Frauenfeindlichkeit in Aktion

12 Feb

Folgendes hat sich in Deutschland zugetragen:

Der Mechaniker fand den Busen der Frau schön und sagte das auch so. Dann berührte er eine der Brüste ungefragt.
[…]
[D]ie Reinigungskraft entschied sich dafür, sich ihrem Chef anzuvertrauen. Dass dieser seine Mitarbeiterin ernst nahm und umgehend den Arbeitgeber des Täters kontaktierte, war richtig, aber nicht selbstverständlich.

Dem Mann, der sich, so erklärte er es sich nachher selbst, „kurz nicht unter Kontrolle hatte“, wurde fristlos gekündigt. Sein eigener Chef hatte damit klare Grenzen gezogen – die das Bundesarbeitsgericht nun erneut verwischt hat. Die Kündigung sei nicht angemessen gewesen, eine Abmahnung hätte ausgereicht.

Warum? Weil die Frau selbst dem Mechaniker gewisse Signale gesendet hatte? Weil er schon seit Jahren in dem Betrieb gearbeitet hatte und nie zuvor auffällig geworden war? Weil er sich entschuldigte und sogar Schmerzensgeld zahlte? Weil er die Tat im Personalgespräch mit seinem Chef sofort gestand, obwohl er – da es keine Zeugen gab – alles hätte abstreiten können?

Ja, von allem ein bisschen, sagt das Bundesarbeitsgericht und meint das auch noch vollkommen ernst.

Hanna Voss kommentiert das Ganze so wie es sich gehört und macht klar, dass “das erste Mal” für das Opfer keinen Unterschied macht und das die Botschaft, die das Gericht sendete, Grenzen zwischen Tätern und Opfern arg verwischt. Der Kommentar ist absolut in Ordnung.

Die Kommentare zum Kommentar aber!

Wenn ich z.B. lese:

Eine Abmahnung wäre verhältnismäßig gewesen. Sagen Sie auch “einmal ist keinmal”, wenn ein Dieb nur eine Bewährungsstrafe bekommt?

Dann wird körperliche Selbstbestimmung mit materiellem Besitz gleichgestellt – die Brust der Frau wird zur “Sache”, die sich ein anderer halt schon mal aneignen kann. Das ist nicht neu oder ungewöhnlich – ich finde das Zitat nicht mehr, aber “teure Sachen nicht rum liegen lassen” war, wie das ein Politiker ausdrückte.
Ganz abgesehen davon, dass jemand, der bei einer Partnerfirma stiehlt, wahrscheinlich auch nicht nur eine Abnahmung kriegt.
oder:

Was ist das für ein seltsames Zeug? “zum ersten Mal Grabscher”: Kreuzigt ihn!
Wie wäre es mal mit etwas Verhältnismäßigkeit?

“Sexuelle Belästigung = Diebstahl”, aber “Entlassung = Kreuzigung” ist auch recht beeindruckend. Arbeitsplatzverlust wird gleichgesetzt mit physischer Folter!
oder:

Die Autorin bemüht die gleichen nicht zutreffenden Abschreckungs-” Nicht-Argumente wie Befürworter der Todesstrafe.

um Voss selbst zu zitieren:

Das Urteil lässt sich schlicht falsch verstehen als Freibrief: Belästigung ist schlimm, aber einmal darf jeder.

und das ist genau der Punkt (mal ganz abgesehen davon, dass hier schon wieder Arbeitsplatzverlust mit extremem körperlichen Schaden gleichgesetzt wird): wenn jemand für ein Verbrechen zum Tode verurteilt wird und seine Strafe danach in eine Geldstrafe oder ein paar Jahre Gefängnis umgewandelt, dann geht man gemeinhin davon aus, dass das Vergehen/Verbrechen nicht so schlimm gewesen sein kann.

Und ja, dass sind Leser einer “linken” Zeitung.

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