Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

20 Feb

Silvio Berlusconi (bzw. seine Gruppierung) könnte in den nächsten italienischen Wahlen die meisten Stimmen erhalten. Die deutsche Regierung mag das gar nicht, denn er könnte ja vom Austeritätskurs seines Vorgängers abrücken. Und wenn die deutsche Regierung das nicht mag, dann mag der Spiegel das auch nicht:

Berlusconis treue Anhänger: “Nur Silvio kann Italien retten”

Berlin sorgt sich, Europa schüttelt den Kopf: Silvio Berlusconi hat wenige Tage vor der Wahl in Italien in Umfragen aufgeholt. Warum wollen so viele immer noch den Skandalpolitiker wählen?

Europa schüttelt den Kopf? Tatsächlich? Schliesst das diejenigen von uns ein, denen klar ist, dass Austerität in einer Rezession Bürger in Arbeitslosigkeit und Armut stürzt? Diejenigen, die sich die Steuerflüchtlingslistenfarce in Griechenland oder die Schwarzgeldaffäre in Spanien ansehen, Skandale von Merkelverbündeten? Diejenigen, die in Griechenland Chrysi Avgi wählen würden, die in Frankreich Front National wählen, in Finnland die wahren Finnen, in Vereinigten Königreich UKIP oder sich in Deutschland von den etablierten Parteien verarscht fühlen und deswegen bei der NPD ihr Kreuzchen machen?

Ich stimme niemandem zu, der Neofaschisten, Nationalisten und Xenophobe wählt, aber dass man die Parteien nicht wählt, deren erklärtes Ziel es ist, der Wähler Lebensstandard zu senken, das verstehe ich sehr wohl. Der Spiegel eher nicht:

Ein Viertel wird ihn wohl wieder wählen, trotz der Prozesse wegen Amtsmissbrauchs und Bestechung, trotz des Skandals um die minderjährige Prostituierte Karima el-Marough alias Ruby Rubacuori, trotz der frauenfeindlichen Sprüche, trotz der gebrochenen Versprechen als Premier.

Wir wäre es mit wegen der Monti-Politik, die ihr persönliches Leben verschlechter hat? Die neoklassischen Wirtschafts”wissenschaftler” sind doch solche Fans des egoistischen Individuums – dann sollte es doch offensichtlich sein, wie die Abwägung zwischen Skandalen, die sich weit weg anfühlen (oder auch sind) und einer Politik, die direkt das eigene Leben betrifft, ausgeht. Aber auf Monti lässt Spiegel ja nix kommen:

Damals, im November 2011, wetteten die Finanzmärkte gegen das erstarrte Italien Berlusconis, der Premier musste gehen, Wirtschaftsprofessor Mario Monti übernahm.

Völlig egal, ob Monti “Wirtschaftsprofessor” ist, er hat die italienische realwirtschaftliche Situation verschlechtert, und damit als Politiker schlicht versagt.

Nachschlag – neueste Spiegelmeldung hat den Aufmacher: “Ein Clown, ein Milliardär, ein Apparatschik und ein Professor, der von Politik nichts versteht.” Die Wortwahl ist derart, dass der Professor als die beste Variante dargestellt wird. Wie klänge stattdessen “Ein Komiker und Populist, ein mehrfach angeklagter Unternehmer, ein Apparatschik und ein Wirtschaftsprofessor, der wirtschaftlich versagt.”? Wen würde man dann wählen?

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