Spiegel als Informationsquelle

2 Aug

Ich diss den Spiegel ja immer wieder für seine Rolle als Propagandainstrument, aber manchmal kann man ihn auch einfach als Informationsquelle nutzen.

Aktuell ist da z.B. ein Eintrag ARD-Deutschlandtrend: Schwarz-Gelb hat erstmals seit 2009 eigene Mehrheit mit der Einleitung:

Die Koalitionsparteien CDU und FDP haben laut ARD-Deutschlandtrend gemeinsam ein besseres Ergebnis als alle im Bundestag vertretenen Oppositionsparteien zusammen – zum ersten Mal seit November 2009. Auch die Institute Forsa und Allensbach sehen die Koalition mit einer eigenen Mehrheit.

Mal abgesehen davon, dass das Deprimierendes über das deutsche Wahlvolk aussagt, illustriert es auch die Idiotie (oder Verlogenheit) der sogenannten Mittelinksparteien: wenn Grüne und SPD sich nicht konsequent der Linken verweigerten, weil die tatsächlich linke Anliegen hat, wären sie nicht darauf reduziert, Wasserträger der CDU zu sein.

Und als zweites gibt es heute Wert eines Nationalparks: Tourismus statt Ölbohrung:

Der Virunga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo ist die Heimat vieler seltener Tierarten. Doch unter dem Gebiet schlummern womöglich Ölvorkommen. Probebohrungen sind angekündigt. Umweltschützer rechnen nun vor, welchen enormen wirtschaftlichen Wert der Park besitzt – wenn die Natur erhalten bleibt.

Treffende Illustration eines Artikels auf Naked Capitalism darüber, wie unsinnig es ist, verschiedene Vorgänge und Ergebnisse mit Dollarzahlen bemessen zu wollen.

NC macht ein allgemeineres Argument auf, aber man kann ganz speziell darauf hinweisen, was für einen Bärendienst sich der WWF mit Einschätzungen wie den folgenden erweist:

Durch richtige Nutzung des Ökosystems könnte der Park bis zu 348 Millionen US-Dollar (263 Millionen Euro) im Jahr einbringen, rechnet die Studie vor. Umweltfreundliche und nachhaltige Methoden könnten den Park zu einem großen Wirtschaftsfaktor machen und etwa 45.000 Arbeitsplätze bieten, so die Schätzungen.

Doch das ließe sich laut WWF deutlich steigern. Der Tourismus sei dabei für die Umweltschützer mit mehr als 200 Millionen möglichen US-Dollar pro Jahr der treibende Faktor. Aber auch der Ausbau der Fischerei könnte bis zu 90 Millionen jährlich bringen. Die Gewinne aus der Wasserkraft sollen sich auf 10 Millionen US-Dollar verdoppeln lassen.

Doch nicht nur direkt mögliche Einnahmen bezieht die Studie ein: Durch ein intaktes Ökosystem wird in der Region die Bindung von Kohlenstoff, die Wasserversorgung und der Erosionsschutz gewährleistet. Auch das lässt sich in einen Geldwert umrechnen. Einen Gegenwert von mehr als 60 Millionen könnte der Park hier entfalten. Insgesamt könnte der Nationalpark daher deutlich über einer Milliarde US-Dollar pro Jahr wert sein. Der Großteil davon listet die Studie mit 700 Millionen US-Dollar aber unter dem Punkt “Nichtgebrauchswert”.

Diese Rechnung spricht genau so lange für den Park, bis das Öl so knapp ist und der Preis so hoch, dass die Ölreserven mehr wert sind. Das Argument gegen Zerstörung kann nie ein geldbasiertes sein, denn dann kann man es auch geldbasiert widerlegen.

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