Ja ja, die Wissenschaft ist schuld

11 Aug

Der Spiegel schreibt darüber, dass reichlich Promotionsstudenten abbrechen und kontrastiert den Idealismus derjenigen, die Wissenschaft betreiben wollen und die Realität im Wissenschaftsbetrieb:

Doch auch die Tätigkeit und die Zwänge in der Wissenschaft selbst und der Widerspruch zur “inneren Berufung” und der damit verbundenen idealistischen Vorstellung von Wissenschaft scheinen Promovierenden Schwierigkeiten zu bereiten. Das Ideal, der reinen Sache, das heißt der Schaffung neuen Wissens im Weber’schen Sinne um des Wissens selbst willen dienen zu wollen oder die Leidenschaft für ein neues Forschungsthema oder eine interessante Forschungsfrage trägt viele Promovierende in die Wissenschaft. Dort treffen sie auf Strukturen, die diesen Ansprüchen nicht gerecht werden oder ganz und gar widersprechen, aber genauso zum Wissenschaftsalltag gehören: Konkurrenzdruck und Leistungsdenken, spitze Ellenbogen von Kolleginnen und Kollegen, fehlende Freiheit bei Fragen- und Methodenwahl, die Abhängigkeit von Karriereoptionen und Geldgebern, Elitedünkel, das Aussortieren unbequemer Resultate, “Datenbeschönigungen” oder das Aufbauschen bescheidener Forschungsergebnisse.

Treffen an der Sache selbst interessierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf Effizienz- und Output-Orientierung in einer Wissenschaftswelt, die wie ein Industriebetrieb geführt wird, geraten sie in einen Zwiespalt: Unterwerfen sie sich dem Druck oder bleiben sie ihrem Ideal treu? Sie laufen Gefahr, in diesem System einfach unterzugehen, da sie zum Beispiel zu langsam arbeiten oder keine oder zu wenige publikationsfähige Ergebnisse produzieren. Die große Diskrepanz zwischen den Vorstellungen von Wissenschaft und der dann vorgefundenen Realität führt zu Frustration und Enttäuschung. Damit ist das Wissenschaftssystem selbst keineswegs unbeteiligt an Promotionsabbrüchen.


und lässt das dann in der Aussage eines Abbrechers gipfeln:

“Ich dachte immer, es geht darum, Wissen zu sammeln und neues Wissen zu schaffen, neue Perspektiven zu eröffnen”, sagt er, “doch nach dem Beginn der Promotion voller Interesse und Neugierde war da ganz schnell die Ernüchterung. Wissenschaft ist alles in allem dann leider doch viel Lärm um wenig Inhalt.”

Ach ja, die böse Wissenschaft – viel Lärm um Nichts. Was allerdings nur einmal in zwei Halbsätzen:

[…]neben unzureichender Finanzierung, unsicheren beruflichen Perspektiven[…]
Daneben ist die mit der Doppel- oder sogar Dreifachbelastung aus Arbeitsverhältnis, wissenschaftlicher Qualifizierung und Kinderbetreuung einhergehende Überarbeitung nicht zu unterschätzen.

erwähnt wird, ist, dass der Konkurrenzdruck, der Publikationsdruck, die Effizienorientierung, die Industrialisierung ja einen ganz handfesten Grund haben: Mangelnde Wissenschaftsfinanzierung!

Aber das anzusprechen würde ja die Schuldenbremse und den ganzen Austeritätsschwachsinn in Frage stellen. Also muss die Wissenschaft und müssen die Wissenschaftler schuld sein.

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