Gibt ja doch noch Qualität bei SPON

10 Apr

Und dann veröffentlicht Spiegel Online sowas wie Drake und “die Straße”: Ist das noch HipHop? und ich frag mich, warum sowas so selten vorkommt (also, abgesehen von den nicht-rechten Kolumnisten):

Aber Journalisten tun sich ungewöhnlich schwer mit ihm. Jüngstes Beispiel ist ein Text im Feuilleton der “Süddeutschen Zeitung” vom Donnerstag.

Unter der Überschrift “Hip-Pop” bezeichnet der Autor Drake als “einen der höchstgehandelten Rapper des Planeten” und bescheinigt ihm, dass sein Album die “HipHop-Platte des Jahres” hätte werden können, wenn nicht Kendrick Lamar dazwischengekommen wäre. Gleichzeitig hätten Vorwürfe, dass Drake “zu emotional, zu effeminiert, zu weich” sei, ihre Berechtigung. Denn, so das Fazit des Artikels: “Das ist keine Musik von der Straße, und deswegen ist es kein HipHop.”
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Drakes jüdische Abstammung verschweigt der “SZ”-Artikel, dabei bekommen die Vorwürfe, er sei kein richtiger Kerl, vor diesem Hintergrund noch eine andere Konnotation. Jüdischen Männern ihre Virilität abzusprechen, ist seit Langem ein wichtiger Bestandteil von Antisemitismus. So wird die Stoßrichtung des Textes, als weißer Deutscher in einem bildungsbürgerlichen Medium einem schwarzen Kanadier abzusprechen, HipHop zu machen, politisch noch zweifelhafter, als sie es eh schon ist.
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Noch schwieriger wird es bei der Ex-negativo-Definition, die folgt: “HipHop, der nicht von der schwarzen, amerikanischen Straße kommt, ist fast ausnahmslos Kitsch.” Das mag für den Stuttgarter HipHop der Neunzigerjahre, den der Autor zum Beweis anführt, zutreffen. Aber zum Aufrechterhalten dieser Definition von HipHop muss man schon in der deutschen Vergangenheit bleiben, denn in der amerikanischen Gegenwart käme man nicht um Kanye West herum – das schwarze Professorenkind, das bereits vor elf Jahren mit seinem Debütalbum “The College Dropout” das Sound- und Themenspektrum von HipHop maßgeblich erweiterte. Doch West, der auch noch Drakes Mentor ist, wird in dem “SZ”-Artikel kein Mal erwähnt.
[…]
Bezeichnenderweise hat sich in den USA im vergangenen Jahr eine ähnliche Debatte entzündet – allerdings an der weißen Rapperin Iggy Azalea. Die Australierin war in die Kritik geraten, weil sie in ihrem Song “Leave It” die Sprechweise afroamerikanischer Südstaatler imitierte (“Who dat, who dat?”). Als sich Azalea schließlich in dem Song “D.R.U.G.S” als “runaway slave master” bezeichnete, trat die schwarze Rapperin Azealia Banks auf Twitter eine hitzige Debatte darüber los, ob Iggy Azalea die Wurzeln von HipHop in der schwarzen Kultur verhöhne.

Die “SZ” griff die Debatte um Iggy Azaleas Aneignung von HipHop damals nicht auf. Zuvor hatte sie allerdings lobend über Azaleas Debütalbum (“eines der erstaunlichsten Identitätsexperimente”) geschrieben und sie indirekt als von Schwarzen Marginalisierte bezeichnet: “Eine sehr blonde, große weiße Frau, Typ Model, also eine, die bislang nur als Trophäe im Hintergrund von Rap-Videos lasziv herumeiern durfte.”

Wenn Weiße das ethnische und sozioökonomische Spektrum von HipHop erweitern, scheint das also nicht nur akzeptabel, sondern künstlerisch aufregend zu sein. Bei Schwarzen führt ein ähnlicher Vorstoß hingegen zur Aberkennung der Mitgliedschaft in der HipHop-Community – jedenfalls in der “SZ”, die damit musikalische Ghettoisierung betreibt.

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