“Unterhaltung” ist sehr nützlich für Propaganda

24 Aug

Das hat mich schon bei “The West Wing” genervt – der Zuschauer kriegt die ganze Zeit erzählt, wie unglaublich links und progressiv die Charaktere seien, aber die politischen Anliegen, die präsentiert und unter hohem persönlichen Einsatz durchgedrückt werden, verengen politische Alternativen sehr stark. Wenn man dem Publikum konsequent einredet, dass Utopien und radikale Änderungen schlicht nicht möglich sind, ist es viel einfacher, Leute wie Obama oder Holland als “so links wie möglich” zu verkaufen, oder die Behauptung aufzustellen, dass es keine Alternative zur Politk von schwarzgelb gäbe.

Als ich den Trailer zu Elysium sah, hatte ich den Eindruck, dass der Film ein bisschen sinnlos sei, denn wenn er auch eine Fortschreibung des aktuellen Raubtierkapitalismus zeigt, mit Armut und Verfall auf der einen Seite und den 0.1% auf der anderen, so scheint er doch keine Lösungsansätze anzubieten, die darüber hinausgehen, das Habitat der Superreichen zu zerstören.

Das hindert den Spiegel nicht daran, ihn zum “smartesten und subversivsten Sommer-Blockbuster” zu erklären. Das ist nun zugegebenermassen nicht wirklich schwierig, aber was ist denn nun so subversiv daran?

Schon damals beschäftigten sich dystopische Filme wie “Soylent Green” oder “Lautlos im Weltall” mit Umweltverschmutzung, Ressourcenverknappung, Überbevölkerung oder der dubiosen Macht weltumspannender Konzerne. “Elysium”, wiewohl rasant und schauwertig wie ein moderner Action-Thriller, folgt dieser Tradition des mahnend-aufklärerischen Zukunftskinos: Hier ist die Kluft zwischen Arm und Reich bereits so weit und unüberbrückbar wie ein Trip durchs Weltall geworden.

D.h., die reine Feststellung, dass extreme Differenzen zwischen Arm und Reich bestehen, soll subversiv sein? Eine Feststellung, die noch dazu so geläufig ist, dass sie sich im unzensierten Armutsbericht der Bundesregierung fand? Laut Spiegel ja:

Das macht “Elysium” zum linksliberalsten Sommer-Blockbuster der Saison – und etabliert den erst 33-jährigen Regisseur neben dem Briten Christopher Nolan als einen der wenigen Autorenfilmer des aktuellen Action-Kinos.

Das wäre der gleiche Nolan, der gerade einen Batman abgeliefert hat, in dem der Aufstand der Benachteiligten keine Lösung ist, sondern Probleme am Besten durch paternalistische Figuren aus der politischen und ökonomischen Elite angegangen werden. Allerdings ist der Gipfel der Subversion für Spiegel ja auch schon durch linksliberale Aussagen erreicht – das wiederum sagt doch einiges darüber aus, in was für einer Gesellschaft wir inzwischen wieder leben.

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