Besser, als ich es hätte schreiben können

4 Mar

Wenn man Lehrer schreiben lässt, statt Journalisten, sieht die Abwägung Beamte/Angestellte schon ganz anders aus:

Das Leben als Beamter ist ein verlässliches Geben und Nehmen. Mit der richtigen Idee werden Leute in der freien Wirtschaft zu Millionären, mit der falschen zu Sozialhilfeempfängern. Andere schuften täglich für das Nötigste und haben überhaupt keine Zeit oder Kraft für irgendwelche Ideen. Sie alle zahlen Steuern, mit denen der Staat meine Kollegen und mich bezahlt. Dafür erbringen wir eine Dienstleistung – wiederum für alle.

Mein Gehalt macht mich nicht reich. Der Staat bezahlt mich nicht nach Leistung, es gibt keine Boni für erfolgreiche Vertragsabschlüsse und keine Steuertricks in Form von Dienstwagen. Aber ich komme gut zurecht. Für Hochzeit und Kind gibt es zum Beispiel jeweils einen Hunderter brutto mehr, für ein drittes Kind sogar 244,91 Euro. Dazu werden bis zu 70 Prozent der Krankenversicherung übernommen.
[…]
Außerdem bin ich – wenn ich keine groben Fehler begehe – auf Lebenszeit verbeamtet. Ich werde nicht unverschuldet in Not geraten wie Selbstständige bei einer Unternehmenspleite oder Angestellte bei betriebsbedingten Kündigungen. Auch deshalb bekomme ich bessere Konditionen bei Krediten. Hinzu kommen die hohen Pensionen und die relativ gute Absicherung bei Berufsunfähigkeit.

Mein Beamtenstatus prägt auch das Verhältnis zum Schulleiter. Zwar ist er mir weisungsbefugt, aber ich muss seinetwegen nicht um meinen Job fürchten, was mir viele Freiheiten gibt: Ich kann offen Kritik üben und meine Meinung vertreten. Vor allem aber bin ich in meinen Entscheidungen über Lehrstoff und Noten nur meinem Amt verpflichtet und anderen gegenüber unabhängig.

Und wenn ich ein Problem habe, gehe ich zum Personalrat, einer etablierten Institution an der Schule. Als ich einer Bekannten nach einem Streit mit ihrem Chef riet, sich an den Personalrat zu wenden, schaute sie mich nur entsetzt an: “Da kann ich ihm auch gleich die Reifen aufstechen!”

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