Archive | April, 2014

Frauen für den Status Quo

23 Apr

Da haben Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling also ein Büchlein namens “Tussikratie” verfasst, dass vom Spiegel so aufgenommen wird:

Statt die Verhältnisse zu hinterfragen, denken viele Frauen zu stark an die eigene Macht: Das finden Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling und zweifeln in “Tussikratie” an der aktuellen Gender-Debatte. Eine wohltuend differenzierte Mahnung.

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US-Kriterien für Militärhilfe

23 Apr

Es ist ja klar, dass Waffenverkäufe so gut wie nix mit Menschenrechten zu tun haben, aber so offen liest man das selten:

Ägyptens Armee kann sich über neue moderne Kampfhubschrauber freuen. Das Pentagon hat die Lieferung von zehn Apache-Helikoptern an das Militär in Kairo angekündigt. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel habe seinen Amtskollegen Sidki Subhi über die Entscheidung in Kenntnis gesetzt, hieß es aus Washington.

“Wir glauben, dass diese neuen Hubschrauber der ägyptischen Regierung im Kampf gegen Extremisten helfen werden, die die Sicherheit der USA, Ägyptens und Israels bedrohen”, sagt Pentagon-Sprecher John Kirby. Die Helikopter sollten bei Anti-Terror-Einsätzen auf der Sinai-Halbinsel zum Einsatz kommen. Dort sind bei Angriffen von Dschihadisten auf ägyptische Sicherheitskräfte in den vergangenen Monaten mehr als hundert Menschen getötet worden.

Zuvor hatte Außenminister John Kerry dem Kongress mitgeteilt, dass Kairo die Kriterien für US-Militärhilfen erfülle. Dazu gehöre, dass die Führung am Nil “ihren Verpflichtungen aus dem ägyptisch-israelischen Friedensvertrag nachkommt”, teilte das Außenamt mit.

Die Grünen sind inzwischen auch komplett neoliberal

23 Apr

Das ist zumindest der einzige Schluss, der sich anbietet, wenn Göring-Eckart damit zitiert wird:

In guten Zeiten müsse für die Zukunft vorgesorgt werden, sagte die Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, der “Augsburger Allgemeinen”.

Die anderen Parteien sind nicht besser in ihren Vorschlägen – kalte Progression loszuwerden ist noch der sinnvollste, weil er eine Chance hat, die Binnennachfrage ein bisschen zu beleben, aber auch da wäre eine deutlichere Erhöhung des ALG II besser, da Menschen am Existenzminimum eh direkt alles ausgeben.

Reportage allein reicht einfach nicht

23 Apr

Der Spiegel berichtet, dass es der us-amerikanischen Mittelklasse nicht mehr so toll geht:

Noch immer weisen die USA mit das höchste Wirtschaftswachstum der Industrienationen auf – doch bis auf eine schmale Oberschicht rutscht die amerikanische Gesellschaft im globalen Wohlstandsvergleich immer weiter ab. Die US-Mittelschicht, für viele Jahrzehnte die reichste der Welt, hat diesen Status nun verloren, berichtet die “New York Times”. Demnach dürfte das Medianeinkommen inzwischen in Kanada am höchsten sein.

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Journalisten können nicht durch Programme ersetzt werden, Reporter schon

22 Apr

Es gibt aktuell mal wieder einen Versuch, die Geschichte hochzuschreiben, dass Automatisierung solche Konkurrenz für Arbeitnehmer darstellt, dass diese nicht drumrum kommen, Lohndrückerei und schlechtere Arbeitsbedingungen in Kauf zu nahmen. Der Economist hat’s begeistert geschrieben, Spiegel ist aufgesprungen und heute war’s in der TAZ. Letztere fokussiert auf Programme, die quantitative Texte verfassen, ob über Erdbeben:

Wenn in seiner kalifornischen Heimat nachts die Erde bebt, kann sich Los Angeles Times-Reporter Ken Schwencke noch einmal umdrehen. Denn die erste Nachricht verfasst für ihn eine Maschine. Der „Quakebot“ schreibt auf, wie schwer der Erdstoß war.

