Journalisten können nicht durch Programme ersetzt werden, Reporter schon

22 Apr

Es gibt aktuell mal wieder einen Versuch, die Geschichte hochzuschreiben, dass Automatisierung solche Konkurrenz für Arbeitnehmer darstellt, dass diese nicht drumrum kommen, Lohndrückerei und schlechtere Arbeitsbedingungen in Kauf zu nahmen. Der Economist hat’s begeistert geschrieben, Spiegel ist aufgesprungen und heute war’s in der TAZ. Letztere fokussiert auf Programme, die quantitative Texte verfassen, ob über Erdbeben:

Wenn in seiner kalifornischen Heimat nachts die Erde bebt, kann sich Los Angeles Times-Reporter Ken Schwencke noch einmal umdrehen. Denn die erste Nachricht verfasst für ihn eine Maschine. Der „Quakebot“ schreibt auf, wie schwer der Erdstoß war.

Vor kurzem wurde die erste von dieser Software automatisch erstellte Meldung online veröffentlicht. Der Computer arbeitet mit den Daten, die die Erdbebenwacht USGS über das Internet herausgibt. Die Software fügt die Informationen in Sekunden in ein Meldungsformular ein. Fertig ist die Nachricht.


oder Sport:

Bei Berichten über ein Basketballspiel beispielsweise soll die Software nicht nur den Punktestand ausformulieren, sondern auch alte Spielberichte berücksichtigen. „Zum Beispiel, ob der Topscorer enttäuscht hat“, berichtet Prototyp-Entwickler Frank Feulner.

Und klar, wenn es darum geht, eine Zahl auszulesen und die mit einer anderen Zahl zu vergleichen, kann man die Wiedergabe automatisieren. Das wäre dann ein Reporter, der die Fakten sammelt und dann wiedergibt. Aber diese zu verorten, in Beziehung zu setzen, zu analysieren – z.B., ob der Topscorer tatsächlich "enttäuscht" hat oder ob er von der Verteidigung dazu gezwungen wurde, Würfe zu nehmen, die ihm nicht liegen (oder die Enttäuschung darin besteht, dass er darauf bestand, zu werfen, wenn Pässe angebrachter gewesen wären) – das kann das Programm nicht. Sieht die TAZ auch ein:

Auch Computerlinguist Manfred Stede von der Universität Potsdam findet: „Der Mehrwert im Journalismus ist ja, dass Fakten bewertet und nicht nur transportiert werden.“

Die Schlussfolgerung allerdings, dass es eben dieser Mehrwert ist, der immer weniger von Printmedien geliefert wird, und das Reporterprogramme deswegen eine Bedrohung darstellen, die wird wieder mal nicht gezogen.

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One Response to “Journalisten können nicht durch Programme ersetzt werden, Reporter schon”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Reportage allein reicht einfach nicht | Denk ich an Deutschland... - April 23, 2014

    […] kommt er im Endeffekt seiner Aufgabe der Analyse und Verortung, wie so oft nicht […]

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