Angelas Mantra

4 Sep

“Nur die Schweiz, Singapur und Finnland schneiden besser ab: Deutschland hat sich in der Spitzengruppe der wettbewerbsfähigsten Staaten vom sechsten auf den vierten Platz vorgearbeitet, das besagt das Ranking des Weltwirtschaftsforums. Schlecht sieht es für südliche EU-Länder wie Griechenland aus.”

Natürlich aus dem Spiegel kopiert, dessen Wirtschaftsredaktion sich das Denken intensivst verkneift.

Deswegen noch mal zum Mitschreiben:

1) “Wettbewerbsfähigkeit” bedeutet in dem Zusammenhang, dass ein Land viel exportiert (mehr als es importiert), z.B. Deutschland. Das wird aber nur was, wenn andere Länder importieren (mehr als sie exportieren), z.B. Griechenland vor der Krise. Wenn ein Land mehr importiert als es exportiert, geht das nur, wenn Individuen, Firmen oder die Regierung dieses Landes mehr ausgeben, als sie einnehmen. D.h., sich einerseits auf die “Wettbewerbsfähigkeit” des eigenen Landes einen runterzuholen und andererseits dem Rest der Welt zu erzählen, dass sie nicht ins Defizit gehen soll, ist schlicht inkonsistent.
2) “Wettbewerbsfähigkeit” ist relativ – d.h., für jedes Land an der Spitze muss es ein Land am Ende geben. Wenn nun 2 der 4 wettbewerbsfähigsten Länder der Eurozone angehören, die weniger wettbewerbsfähige Länder daran hindert, abzuwerten, um ein bisschen wettbewerbsfähiger zu werden, dann ist es ganz und gar nicht überraschend, dass das auf Kosten ebendieser geht.

Flassbeck hat auch einiges dazu zu sagen:

Der Monatsbericht für den Juli 2013 des Bundeswirtschaftsministeriums beschäftigt sich in dem Beitrag “Wirtschaftspolitisch relevante Bewegungen in der deutschen Leistungsbilanz im Jahr 2012″ mit dem auf über 185 Mrd. Euro angestiegenen Leistungsbilanzüberschuss, den Deutschland im vergangenen Jahr erzielt hat. Im Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt ist der Saldo gegenüber 2011 von 6,2 Prozent auf 7,0 Prozent gestiegen und damit in eine Größenordnung gelangt, die das Verfahren bei makroökonomischen Ungleichgewichten (Macroeconomic Imbalances Procedure, MIP) in Gang setzt.

Der Beitrag liest sich wie eine Verteidigungsschrift für die Folgen deutscher Wirtschaftspolitik, die Überschüsse als gerechtfertigt einstuft, “wenn sie … das Ergebnis hoher Leistungsfähigkeit von Unternehmen in wettbewerblichen Märkten sind” (S. 12 ebendort). Das verwundert nicht angesichts der rein merkantilistischen Ausrichtung dieser Politik. Schon die Betitelung des letzten Absatzes des Beitrags mit “Der deutsche Leistungsbilanzsaldo ist ein Marktergebnis” spricht Bände: Wenn etwas “Marktergebnis” ist, so die Botschaft, dann ist es per se richtig, nicht zu hinterfragen und schon gar nicht zu ändern. (Ganz abgesehen davon, dass die Hauptursache der Überschüsse, das deutsche Lohndumping, alles andere als ein reines Marktergebnis ist, sondern im Wesentlichen durch die politisch verordnete Agenda 2010 erzwungen wurde, wie wir in vielen Beiträgen gezeigt haben.)

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