Des Westens Freiheitskämpfer ist des Syrers Mörder

11 Oct

Nicht, dass es besonders überraschend wäre, aber es sieht doch arg so aus, als hätten Aufständische in Syrien Alawiten abgeschlachtet – weil sie Alawiten sind und keine Sunni. Zivilisten, deren einziger Fehler die Form des Islam ist, der sie anhängen und der auch diejenigen anhängen, auf die Assad seine Macht stützt.

Und das war klar! Es war klar, dass das in einem Bürgerkrieg passieren wird, in dem die Linien auch gerade religiös verlaufen. Das einzige, was das vielleicht verhindert hätte, wäre ein schneller, deutlicher Sieg einer der beiden Seiten gewesen. Wobei auch dann wahrscheinlich Zivilisten abgeschlachtet worden wären, aus Rache, als Warnung, aber auch, um den Pool etwaiger Kämpfer in zukünftigen Konflikten auszudünnen.

Und nichts zeigt die Verrottung der “Mitte-Linken” besser als dass ein Arschloch wie Reinhard Mohr Telepolis ein Interview unter dem Titel Bin ich jetzt reaktionär? Bekenntnisse eines Altlinken geben kann, in dem er, abgesehen von Bullshit über die Unvermeidbarkeit der Marktwirtschaft und Strohmännern bzgl. Gender Theory und Islamkritik, auch Folgendes von sich geben darf:

Mich hat der NATO-Einsatz im Kosovo, über den ich ungefähr so denke wie ein Kommentator in der FAZ, der diesen Einsatz befürwortet, in diese Richtung verändert. Auch für eine Intervention in Syrien bin ich heutzutage offen, obwohl es sehr schwierig ist, die Situation dort korrekt zu beurteilen.

Erinnern wir uns an Kosovo: mit der Begründung der ethnischen Säuberung der Albaner hat das neoliberale Duo Schröder/Fischer dafür gesorgt, dass sich Deutschland daran beteiligte, einem industrialisierten Staat die Infrastruktur zu zerschiessen (beeindruckend deprimierend dargestellt in What’s become of the German Greens) und als Resultat des Ganzen ist die ethnische Säuberung dann halt an den Serben verübt worden.

Und das Gleiche passiert jetzt wieder: es sind “Linke” wie Hollande, die danach rufen, auf Seiten der Aufständischen einzugreifen, “Linke” wie Obama, die die Rebellen bewaffnen wollen, “Altlinke” wie Mohr, die das alles befürworten. Und dass es Rechten wie Westerwelle vorbehalten bleibt, nicht der Bombardierung Lybiens zuzustimmen, wie Merkel, nicht kurzentschlossen die Syrienaussage der EU zu unterschreiben, wie Michele Bachmann, darauf hinzuweisen, dass die Rebellen die gleichen sind, die ansonsten als Terroristen diffamiert werden (auch wenn der Rest ihrer Aussage komplett gaga war), das ist verdammt peinlich. Wobei sich die einzige linke Partei im Bundestag bislang zumindest aller Kriegstreiberei verweigert hat.

Keine Frage, Assad ist ein Diktator, der gestürzt werden muss, wenn man das Wohlergehen der syrischen Bevölkerung im Blick hat. Nur sind seine aktuellen Gegner keinen Deut besser. Und das heisst, dass die Nato (oder Teile davon) dort mit viel Feuerkraft und reichlich Bodentruppen reingehen müsste und dann auch eine Weile da bleiben – also genau das tun, was sie in Afghanistan und dem Irak nicht gemacht haben.

Und ja, Mohr ist reaktionär, das trieft aus jeder Aussage des Interviews. Allerdings hat er auch den kognitiven Spagat der Konservativen schon komplett verinnerlicht: einerseits die mangelnde Islamkritik der Linken beklagen, aber andererseits sunnitische Islamisten unterstützen wollen, das ist ein Trick, den kriegt man nur mit Willen zur Macht ohne weiteres hin.

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