Archive | June, 2014

Das Gegenteil von “Hausmütterchen” ist Sexobjekt?

30 Jun

Laut Spiegel haben sich Ehefrau und Tochter des aktuellen mexikanischen Präsidenten gerade auf relativ unübliche Art und Weise von Marie Claire fotografieren lassen:

Aber wie die beiden Damen aus Mexiko sich zeigen, ist durchaus bemerkenswert. Die Pose passt zum Thema des Artikels, einer Neudefinition von weiblicher Macht.
[…]
Sonst würden Politikergattinnen eher majestätisch, mütterlich oder sehr geschäftsmäßig-nüchtern gezeigt.
[…]
Insbesondere aus Sicht des Nachbarn USA seien die Outfits erstaunlich, schreibt die Zeitung. Schließlich seien manche Beobachter immer noch pikiert, wenn im Weißen Haus nackte Arme zu sehen seien – eine Anspielung auf Michelle Obama, deren vergleichsweise harmlose Outfits manchen Traditionalisten schon viel zu weit gehen. Das Klatsch-Blog Perez Hilton konstatierte, Rivera habe einen furchtlosen Auftritt hingelegt.

Weibliche Macht also – wie dargestellt?

Die Kleidung sei nicht sexy, schreibt die “Washington Post”. Aber die Körpersprache sei es.
[…]
“Sex-Appeal ist kein gewollter Teil des Pakets.”

Hmm, also Sex=Macht? Das klingt doch arg nach der typischen sexistischen Propaganda, die versucht, Frauen Selbstobjektifizierung schmackhaft zu machen. Und bezüglich “die Kleidung sei nicht sexy”:

Die Tochter trägt keine Hose oder Rock, zeigt also reichlich Haut, die Mutter ein Oberteil das gezielt die Brust betont…statt “Hausmütterchen” also MILF – was eine enorme Verbesserung.

Majestätisch oder businesslike würde vllt. doch besser zu “Macht” passen.

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Bundesbankvorhersagen

6 Jun

Spiegel hat sie hilfreicherweise zusammengefasst:

Die Notenbanker sagen für das laufende Jahr nach europäischer Berechnung einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,1 Prozent und für 2015 um 1,5 Prozent voraus. 2016 werde die Inflationsrate weiter auf 1,9 Prozent steigen.
[…]
Sie hob ihre Prognose für das Wachstum 2014 um 0,2 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent an, wie aus den am Freitag veröffentlichten Daten hervorgeht. Im nächsten Jahr rechnet sie mit einem Plus von 2,0 Prozent und 2016 mit 1,8 Prozent Wachstum.
[…]
Die Zahl der Arbeitslosen soll sich in diesem und im nächsten Jahr bei rund 2,8 Millionen einpendeln.

Die Erklärungen sind zwar wie immer Unsinn, aber immerhin können wir Ende des Jahres (und in den kommenden Jahren) vergleichen.

edit: Und hier, was der Weltbank dazu einfällt:

Deutlich besser als bisher angenommen, dürfte sich die Konjunktur laut der Weltbank in der Eurozone entwickeln. Während die Wachstumsrate wie bislang angenommen in diesem Jahr bei 1,1 Prozent liegen soll, steigt sie demnach 2015 auf 1,8 Prozent und 2016 auf 1,9 Prozent. Bislang lagen die Prognosen bei 1,4 und 1,5 Prozent

edit 2:

Vorhersagen für die USA:

Zwar wird für das laufende Jahr wegen des wetterbedingten Einbruchs zum Jahresbeginn nur noch mit einem Plus von “enttäuschenden” 1,7 Prozent gerechnet. Inzwischen gehe es aber wieder kräftig aufwärts mit der US-Wirtschaft, so dass für das kommende Jahr mit drei Prozent der größte Zuwachs seit 2005 erwartet wird, schreibt der IWF in seinem am Mittwoch veröffentlichten Länderbericht.

und Deutschland:

Die Wirtschaft werde im laufenden Jahr um 1,9 Prozent wachsen, 2015 dann um 1,7 Prozent, schätzt der IWF. Bisher waren die Experten von 1,7 Prozent für 2014 und 1,6 Prozent für 2015 ausgegangen.

Aus der schöne neoklassisch/neoliberale Traum – die Realität macht schlicht nicht halt

6 Jun

Direkt nach der Wahl der Europaabgeordneten hatte die europäische Politik ja nix besseres zu tun, als ausgiebig über den unwichtigsten Aspekt der Geschicht zu diskutieren – wer denn nun Präsident der europäischen Kommision würde.

