“Das Turbo-Abi ist ein Nebenschauplatz”

26 May

Das ist ein Zitat aus einem TAZ-Interview, das so beginnt (meine Hervorhebung):

taz: Herr Schulte-Markwort, die Kritiker des Turbo-Abiturs stützen sich auf eine Aussage von Ihnen. Seit fünf Jahren diagnostizieren Sie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKE Burn-out und Erschöpfungsdepressionen bei Jugendlichen. Ebenso lange gibt es das Turbo-Abitur (G8). Besteht ein Zusammenhang?

Michael Schulte-Markwort: Ich habe den Elterngruppen gesagt, dass ich mich nicht instrumentalisieren lassen möchte. Es stimmt, dass wir insbesondere bei jungen Mädchen seit einigen Jahren Erschöpfungsdepressionen feststellen. Das dies jungen Menschen passiert, ist neu. Aber die Frage, ob das Gymnasium acht oder neun Jahre dauert, halte ich für einen Nebenschauplatz. Das ist so, als wenn sie einen platten Reifen haben und den gegenüber austauschen.


Schulte-Markwort zeigt dann die eigentlichen Gründe kurz und sachlich auf:

Kinder erleben heute schon im Kindergartenalter, dass es auf Leistung ankommt und sie ohne Leistung keine Gegenleistung erhalten. Jugendliche haben Angst, dass ihnen ohne gute Noten Arbeits- und Perspektivlosigkeit drohen.
[…]
Heute sind die Kinder hoch motiviert. Und sowie es in die 11. Klasse geht, rechnen die Schüler ihren Abiturschnitt aus und sind verzweifelt, wenn da eine zwei vor dem Komma steht und sie nicht den Schnitt haben, den sie für eine freie Studienplatzwahl brauchen. Da stehen begabte junge Menschen vor mir und klagen: „Ich habe nur 1,6.“
[…]
Im G9 war auch nicht alles perfekt. Damals wurden in der 11. Klasse fast alle Kinder ins Ausland geschickt. Und am Ende, in der 13. Klasse, waren viele unzufrieden, weil im Grunde nichts mehr passierte. Ich glaube, der Leistungsdruck würde im G9 genauso bestehen. Viele würden Angst haben, dass sie nicht genug leisten, und drängen: Wann marschieren wir endlich los?

Ich gebe mich keinen Illusionen dahingehend hin, dass eine realitätsbasierte Analyse neo-liberalen Lehrens irgendeine Chance hat, ideologische Diskussionen in der Politik zu beeinflussen, aber es tut doch gut, sowas zu lesen.

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