Neoliberale Lösungen: wenn Leute schlecht bezahlt werden, sollte man die berufliche Sicherheit ihrer Kollegen verringern

3 Mar

Lehrer sind in Deutschland häufig verbeamtet. Im Osten haben sich einige Länder entschlossen, das zu ändern und haben auch angestellte Lehrerstellen geschaffen. Im Westen wurde nachgezogen, mit den erwartbaren Effekten:

In westdeutschen Ländern, die es den Ost-Ländern nachmachten, entstand allerdings eine Zweiklassengesellschaft in den Lehrerzimmern. Junge Kollegen arbeiten als Angestellte, mitunter nur befristet. Manche werden sogar vor den großen Ferien entlassen und danach wieder eingestellt, weil das dem Land Kosten spart. Die meist verbeamteten älteren Kollegen sind deutlich bessergestellt.

Im Unterschied zum Schlachtruf der “education-for-profit”-Fraktion und derer, die am liebsten auch alle Wissenschaftler nur noch befristet anstellen wollen, weil Beamte angeblich keine Motivation mehr haben, Leistung zu liefern, sind Angestellten nicht die besseren Lehrer:

Sachsen, wo alle Lehrer angestellt sind, hat wie Bayern, wo die meisten Lehrer noch Beamte sind, eines der leistungsfähigsten Schulsysteme des Landes.

Diese Mischung aus Prekariat für angestellte Lehrer, ohne dass dies durch irgendwie geartete Vorteile aufgewogen würde, könnte man nun zum Anlass nehmen, dafür zu plädieren, dass das Experiment eingestellt und alle Lehrer wieder verbeamtet werden.

Oder man ist Christoph Titz und schreibt im Spiegel:

Weniger Geld, weniger Sicherheit: Im Vergleich zu ihren verbeamteten Kollegen sind angestellte Lehrer vielerorts schlechtergestellt. Ihr Streik ist daher sinnvoll. Noch sinnvoller wäre es, das Beamtentum für Lehrer flächendeckend abzuschaffen.

Passend dazu ist die Option der beruflichen Sicherheit für Lehrer als Begründung für die Verbeamtung in der Abstimmung gar nicht enthalten:

Sollten alle Lehrer als Angestellte beschäftigt werden?

Nein, das Berufsbeamtentum verpflichtet sie zur Loyalität mit dem Staat, sie übernehmen eine wichtige hoheitliche Aufgabe.
Nein, allein schon wegen des Streikverbots sollten alle Lehrer Beamte sein.
Ja, die Ungleichbehandlung in den Lehrerzimmern muss aufhören.
Ja, es genügt, wenn Richter und Polizisten Beamte sind.
Ich verstehe die Frage nicht.

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3 Responses to “Neoliberale Lösungen: wenn Leute schlecht bezahlt werden, sollte man die berufliche Sicherheit ihrer Kollegen verringern”

  1. Zyriacus March 3, 2015 at 10:46 pm #

    Das Ärgernis ist die ungleiche Behandlung von beamteten und angestellten Lehrern. Dem kann man durchaus damit beikommen, dass in Zukunft der Beamtenstatus für Lehrer entfällt. Weiters sollte dieser Befristungs-Unsinn dringend abgestellt werden. Wie soll ein junger Lehrer denn sein Leben planen, wenn er von Jahr zu jahr nicht weiß, ob, wo und wie er demnächst Arbeit findet? Festeinstellung mit einem Schuljahr als Probezeit muss doch möglich sein.

    • tokugawa98 March 4, 2015 at 12:58 pm #

      Vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Allerdings läuft es halt für mich darauf hinaus: natürlich kann man die Ungleichbehandlung durch Abschaffung des Beamtenstatus beheben. Aber eben auch dadurch, dass wieder alle Lehrer verbeamtet werden.
      Im ersten Fall hätte man die Situation der aktuell verbeamteten verschlechter, ohne die Situation der angestellten absolut verbessert zu haben, relativ schon, aber nicht absolut. Im zweiten Fall hätte man die Situation der angestellten absolut verbessert, ohne die der verbeamteten verschlechtert zu haben. Deswegen sehe ich nicht ein, warum irgendjemand ohne Hintergedanken zur ersten “Lösung” tendieren sollte.
      Dazu kommt noch, wie Sie selbst anmerken, dass die aktuelle Arbeitssituation der angestellten Lehrer noch deutliche Nachbesserungen verlangt, Nachbesserungen, die sie näher an den Beamtenstatus bringen würden.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Besser, als ich es hätte schreiben können | Denk ich an Deutschland... - March 4, 2015

    […] man Lehrer schreiben lässt, statt Journalisten, sieht die Abwägung Beamte/Angestellte schon ganz anders […]

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