(ok, nicht ganz direkt: als erstes musste man ja jeden mit der FN in den Topf werfen, der nicht für mehr Austerität gestimmt hatte)

Und nun, da dem Ganzen die Luft ausgeht, bieten sich die EZB und Draghi an, mit ihrem absurden Versuch, die Rezession dadurch aufzubrechen, dass man den Banken noch mehr Geld in die Hand drückt und es gleichzeitig verringert, wenn es schlicht als Reserve bei ebendieser EZB geparkt wird:

  • Angesichts der zuletzt sehr niedrigen Inflationsrate wird der Zins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, um 0,10 Punkte auf 0,15 Prozent gesenkt, wie die EZB am Donnerstag nach ihrer Ratssitzung in Frankfurt mitteilte.
  • Banken, die ihr Geld bei der Notenbank parken, müssen künftig Strafzinsen von 0,1 Prozent zahlen. Bei den rund 110 Milliarden Euro, die die Institute im Monatsdurchschnitt bei der EZB lagern, beläuft sich die Parkgebühr auf immerhin 110 Millionen Euro. Risikoscheue Institute sollen so gezwungen werden, ihr Geld abzuziehen und es lieber an Unternehmen und Privatleute zu verleihen.
  • Genau dafür gibt die EZB noch einen weiteren Anreiz. Sie verteilt erstmals in ihrer Geschichte zweckgebundene Kredite. Banken, die der Privatwirtschaft mehr Kredit geben als bisher, können sich bei der EZB extrem günstig Geld leihen. Der Zinssatz beträgt 0,2 Prozent für bis zu vier Jahre. Und das Volumen des EZB-Programms ist groß: Wenn alle Banken es voll ausschöpfen, würde es gut 400 Milliarden Euro betragen.

Gibt den Medien viel Gelegenheit, zu schreiben, und vor allem die angeblichen Risiken hervorzukehren. Überraschenderweise dringt in all diesen Schriebsen allerdings die Realität durch.
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Mikrokredite sind eine beschissene Idee

5 Jun

Mikrokredite beruhen auf der Idee, dass das einzige, was Armen in Asien, Afrika und Asien fehlt, Geld für den Aufbau eines eigenen Geschäftes ist. Obwohl Muhammad Yunus, seines Zeichens Ökonom aus Bangladesh, einen Friedensnobelpreis für seine Arbeit in die Richung erhielt (und sich damit in der Gesellschaft solch friedliebender Preisträger wie Henry Kissinger, Menachem Begin, Anwar as Sadat, Jassir Arafat, Barack Obama und der Europäischen Union befindet), sind Mikrokredite schlicht die neueste Form der Ausbeutung:

In Indien war ich selbst Zeitzeuge der bislang tiefsten Mikrofinanzkrise. Ein Großteil der Bevölkerung des Bundesstaates Andhra Pradesh war in eine hoffnungslose Schuldenfalle getrieben worden. 2010 brachten sich dann innerhalb eines Monats an die 80 Menschen um, teils, als sie von ihren Kundenbetreuern und den Mitgliedern ihrer Haftungsgruppen zum Suizid gedrängt wurden. Die riesige Mikrofinanzblase platzte. In Marokko schwelt seit 2008 eine Krise. Im Arabischen Frühling gründete sich dann eine Bewegung von Frauen, „Opfer des Mikrokredits“, die gegen hohe Zinsen und drastische Eintreibemaßnahmen protestierte. Deren zwei Anführerinnen wurden vor kurzem zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Dass also gerade in diesen beiden Ländern Mikrokredite als Teil der Lösung gepriesen werden, finde ich ausgesprochen zynisch.

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Kleine Autos dürfen halt nicht schnell fahren

5 Jun

Wenn wir denn wirklich auf absehbare Zeit bei PKWs-für-alle bleiben wollen, dann bleibt uns als Ansatz zur Handhabung der Erderwärmung eigentlich nur, die Dinger kleiner und leichter zu machen, damit sie weniger Produktionsaufwand verlangen und weniger Sprit schlucken (oder weniger Strom verbrauchen).

Nur ist einiges an Grösse und Masse Sicherheitserwägungen geschuldet – kleine Autos sind deutlich unsicherer:

An dem E-Mobil hatten die Prüfer einiges zu bemängeln: Unter anderem kritisierten sie, dass der Kopf des Fahrers beim Seitenaufprall aus dem Fahrzeug ragt und auf einem auftreffenden Fahrzeug aufschlagen kann. Der Twizy wird serienmäßig ohne Seitenschieben verkauft. Beim Frontalcrash wies der Dummy außerdem Anzeichen für schwere Verletzungen an Hals, Knien und Oberschenkeln auf.
[…]
Im Vergleich zu den anderen Testautos schnitt der Twizy noch verhältnismäßig gut ab: Bei dem Elektrofahrzeug Tazzari Zero brach im Frontal-Crashtest ein Befestigungspunkt des Anschnallgurts, der vordere Antriebsakku wurde in den Fußraum gedrückt. Beim Seitenaufprall öffnete sich die Fahrertür, beim Ligier Ixo riss sie sogar ab. Dem Frontalaufprall hielt der Sicherheitsgurt im Ixo ebenfalls nicht stand. Und das Golf-Kart von Club Car brach nahezu komplett auseinander, als es mit Tempo 50 auf ein Hindernis krachte.

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