Wer den Schaden hat…

26 Feb

Griechenlands Wirtschaft ist seit Verordnung der Austerität konsequent geschrumpft. Ich fand Spiegels Schlagzeile “Schuldenkrise: Griechenlands Wirtschaft bricht erneut ein” dementsprechend ein wenig überraschend – sollte ich ein Stagnationsquartal verpasst haben?

Fehlanzeige – wahrscheinlich hätte “weiterhin” nur so negativ geklungen…

Nur sollte man das jetzt nicht als Hinweis darauf nehmen, was zu ändern:

Trotz aller Mühen um Einsparungen und Reformen hätten die Krisenländer Griechenland und Portugal kaum Fortschritt beim Umbau ihrer Wirtschaft gemacht, kritisiert die Forschergruppe “European Economic Advisory Group” (EEAG), der das Münchener Ifo-Institut angehört, in ihrem Jahresbericht.

Leute feuern und Löhne drücken führt nun mal nicht magisch dazu, dass neue Wirtschaftszweige entstehen.

Vor allem Griechenland habe sehr wenig getan, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. “Es gibt keinerlei Anzeichen einer Besserung – trotz der zuletzt positiveren Einschätzung der Finanzmärkte”, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die Finanzmärkte, lieber Herr Sinn, schätzen ein, wie wahrscheinlich es ist, dass Griechenland seine Schulden nicht zurückzahlt. So lange Austerität dafür sorgt, dass die EZB das übernimmt, sind die Märkte natürlich ruhig – Realwirtschaft kann denen dabei egal sein.

Die Forscher analysierten Gradmesser wie die Leistungsbilanz und die Preisentwicklung in den beiden Ländern. Von 2007 bis 2011 konnten Griechenland und Portugal demnach das Defizit in der Leistungsbilanz um einige Prozentpunkte reduzieren. Doch habe dies fast nur am Einbruch der Einfuhren gelegen und nicht an einem Zuwachs von Ausfuhren, der Wirtschaftswachstum bringen würde.

Und an wen sollen sie denn exportieren? An die anderen an Austerität darbenden Eurozonenländer? And die aussereuropäischen Länder, die grossteils eher schlecht als recht dahinmuddeln (und/oder auf Export gepolt sind)? Oder an Deutschland, dessen Wirtschaftsmodell darin besteht, mehr zu exportieren als zu importieren?

Wettbewerbsfähiger können die Krisenländer den Volkswirten zufolge nur werden, wenn sie intern abwerten – also Preise und Löhne senken. Gegenüber Deutschland als Messlatte gingen die Preise in Griechenland in den vergangenen fünf Jahren aber nur minimal zurück, während sie in Portugal sogar noch leicht zulegten. Die Lohnstückkosten gingen in Griechenland von 2007 bis 2011 zwar bei der Güterproduktion um sieben Prozent zurück, im Dienstleistungssektor stiegen sie aber um elf Prozent.

Deutschland hat 10 Jahre interne Abwertung vorgelegt, von eh schon niedrigen Lohnstückkosten her. Und das soll Griechenland jetzt innerhalb weniger Jahre nachholen, während Deutschland wohlgemerkt nicht daran denkt, selbst intern aufzuwerten? Das “nur” ist natürlich auch falsch. Die Alternative besteht bekanntlich darin, das Korsett des Euros zu verlassen und extern abzuwerten. Ach ich vergass, Alternativlosigkeit.

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