Vor kurzem wurde die erste von dieser Software automatisch erstellte Meldung online veröffentlicht. Der Computer arbeitet mit den Daten, die die Erdbebenwacht USGS über das Internet herausgibt. Die Software fügt die Informationen in Sekunden in ein Meldungsformular ein. Fertig ist die Nachricht.

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Vereinfachte Arbeitsmarktannahmen funktionieren nicht

17 Apr

Demnach werden nur etwa 60.000 der insgesamt rund 1,3 Millionen sogenannten Aufstocker durch den ab 2015 geplanten Mindestlohn nicht mehr auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sein.
[…]
Dies liege unter anderem daran, dass Einkommen oberhalb von 100 Euro zu 80 Prozent mit dem Anspruch auf Arbeitslosengeld II verrechnet werden.
[..]
Nur jeder sechste Aufstocker ist in Vollzeit beschäftigt. Fast vier Fünftel der Aufstocker arbeiten laut IAB weniger als 32 Stunden in der Woche. Das geringe Arbeitsvolumen sei ein Grund, warum der Mindestlohn nur für wenige das Ende von Hartz IV bedeute, obwohl der durchschnittliche Stundenlohn von Aufstockern 6,20 Euro betrage.

Schön, dass das sowas inzwischen sogar im Spiegel steht. Nun muss man nur noch die Schlussfolgerungen hinkriegen, dass

  1. es wohl um das deutsche “Jobwunder” net so toll bestellt ist, wenn es derartige Unterbeschäftigung gibt,
  2. ein Mindestlohn, der bei 32 Stunden/Woche nicht zum Leben reicht, wohl ein bisschen zu niedrig angesetzt ist, und
  3. die ALG-II-Regelung extrem regressiv ist.

Tipps, wann es soweit ist? 2020?
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Der Spiegel sieht wieder mal den Wald vor lauter Bäumen nicht

15 Apr

Da titeln die “Deutschland: Noch nie gab es so viele Mediziner wie heute” und bringen ihr Unverständnis ob des Ärztemangels in bestimmten Gegenden zum Ausdruck, beschreiben auch die Symptome ein bisschen genauer und kriegen es schlicht nicht hin, Schlussfolgerungen zu ziehen? Z.B. angesichts von:

Generell haben Kassenpatienten in ärmeren Regionen im Kampf um die Ärzte das Nachsehen. Die Münchner Gesundheitsökonomin Leonie Sundmacher hat in einer Studie bestätigt, dass Mediziner besonders dort gerne Praxen betreiben, wo es viele Wohlhabende gibt. Pro Prozent mehr an Privatversicherten gibt es in städtischen Kreisen demnach vier Praxisärzte auf 100.000 Einwohner mehr.

könnte eine naheliegende Schlussfolgerung sein, dass das Problem in der Existenz von Privatpatienten besteht, und in der Tatsache, dass Privatkassen mehr Leistungen zahlen als gesetzliche. Also einheitliche Versicherungen und Zahlungen schaffen, z.B. mittels einer einzigen gesetzlichen KK, die deutlich mehr zahlt, als den profitorientierten Katalog, der aktuell erstattet wird.

Oder angesichts von:

Hinzu kommt: Immer mehr Ärzte arbeiten in Teilzeit. 2005 waren es laut Statistischem Bundesamt noch 42.000, 2011 nach jüngsten Daten 54.000 Teilzeit-Ärzte. Eine mögliche Ursache für den Trend ist Experten zufolge der ansteigende Frauenanteil. Seit 1991 hat sich der Anteil der Ärztinnen um 34 Prozent auf 45 Prozent erhöht. Auch Allgemeinarzt Niebling meint: Damit die Frauen Job und Familie unter einen Hut bekommen können, brauche es für zwei Ausscheidende künftig drei Nachrücker.

Faszinierend, dass das für männliche Ärzte anscheinend kein Problem darstellt? Könnte es sein, dass a) Kindererziehung und Hausarbeit immer noch auf Frauen abgewälzt wird und dementsprechend eine geschlechtlich gleichberechtigtere Gesellschaft auch ein bessere Ärzteversorgung hätte, und b) Teilzeit deutlich weniger nötig wäre, wenn es genügend Kinderbetreuungseinrichtungen gäbe?

Aber klar, Feminismus und Regulierung assymmetrischer Märkte, das passt net so richtig in die Spiegelpropaganda.