Archive | February, 2015

Mit der Wissenschaft hat man’s nicht so (oder man hat keine Wissenschaftsredaktion)

16 Feb

Der Spiegel hat einen Artikel online demzufolge:

Pinguine verfügen über wenig Geschmacksempfindungen. Die Vögel können nur salzig und sauer unterscheiden.

Überraschend, meint das Blatt, denn:

Wirbeltiere – darunter auch der Mensch – kennen alle fünf Geschmacksrichtungen, vielleicht sogar auch noch mehr.

Da stutzt der spiegellesende Laie und der Fachmann wundert sich, denn wie der Spiegel bereits 2005 zu berichten wusste:

Forscher haben jetzt den Grund gefunden: Katzen können Süßes wegen eines Gendefekts gar nicht schmecken.

Und Katzen sind nicht nur Wirbeltiere (die Säugetiere, Vögel, Fische, Amphibien und Reptilien beinhalten), sondern sogar Säugetiere, also noch näher am Menschen dran. Auch das Beispiel, dass der Spiegel zur Illustration bringt, erzeugt nicht grad Vertrauen in die Berichterstattung:

So erkennt etwa der Mensch Saures mit Hilfe des Eiweißes PKD2L1. Der differenzierte Geschmackssinn dient nicht nur dem Genuss, sondern hat auch einen evolutionsbiologischen Hintergrund: Menschen und Tiere können verdorbene Nahrung erkennen – ein entscheidender Überlebensvorteil.

Verdorben=sauer funktioniert nicht. Verdorben=bitter schon eher.

Aber das der Schreiberling eh keinen Plan hatte, zeigt sich bei:

Zum Vergleich prüften die Wissenschaftler 14 andere Vogelarten wie Finken, Aras und Stockenten, darunter auch die eng mit Pinguinen verwandten Röhrennasen (Procellariiformes). Alle trugen Erbanlagen zum Erkennen bitteren und herzhaften Geschmacks. Gene für süß-Rezeptoren fehlen dagegen bei allen bislang untersuchten Vögeln.

Wie oben erwähnt, sind Vögel Wirbeltiere. Wenn es also einige Arten gibt, die süss-sauer nicht schmecken, ist die obige Verallgemeinerung schlicht falsch.

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Frauenfeindlichkeit in Aktion

12 Feb

Folgendes hat sich in Deutschland zugetragen:

Der Mechaniker fand den Busen der Frau schön und sagte das auch so. Dann berührte er eine der Brüste ungefragt.
[…]
[D]ie Reinigungskraft entschied sich dafür, sich ihrem Chef anzuvertrauen. Dass dieser seine Mitarbeiterin ernst nahm und umgehend den Arbeitgeber des Täters kontaktierte, war richtig, aber nicht selbstverständlich.

Dem Mann, der sich, so erklärte er es sich nachher selbst, „kurz nicht unter Kontrolle hatte“, wurde fristlos gekündigt. Sein eigener Chef hatte damit klare Grenzen gezogen – die das Bundesarbeitsgericht nun erneut verwischt hat. Die Kündigung sei nicht angemessen gewesen, eine Abmahnung hätte ausgereicht.

Warum? Weil die Frau selbst dem Mechaniker gewisse Signale gesendet hatte? Weil er schon seit Jahren in dem Betrieb gearbeitet hatte und nie zuvor auffällig geworden war? Weil er sich entschuldigte und sogar Schmerzensgeld zahlte? Weil er die Tat im Personalgespräch mit seinem Chef sofort gestand, obwohl er – da es keine Zeugen gab – alles hätte abstreiten können?

Ja, von allem ein bisschen, sagt das Bundesarbeitsgericht und meint das auch noch vollkommen ernst.

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