösen” VWLer, inklusive der Bundesregierung behaupten, nicht genau zu verstehen, was da passiert. Bin mal gespannt, wie weit die optimistischen Schätzungen vom Jahresanfang verfehlt werden.

Propagandawoche bei Spiegel Online

28 Jul

ist ja eigentlich immer, aber aktuell ist es besonders krass.

Da gab’s als erstes einen herablassenden Kommentar dazu, dass Frankreich zwei Hubschrauberträger nach Russland liefern wird.
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Wenn’s uns schon schlecht geht, soll das für andere gefälligst auch gelten

15 Jul

In Deutschland verfällt das Schienennetz mehr und mehr:

Bahn-Chef Rüdiger Grube warnt eindringlich vor den Folgen der chronischen Unterfinanzierung der Infrastruktur und fordert deutlich höhere Investitionen in das Schienennetz. “Angesichts der dramatischen Unterfinanzierung hat die Bahn einen Investitionsstau bei Gleisen, Weichen und Stellwerken von über 30 Milliarden Euro”, sagte er dem SPIEGEL. “Wenn sich nichts ändert, steigt der Rückstand bis 2020 auf gigantische 50 Milliarden Euro.” Dann gebe es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder die Qualität der Bahn lasse deutlich nach oder Strecken müssten gesperrt werden.

Nach Grubes Überzeugung ist eine Erhöhung der Investitionen in das Bestandsnetz von derzeit rund drei Milliarden Euro auf “über vier Milliarden Euro” notwendig. “Selbst dann reden wir über eine Aufgabe, die uns mindestens eine Generation lang beschäftigen wird.”

Bei der Mobilisierung der zusätzlichen Gelder müsse “der Bund mit ran”, so Grube. Zwar wolle sich die Bahn auch künftig an der Pflege des Netzes beteiligen. Klar sei aber auch: “Weil die Schiene jahrzehntelang vernachlässigt wurde, können wir es allein nicht schaffen.”

In Deutschland gibt es viel zu wenige bezahlbare Wohnungen:

In den letzten Jahren gab es nach Angaben des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung eine deutliche Verringerung der Sozialwohnungen. Zwischen 2002 und 2012 sank deren Zahl um 40 Prozent von 2,6 auf 1,5 Millionen. Zugleich stiegen der Behörde zufolge die Angebotsmieten bei Neu- und Wiedervermietung 2013 bundesweit um 3,5 Prozent auf gut 6,80 Euro je Quadratmeter, in Städten wie Hamburg, München und Berlin kletterten die Mieten weitaus stärker, was zu Protesten führt.

Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips forderte in der Frankfurter Rundschau ein ambitioniertes Neubau-Programm. Alle Beteiligten müssten an einem Strang ziehen, um die bestehende Unterversorgung zu bekämpfen und bezahlbare Mieten zu sichern. „Dazu gehört aus meiner Sicht der Neubau von einer Million Wohnungen in dieser Legislaturperiode, davon 250.000 Sozialwohnungen“, sagte Rips.

In China hat die Regierung anscheinend verstanden, dass man solche Situationen vermeiden sollte:

Auch die Regierung zeigt sich spendierfreudig: Ihre Ausgaben erhöhten sich im Juni um 26,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 1,65 Billionen Yuan (195 Milliarden Euro). Mit dem Geld wird beispielsweise der Ausbau des Schienennetzes beschleunigt. Mehr Geld fließt auch in den öffentlichen Wohnungsbau.

Angesichts der deutschen Verhältnisse sollte man das lobenswert finden. Zumindest, wenn man nicht der Spiegel ist – der titelt “Wachstum auf Pump“.