Mikrokredite sind eine beschissene Idee

5 Jun

Mikrokredite beruhen auf der Idee, dass das einzige, was Armen in Asien, Afrika und Asien fehlt, Geld für den Aufbau eines eigenen Geschäftes ist. Obwohl Muhammad Yunus, seines Zeichens Ökonom aus Bangladesh, einen Friedensnobelpreis für seine Arbeit in die Richung erhielt (und sich damit in der Gesellschaft solch friedliebender Preisträger wie Henry Kissinger, Menachem Begin, Anwar as Sadat, Jassir Arafat, Barack Obama und der Europäischen Union befindet), sind Mikrokredite schlicht die neueste Form der Ausbeutung:

In Indien war ich selbst Zeitzeuge der bislang tiefsten Mikrofinanzkrise. Ein Großteil der Bevölkerung des Bundesstaates Andhra Pradesh war in eine hoffnungslose Schuldenfalle getrieben worden. 2010 brachten sich dann innerhalb eines Monats an die 80 Menschen um, teils, als sie von ihren Kundenbetreuern und den Mitgliedern ihrer Haftungsgruppen zum Suizid gedrängt wurden. Die riesige Mikrofinanzblase platzte. In Marokko schwelt seit 2008 eine Krise. Im Arabischen Frühling gründete sich dann eine Bewegung von Frauen, „Opfer des Mikrokredits“, die gegen hohe Zinsen und drastische Eintreibemaßnahmen protestierte. Deren zwei Anführerinnen wurden vor kurzem zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Dass also gerade in diesen beiden Ländern Mikrokredite als Teil der Lösung gepriesen werden, finde ich ausgesprochen zynisch.


Mikrokreditgeber machen reichlich Profit:

Mittlerweile werden jährlich mehr als 100 Milliarden Dollar verliehen, woran die Mikrofinanzinstitute 2012 über 21 Milliarden Dollar verdient haben. Jeden Cent davon mussten die Armen bezahlen.

und auch wenn die Vorstellung, das etwas derart profitables auch Gutes tut, zwar sehr verlockend ist, lassen sich solche Entwicklungen empirisch höchst selten finden. “Gutes tun”, wie Bildung, Hygiene, Gesundheit etc. zu verbessern, ist typischerweise unprofitabel und wurde in den Ländern mit (relativ) hohem Standard durch den Staat bewirkt. Für die aktuell Armen, allerdings, soll das so nicht mehr gelten:

Es wundert mich immer wieder, dass auch in der Linken Mikrokredite nicht als das erkannt werden, was sie eigentlich sind: nämlich eine Form der Entwicklungsarbeit, welche die Armen selbst bezahlen sollen.
[…]
[B]eispielsweise wie ich in Indien erforscht habe. Mikrokredite drängen dort in den Wasser- und Sanitärbereich ein. Der Staat wurde in den 90er Jahren geschwächt, Privatisierungen durch die Weltbank scheiterten aber an Protesten. Viele Slums stehen immer noch ohne Wasser und Sanitärversorgung da. Als Lösung werden nun Mikrokredite gepriesen. Arme Menschen sollen private Schulden für öffentliche Güter aufnehmen. Was ihnen von der Mehrheitsgesellschaft vorenthalten wird, sollen die Armen nun auf Pump selbst kaufen: Privatisierung durch die Hintertür. An diesem Beispiel kann man sehr gut den neoliberalen Grundgedanken sehen, wie ihn auch der „Erfinder“ der Mikrofinanz, Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, predigt. Sein Credo: Der Staat solle sich aus allem zurückziehen, außer aus Polizei und Militär, und alles andere dem privaten Sektor überlassen.
[…]
Mikrofinanzen können vielleicht für einige wenige Menschen, die besonders unternehmerisch sind oder eine grandiose Geschäftsidee haben, etwas bewirken. Dann muss man aber in größeren Dimensionen denken als 100 Dollar. Damit kann man einen kleinen Bananenverkaufsstand aufbauen, aber nicht beispielsweise eine Milchkooperative, die Milch pasteurisiert und in die nächste Stadt bringt. Es ist notwendig, solche neuen Wirtschaftskreisläufe zu entwickeln. Und das ist bislang überall eine Aufgabe von Staat und Politik gewesen, nicht die von Geldverleihern.

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