Das war von Anfang an klar

13 Mar

In zwei nordafrikanischen Ländern, Libyen und Sudan, haben europäische Regierungen Aktionen gegen die amtierende Zentralregierung unterstützt, im Sudan mittels “soft power”, um damit die Abspaltung von Südsudan zu ermöglichen, in Libyen mit “hard power” mittels Luftangriffen gegen Gaddafis Truppen, was zu seinem Sturz und gewaltsamen Ableben führte. In beiden Fällen war Öl im Spiel und in beiden Fällen war es eigentlich offensichtlich, dass das eigentliche Problem nicht gelöst werden würde. Also, zumindest für mich (und andere, Stratfor wie üblich dabei) und ich habe keinen Apparat von Experten, auf die ich mich bei der Analyse der Lage stützen könnte. Aber gerade angesichts der Bereitschaft verschiedener Gruppen, zu bewaffnetem Kampf zu greifen, um ein grösseres Stück vom Ölkuchen abzukriegen, war es unwahrscheinlich das die “neuen” Staaten in einen Zustand gelangen würden, in dem Öleinnahmen verteilt und der Lebensstandard der Bevölkerung gleichmässig erhöht wird.

Europäische und us-amerikanische Politiker, flanktiert von den Massenmedien, hingegen prophezeiten genau das.

Spulen wir ein paar Jahre vor, sehen wir einen Bürgerkrieg im Südsudan, dessen Hauptziel das Erlangen der Kontrolle über die Ölfelder ist und andauernde Auseinandersetzungen in Libyen, ebenfalls um Öl:

Ehemalige Revolutionsbrigaden, die heute formell der Armee unterstehen, vertrieben derweil bewaffnete Anhänger einer Separatistenbewegung aus der Küstenstadt Sirte. Die libysche Nachrichtenagentur Lana meldete, die Truppen wollten die Kämpfer der „Autonomieregierung“ in der Stadt Adschdabija in den kommenden Tagen aus allen Ölverladehäfen vertreiben, die sie unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

Nebenschauplätze beinhalten die Absetzung des Regierungschefs:

Seidan hatte vor dem Aufstand gegen den Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 mehr als 30 Jahre als Oppositioneller im Exil gelebt. Gegen ihn war am Dienstag, direkt nachdem ihn das Parlament per Misstrauensvotum abgesetzt hatte, ein Haftbefehl erlassen worden. Laut Medienberichten werden ihm Korruption und Misswirtschaft in Zusammenhang mit illegalen Ölverkäufen der Separatisten vorgeworfen.

und “illegale” Ölexporte:

Am Montag hatte ein Öltanker aus Nordkorea den libyschen Hafen Al-Sidra verlassen, wo er Öl aus den von den Separatisten besetzten Anlagen geladen hatte. Teile der Separatistenbewegung verfolgen nach Einschätzung unabhängiger Beobachter keine politischen Ziele, sondern sind vor allem daran interessiert, sich zu bereichern.

Die libysche Regierung hatte ursprünglich angekündigt, den Tanker aus der Luft anzugreifen, sollte er ablegen. Das käme einer bewusst geschaffenen Umweltkatastrophe gleich, allein des Geldes wegen.

Wenn jemandem wie mir klar sein konnte, dass das das erwartbare Ergebnis sein würde (und es ist ja nicht so, als seien das die einzigen beiden Datenpunkte), dann muss man davon ausgehen, dass Entscheidungsträger auch wussten. Wenn Journalisten ihrem Informationsauftrag wirklich nachkämen, dann würden solche Berichte dementsprechend mit den blauäugigen Versprechungen der damaligen Unterstützer verbunden und mit den Aussagen derer, die sich gegen solche Eingriffe aussprachen. Denn nur auf diese Weise können wir Entscheidungsträger evaluieren: Prognosen mit Geschehnissen vergleichen und dann die loswerden, die konsequent falsch liegen.

Allerdings wird diese Dienstleistung von aktuellen Journalisten nicht mehr erbracht.

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