Auf beiden Hirnhälften blind

18 Oct

Man stelle sich meine Überraschung vor, als ich heute auf SPON “Haushaltskrise: Der größte Gläubiger der USA sitzt in Washington” las. “Sie haben’s endlich gerafft”, schoss mir durch den Sinn, “sie verstehen endlich, dass Staatsschulden offensichtlich Unsinn sind, wenn der Staat sich selbst was schulden kann.”

Gott, hab ich mich geirrt!

An den Fakten kommt SPON nicht vorbei:

Die Ablösung fand vor rund zweieinhalb Jahren statt: Seit damals ist nicht mehr China der größte Gläubiger der USA, sondern die US-Notenbank Fed. Sie hält mittlerweile Staatsanleihen im Wert von 2,1 Billionen Dollar. Nach wie vor sind die Chinesen aber der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten. 1,277 Billionen schulden die USA China mittlerweile. Japan liegt nur knapp dahinter mit 1,1 Billionen Dollar.

Die aktuelle Obergrenze liegt bei 16,7 Billionen. Das sind immerhin 12,5%, die die Bundesregierung der USA sich selbst schuldet. D.h., wenn die nicht zurückgezahlt werden, ändert sich in der Bilanz der USA nichts!

Wie zu erwarten war, kommt dieser Umstand in der Diskussion des Spiegels überhaupt nicht vor – sie erwähnen das zwar, aber sind offensichtlich völlig unfähig, die Verbindung herzustellen.

Und dabei schreiben sie sogar über das offensichtliche Symptom:

Wie für alle seine Anleihen, zahlt der Staat auch für die von der Fed aufgekauften Papiere regelmäßig Zinsen – allerdings mit einer Besonderheit: Den Gewinn, den die Fed mit diesen Zinsen macht, liefert sie anschließend wieder bei der US-Regierung ab. So fließen 40 Prozent der gesamten Zinskosten wieder an den Staat zurück.

D.h., die Zinsen, die die US-Regierung an die Fed zahlt, sind faktisch 0!

Aber nachdem SPON all das korrekt darlegt, beten sie wieder Unsinn her, dass es schwer beeindruckend ist:

Im Schnitt zahlt der amerikanische Staat auf seine Anleihen nur 1,5 Prozent Zinsen. Vor der Geldschwemme der Fed waren es rund fünf Prozent. Wäre dies heute noch der Fall, würde sich das Staatsdefizit auf einen Schlag verdoppeln – auf rund zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Eine Belastung, die für die größte Volkswirtschaft der Welt kaum zu stemmen wäre.

Was! Für! Ein! Unsinn!

Wie wir grad festgestellt haben, kann die Fed der US-Regierung reichlich Kredit geben und die tatsächlichen Zinszahlungen dafür sind 0! D.h. auch, wenn die US-Regierung weiterhin darauf besteht, sichere Anlagemöglichkeiten für die Privatwirtschaft zur Verfügung zu stellen, könnte sie auch 10 oder 15 Prozent Zins ganz entspannt verkraften, indem sie sich das Geld dafür von der Fed geben lässt.

Wohlgemerkt, nicht “leiht”, denn wenn ein Teil der Regierung einem anderen Geld gibt, ist das eben kein “Schuldenmachen”.

Zu guter Letzt: weitere 475 Milliarden “Schulden” hat die Bundesregierung bei US-amerikanischen Kommunen und Bundesstaaten – das sind Verwaltungseinheiten, die alle in der einen oder anderen Form von der Bundesregierung Geld erhalten – entweder direkt in Form von Transfers oder indirekt durch Programme, die durch die Bundesregierung finanziert werden. D.h., das Geld, das diese Verwaltungseinheiten der Bundesregierung “leihen”, ist nur verfügbar, weil die Bundesregierung Geld ausgibt. D.h., es sollte auf +-0 rauskommen, stattdessen wird es einmal als Ausgabe der Regierung dargestellt und zusätzlich als Schulden…

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One Response to “Auf beiden Hirnhälften blind”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Beweislage mangelhaft | Denk ich an Deutschland... - October 18, 2013

    […] Spiegel Online. Nachdem sie vor ein paar Tagen noch rumgeheult haben, dass Chinas sinkende Exporte problematisch für die Weltwirtschaft seien, übernehmen sie heute einen Artikel des WSJ Deutschland, dass es “gutes” und […]

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