Mehr unreflektierte kognitive Dissonanz

13 Mar

Die TAZ hat aktuell einen Artikel, der sich mit einem Vorschlag Kissingers beschäftigt, die Ukraine föderaler zu machen und damit Konflikte zu entschärfen. Ich hab zwei offensichtliche Probleme damit: einerseits ist das Kissinger, Chile- und Vietnam-Kissinger (nebenbei auch Friedensnobelpreisträger, genauso wie der Drohnenkrieger Obama, Mikrowucherer Yunus und die Verarmungsmaschine EU, was schon alles über diesen Preis sagt, was zu wissen wäre). Andererseits bin ich gegenüber föderalen Entwürfen gegenüber eh ein bisschen misstrauisch: im Irak scheint das i.W. dazu gedacht zu sein, die verschiedenen Ethnien gegeneinander auszuspielen, in Belgien löst Föderation grad gar mal nix, und in Jugoslawien hat das auch nicht so toll funktioniert.

Aber darum geht’s mir grad nicht. Entlarvend finde ich:

Die Lage wird auch dadurch verschärft, dass in Russland jetzt Hitzköpfe Hochkonjunktur haben. Indem die Staatsduma die neue Regierung der Krim ermuntert, per Referendum am 16. März den Beitritt zur Russischen Föderation zu beschließen, ist Moskau dabei, sich in eine Sackgasse zu manövrieren.

Die Massenmedien haben uns jahrelang eingehämmert, dass Russland keine Demokratie ist, dass das Parlament nur eine Abnickinstitution für Putin sei, dass Putin so ziemlich alles lenkt. Abgesehen davon, dass eine solche Erzählung die Komplexität ausblendet, die selbst die Entscheidungen und Handlungen eines Diktators unterliegen würde: ganz egal, wie einflussreich Putin ist, wenn es sich bei ihm nicht gerade um einen Herkules oder Gilgamesch (oder Rambo) gleichen Übermenschen handelt, muss er bestimmte Leute zur Machterhaltung belohnen, wird sie halt auch von Sätzen wie den zitierten konterkariert.

Entweder die Erzählung vom alles kontrollierenden Putin ist korrekt, oder die der Hitzköpfe in der Duma, die die Entscheidungen ihres Präsidenten vor sich hertreiben können. Im ersten Fall kommt man dann aber auch nicht drumrum, zu akzeptieren, dass Entscheidungen sehr rational und auf bestimmte Ziele ausgerichtet sind, und nicht “kriegstreiberisch” oder hitzköpfig. Im zweiten Falle hingegen ist es nicht sehr sinnvoll, Putin die ganze Zeit als denjenigen darzustellen, der die (De)eskalation in der Ukraine kontrolliere.

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