Wie kann es eigentlich sein, dass niemand zu verstehen scheint, dass es Wahnsinn ist, “Schwarzer Peter” mit Erderwärmung zu spielen

8 Apr

Die aktuell beliebteste Taktik westlicher Regierungen, um die Gewinne diverser Konzerne zu schützen, besteht darin, darauf zu bestehen, dass die sich aktuell industrialisierenden Länder ihren CO2-Ausstoss verringern müssen, bevor sich die industrialisierten bewegen. Selbst die TAZ stimmt in sowas ein:

Doch so wichtig die Industrieländer sind – der Berichtsentwurf macht deutlich, dass der Kampf gegen den Klimawandel nicht hier entschieden wird, sondern in Schwellenländern wie China oder Indien und in den Megastädten Afrikas und Asiens. Denn der weltweite CO2-Ausstoß hat durch neue Fabriken, Autos und Kraftwerke dort immer mehr zugelegt: Pro Jahr stieg die Abgasfahne von 2000 bis 2010 um 2,2 Prozent jährlich, auf 49 Milliarden Tonnen CO2 2010. Dabei sind „das Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung Haupttreiber für den wachsenden CO2-Ausstoß“.


Mir schon klar, dass EU-Regierungen keine Abgasrichtlinien für chinesische Unternehmen unterlassen können. Allerdings können sie das im eigenen Land (und unterlassen es). Und alles, was produziert wird, egal ob Inland oder Ausland, kann man mit einer fetten CO2-Steuer belegen. Allerdings würde man damit natürlich die Gewinne derjenigen schmälern, die billiger und umweltverschmutzender in Asien produzieren…und das will ja keiner, der an der Macht ist.

Und wenn wir schon dabei sind, wie kommt die TAZ denn dazu, zu verkünden:

Dabei sehen die über 200 Wissenschaftler, die in der Arbeitsgruppe III des IPCC gearbeitet haben, aus den Estrel-Fenstern ein Land, das seine Energiewirtschaft durchaus nach ihren Vorstellungen umbaut. Denn um den Klimawandel noch halbwegs in Grenzen zu halten, fordern die Forscher „Veränderungen des globalen Energiesystems in großem Maßstab und Einschnitte bei den Emissionen von Treibhausgasen“. So steht es in dem internen Entwurf der Arbeitsgruppe, der ab Montag in Berlin verhandelt wird und der taz vorliegt.

Die Zukunftsvision der Forscher ähnelt der deutschen Energiewende: kräftige Reduzierung der Treibhausgasemissionen, massiver Ausbau der erneuerbaren Energien, Skepsis gegenüber Atomkraft als Allheilmittel und eine vage Hoffnung auf „saubere Kohle“, deren Klimagase mittels CCS-Technik unter der Erde eingelagert werden sollen. Allerdings stellen sich die Klimaexperten auch vor, dass die Länder ihre CO2-Emissionen aus Kohle, Öl und Gas „zwischen 40 und 70 Prozent bis 2050 reduzieren“ – während die Emissionen aus den Kohlekraftwerken in Deutschland wieder ansteigen.

Der letzte Satz ist der einzige ehrliche, angesichts der Versuche der grossen Koalition, die Energiewende zu untergraben (deren Konzeption zugegebenermassen in die richtige Richtung geht – an der Umsetzung hapert es). Europäische Regierungen wehren sich mit Händen und Füssen dagegen, irgendwas für die Verringerung des Treibhauseffekts zu tun.
Die deutsche Regierung ist da Vorreiter, wenn sie die europäische Kommission so lange bekniet, bis die Abgasnormen für europäische Autos aufgeweicht werden.
Aber auch alle anderen: konsequenter Umstieg auf Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen, höhere Besteuerung von Benzin und wenn wir schon mal dabei sind, alle anderen ölbasierten Treibstoffe, Flugzeugsprit, z.B., Ausbau und Verbilligung des öffentlichen Personennahverkehrs, Schaffung von Elektrizitätstankstellen für die Übergangsphase…gibt viel, was Europa ganz unabhängig von den sich industrialisierenden Ländern tun könnte. Macht nur keine der aktuellen Regierungen – verlangen bis auf Ausnahmen wie die Linke oder die Parti de Gauche die meisten Parteien noch nicht mal in ihren Wahlprogrammen (man muss sich nur mal ansehen, wie die Grünen sich zieren, irgendwas vorzuschlagen, was als “wachstumshemmend” wahrgenommen werden könnte).

Und wenn diese Ansätze dann Erfolg hatten, kann man die entwickelten technologischen Lösungen diversen industrialisierenden Staaten zur Lizenzierung anbieten – kostenfrei oder für nominale Lizenzgebühren, schliesslich wären die wahrscheinlich eh öffentlich finanziert worden.

Denn machen wir uns nichts vor: falls die globale Erwärmung nicht so gravierend reinhaut, wie aktuell angenommen, haben wir einen Schritt zu sauberer Luft und zur Nutzung von Öl für sinnvollere Zwecke als Verbrennung gemacht und faktisch nichts verloren. Falls es aber schlimmer kommt, und wir nichts oder zu wenig machen, sind wir schlicht und einfach gefickt!

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